Streiflichter
Bewiesen? (26.12.2011)
Schon oft habe ich gelesen, dass die erfolgreiche Reise eines Bootes die Seetüchtigkeit des betreffenden Bootstyps unter Beweis gestellt habe. Das stimmt so nicht, denke ich. Der Erfolg
einer Seereise hängt von so vielen Unwägbarkeiten ab, dass der Umstand, heile das Ziel erreicht zu haben, meist nicht viel darüber aussagt, ob das Boot geeignet war oder nicht. Dazu ein Gedankenexperiment: man nehme einen Opel Astra und
einen VW-Golf und lasse sie auf einer Autobahn gegen die allgemeine Verkehrsrichtung fahren. Angenommen, der Golf würde nach 100 Metern mit einem anderen Fahrzeug kollidieren, während der Opel Astra zehn Kilometer unfallfrei zurück legt.
Könnte man daraus schließen, dass Opel Astras besser für die Autobahngeisterfahrt geeignet sind als VW-Golfs?
Alles GROßARTIG! (15.12.2011)
Ein weiteres Beispiel dafür, wie unkritisch die sogenannte „Fachpresse“ dem Objekt ihrer Berichterstattung gegenüber steht, findet sich auf der Website des Magazins Ocean7.
Dort lässt man den Vertriebsleiter von Bavaria Meik Lessig im Interview wie folgt zu Wort kommen:
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Kritische Nachfragen: keine. Ein völlig anderes Bild der Lage bei Bavaria zeichnet zeitgleich dagegen die Mainpost aus Würzburg:
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Nun die Preisfrage: Wem soll man glauben?
Hungerlöhne? (06.12.2011)
Es gibt Meldungen aus der Wassersportbranche, die sich in der “Fachpresse” nicht nachlesen lassen. Ich bin mir sicher, dass Nachrichten wie diese hier nur deshalb (so weit ich weiß) nicht in der Hofberichterstattung der Segelpresse auftauchen, weil sie langweilig und
uninteressant sind. Mit dem Anzeigengeschäft hat das bestimmt nichts zu tun.
Ein Phantom Namens Vandeck (10.09.2011)
Im Jahr 1999 erschien ein Buch mit dem Titel „Ennoia mit Kurs auf die Sonne“. Beschrieben
wird darin die Weltumsegelung des Einhandseglers Wolfgang Vandeck mit einem kleinen Katamaran. Schon damals hatte ich den Verdacht, dass die Reisebeschreibung ein Fake ist.
Es erschien mir mehr als ungewöhnlich, dass eine solche Fahrt ohne von der übrigen Seglerwelt und der Presse zur Kenntnis genommen worden zu sein, stattgefunden haben
soll. In 57 Tagen von Rio de Janeiro einhand rund Kap Hoorn zur Osterinsel mit einem 9 Meter langen Katamaran und keiner bekommt etwas davon mit? Hier weiter lesen....
Agismus auf dem Wasser (05.09.2011)
Kaum war ich dieses Jahr wieder in heimischen Gewässern, musste ich mich auch schon von
einem Skipper im Rentenalter in brummigem Ton darüber belehren lassen, wie und wo ich mit meinem Boot zu fahren habe. Ich ertrage so etwas mit äußerer Gelassenheit, bin ich doch mit
dem Gemeckere irgendwelcher Terrorrentner in Yachthäfen und Schleusen praktisch aufgewachsen. Solche Typen nerven natürlich trotzdem.
Ich möchte daher ein Gesetz vorschlagen, nach dem keifenden Skippern der Generation 65+
sofort der Sportbootführerschein entzogen wird, wenn sie sich daneben benehmen. Dieses Gesetz sollte in 25 Jahren automatisch außer Kraft treten. Bis dahin wird hoffentlich Ruhe auf
dem Wasser eingekehrt sein. Außerdem hätte ich dann nicht um meinen Sportbootführerschein zu fürchten...
Geschichte geschrieben (08.07.2011)
Im April diesen Jahres ist eine Weltumsegelung beendet worden, die ich für sehr bemerkenswert halte. Ein Mann Namens Zhai Mo hat in 954 Tagen einhand auf der
Barfußroute die Welt umrundet, wobei das besondere an seiner Fahrt ist, dass die chinesische Flagge am Heck seiner Yacht wehte. Mit seiner Reise wurde er zum ersten
chinesischen Einhandweltumsegler. Und das macht seine Reise so besonders. Schaut man sich in der Geschichte des Einhandsegelns um, dann wird man feststellen, dass diese Art des
Segelns ein (zugegeben grober) Indikator für den Wohlstand, den Individualisierungsgrad und die Freiheit des Landes ist, aus dem der Segler stammt. In der DDR gab es keinen
Einhand-Weltumsegler. Auch bislang nicht in Saudi-Arabien, Nordkorea oder Bangladesh. Dass es jetzt ein Chinese geschafft hat, ist ein gutes Zeichen. Mehr zur Reise von Zhai Mo hier.
Bloß kein Widerspruch e.V. (04.07.2011)
Auf dem Gelände einer Werft sprach mich ein älterer Herr mit den wenig charmanten Worten „Sie sind doch der, der Unordnung machen will.“ an. Im Verlauf des kurzen und durchweg
unerfreulichen Gesprächs stellte sich heraus, dass wir beide Mitglied des selben Segelvereins sind und sich mein Gesprächspartner an meinem Beitrag zur letzten Hauptversammlung
gestört hatte. Dort hatte ich sinngemäß beantragt, dass die Vereinsspitze gegenüber den Mitgliedern für mehr Transparenz in finanziellen Dingen sorgen solle. Was in einer
demokratisch verfassten Gemeinschaft wie einem Verein eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, fand mein „Vereinsfreund“ mehr als befremdlich. „Ich bin
seit über 40 Jahren der Vorsitzende eines Vereins und bei mir gibt es so was nicht.“ musste ich mir von ihm anhören.
Ich habe nicht gefragt in welchem Verein er den Vorsitz hat. Es würde mich aber nicht
wundern, wenn er die Geschicke des Freundeskreises der Volksrepublik Nordkorea leitet.
Ich habe den Verdacht, dass es in Deutschlands Segelvereinen nur so von kleinen Kim Jong
-ils wimmelt, die sich wundern, wo denn der Nachwuchs bleibt. Dass junge Menschen keine Lust haben, ihre Freizeit in einer kleinen DDR zu verbringen, lässt mich zwar nicht für die
hiesige Vereinslandschaft, aber für unser Land hoffen.
Einmal Haloperidol für Herrn Röttgering, bitte! (04.07.2011)
Bobby Schenk, seines Zeichens SeglerpapstTM von Konrad Delius´ Gnaden, hat etwas gegen Einhandsegler. Alleinsegler, die nicht gerade weiblich und minderjährig sind, finden in den Augen des Meisters nur wenig Gnade. Bei kurier.at gab er folgendes zum Thema
Einhandsegeln von sich:
Frage: Sie haben den Atlantik ohne elektronische Navigationsmittel überquert und sind
auch sonst ein Anhänger der guten alten Seemannschaft. Was halten sie von Einhandseglern (Skipper, die allein in einem Boot z. B. um die Welt segeln; Anm.) und deren Rekordfahrten?
BS: Das ist alles illegal.
Frage: Illegal? Wieso?
BS: Es ist eine gesetzliche Pflicht, auf jedem Schiff ständig Ausguck zu halten. Nach spätestens zwei Tagen verlangt der Körper sein Recht auf Schlaf. Der Autopilot kann nicht
Ausguck halten. Abgesehen davon, dass ich den Einhand-Skippern diese "maximal 20 Minuten Schlaf", von denen sie immer berichten, nicht abnehme; es kann auch in 20 Minuten viel passieren.
Das ist ein Standpunkt zum Thema Einhandsegeln, auf den man sich natürlich formal stellen
kann. Unterschlagen wird hierbei, dass das Kollisionsrisiko sehr gering ist und dieses Risiko alleine vom Einhandsegler getragen wird. Einhandsegler sind faktisch keine Gefahr für die
übrige Schifffahrt. Aus diesem Grund gibt es keine ernsthafte Diskussion darüber, das Alleinsegeln zu verbieten.
Vielmehr ist es eine allgemein anerkannte Variante des Hochseesegelns, in der regelmäßig
großartige sportliche Leistungen erbracht werden. Dies mit einem einfachen „Das ist alles illegal.“ abzutun, ist unsportlich. Und dumm. Wer z.B. nachts mit einem Auto bei einer
Verkehrsdichte von 0,0001 Panzerfahrzeugen pro Stunde in einer abgelegenen Gegend über eine rote Ampel fährt, handelt illegal. Diese Illegalität ist ein normatives Konstrukt, das dazu
dient, Schäden zu verhindern. Wenn die Schadenswahrscheinlichkeit aber extrem gering ist, wird die Regel zur bloßen Formalie.
Aber, dass Deutschlands führender Segelexpertendarsteller ohne viel nachzudenken gegen
Einhandsegler schießt, ist nichts Neues. Schon 1975 gab er die Einhandseglerin Waltraud Meyer der Lächerlichkeit preis, indem er munter die Zeitungsente nachplapperte, wonach sie deswegen alleine unterwegs sei, weil sie die „Auswirkungen sexueller Enthaltsamkeit testen“
wolle. Damals bekamen auch eine Reihe anderer Einhandsegler ihr Fett weg, die wahlweise von Schenk als Lügner, Haschischfreund, Selbstmörder und Hochstapler dargestellt wurden (Yacht 25-26/75 S.41).
Schenk hat es mit seinem Einhandsegler-Bashing gar so weit getrieben, dass er sich über die Todesumstände des Seglers Nigel Tetley ein einer Weise geäußert hat, die mich einen Blick auf den § 189 StGB hat werfen lassen (mehr hier).
Da muss man sich schon fragen, welche kognitiven Dissonanzen einen Mann plagen, der seit 35 Jahren meint, in dieser Form gegen die Einhandsegelei und deren Protagonisten wettern zu müssen. Normal ist das jedenfalls nicht.
Tja, und was meine kognitiven Dissonanzen in Bezug auf Herrn Schenk betrifft, kann ich nur sagen, dass sich meine Therapeuten (240 Euro/Stunde) noch uneinig sind. Es könnte irgend
etwas mit frühkindlichen Traumata zu tun haben. Ich hoffe jedenfalls, dass ich mich nach meinem nächsten Therapieblock, der den Titel “Der sozialadäquate Umgang mit Megalomanie” trägt, besser im Griff habe.
Edel & Teuer (03.03.2011)
Der Farbenhersteller International bewirbt eines seiner Antifoulings in einer aktuellen Printkampagne wie folgt:
Auf sprachlich nicht besonders originelle Weise wollen uns die Werber von International
damit wohl deutlich machen, wie hochwertig ihr Produkt ist - fast wie Champagner eben.
Ja, Champagner ist schon ein edles und teures Zeug. Sicher edler, als profanes Antifouling. Aber auch billiger. Bekommt man bei Karstadt den Liter Moét & Chandon Brut Imperial schon für 45,27 Euro, muss man beim Yachtausrüster SVB für den Liter des beworbenen Micron
Optima Antifoulings 62,95 Euro bezahlen.
Wie wäre es, wenn man bei International einfach die Preise auf Champagnerniveau senken
würde, statt weiter an der Formel zu arbeiten?
Die Piratenplage (23.02.2011)
Vergangene Woche wurde die unter US Flagge segelnde Yacht Quest von somalischen Piraten im Indischen Ozean mit vier Seglern an Bord gekapert. Der Fall ist mir unter anderem
deswegen nahe gegangen, weil ich das Skipperpaar Jean und Scott Adam kannte. Während meiner Weltumsegelung war ich 2002 bei ihnen einen Abend am Ankerplatz in Tahiti zu Gast an Bord. Meine Hoffnung, dass die Crew der Quest nach Zahlung eines Lösegeldes frei
kommt, hat sich nicht erfüllt. Alle vier Segler sind tot - offenbar von den Piraten erschossen. Wenigstens konnten die Piraten von der US-Navy gefasst werden, wobei es zu weiteren Toten kam. Mehr dazu hier.
Wie in einem anderen Fall, in dem ein somalischer Pirat in den USA zu über 30 Jahren Haft
verurteilt wurde, ist davon auszugehen, dass die jetzt gefassten Piraten vor Gericht gestellt und bestraft werden. Das ist richtig so.
Es gibt aber auch Menschen, die der Ansicht sind, dass somalischen Piraten nicht Täter sind,
sondern Opfer. Und zwar Opfer gesellschaftlicher Umstände, für die der Westen die Verantwortung trägt. Dieser Ansatz folgt dem gutmenschlichen Erklärungsmodell, dass
soziale Verlierer und Kriminelle grundsätzlich Opfer der Umstände sind, die die herrschende Klasse zu verantworten hat.
Im Fall der Piraterie in Somalia versucht dieses Flugblatt hier zu erklären, warum die
somalischen Piraten eigentlich nicht vor Gericht gehören. Rhetorisch wird dort gefragt:
„Eine erste der vielen offenen Fragen lautet, ob der Vorwurf des Angriffs auf den Seeverkehr sowie versuchten erpresserischen Menschenraubs gegenüber diesen Menschen, die zum Zeitpunkt Ihrer Festnahme zum Teil völlig unterernährt und Minderjährig waren, tatsächlich schwerwiegender ist als der Vorwurf der Ausbeutung Afrikas durch neo-kolonialistische Länder. Ist institutionalisierter Diebstahl nicht viel schlimmer als Mundraub? Ist die Piraterie vor Somalia nicht eine Überlebensstrategie und eine Selbstverteidigung gegen das grenzenlose Freibeutertum der Großkonzerne und gegen die Interventionen der westlichen Mächte?“
Folgt man dem Flyer, soll das Piratenunwesen seinen Anfang genommen haben, nachdem
der Internationale Währungsfonds die somalische Wirtschaft durch seine Politik zugrunde gerichtet hat. Dies soll den Zusammenbruch staatlicher Strukturen zur Folge gehabt haben,
was wiederum dazu geführt hat, dass in den somalischen Gewässern illegale Fischer aus den Industrienationen die Bestände dezimieren konnten. Die dadurch brotlos gewordenen
somalischen Fischer haben sich quasi in einem Akt der Notwehr als Piraten verdingt. Und wer will es diesen armen Fischern verdenken, dass sie sich wehren und "die reichen Westler"
bestehlen, um sich selber zu versorgen? So die zynische Logik des Flugblattverfassers.
Es wird ausgeblendet, dass dabei Menschen ums Leben kommen, Schiffsbesatzungen gefoltert werden, die Piraterie auch weit außerhalb der somalischen Hoheitsgewässer
stattfindet und dass die gezahlten Lösegelder keinen Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der Situation in Somalia leisten. Das betrifft auch den Umstand, dass es mit den
Frachterbesatzungen und Yachtseglern Menschen trifft, die mit Sicherheit nichts für die Situation in Somalia können.
Zudem ist mir schleierhaft, warum die Ahndung von in internationalen Gewässern
begangenen Verbrechen Postkolonialismus sein soll, wie im Flugblatt behauptet wird. Es hat nichts mit Postkolonialismus zu tun, wenn die Industrienationen dafür sorgen wollen, dass die Hohe See frei von Piraterie ist. Seit Jahrhunderten ist es anerkanntes
Völkergewohnheitsrecht, dass Staaten gegen Piraten auf hoher See gewaltsam vorgehen können.
Regelrecht weltfremd erscheint mir die Aussage des Flugblattes, dass es bei der somalischen Piraterie darum geht, „den Reichtum auf der Welt gleichmäßiger zu verteilen“.
Es würde mich wundern, wenn dies der formulierte Anspruch der Piraten wäre, die bei ihren Raubzügen wohl weniger an eine gerechte Welt, als an persönlichen Reichtum denken.
Dass es Menschen in Deutschland gibt, die die Piraterie im Indischen Ozean als Aufbegehren
eines unterdrückten Volkes gegen den ausbeuterischen Westen romantisieren, halte ich
insbesondere vor dem Hintergrund der vier jetzt erschossenen Segler für menschenverachtend.
Wenn Yachtsegler das Opfer von Piraten werden, hört man gelegentlich das Argument, dass
die Opfer ja nicht in diesen Gewässern hätten segeln müssen und sie insofern für ihr Schicksal selber verantwortlich seien. Wer so argumentiert, muss auch der Meinung sein,
dass eine Frau, die nachts alleine durch den Park geht, schuld an ihrer Vergewaltigung ist. Dem ist nicht so. Das Opfer einer Straftat bleibt ein Opfer, auch wenn es sich freiwillig in eine
die Tat begünstigende Situation begeben hat.
Der aktuelle Vorfall im Indischen Ozean beschäftigt mich auch aus dem Grund, weil ich vor fast 20 Jahren selber mit dem Thema Piraterie konfrontiert worden bin. Damals war ich als
Crew auf einer Yacht vor der kolumbianischen Küste unterwegs. Zu dieser Zeit machten unter Seglern Geschichten von Überfällen auf Yachten in diesem Seegebiet die Runde.
Mein Skipper hatte aus diesem Grund vor der Fahrt eine Pistole, eine Schrotflinte eine
Winchester und ein halbautomatisches Gewehr besorgt. Die Devise meines Skippers lautete damals: "Der erste Schuss zwischen die Augen, der zweite zur Warnung".
Nach mitteleuropäischem Rechtsverständnis ist dies wohl kein vertretbarer Ansatz zur Ausübung der Notwehr. Aber die Angst um das eigene kleine Leben verschiebt die Maßstäbe
dessen, was man zu seinem eigenen Schutz tun würde, schnell. Dieses Gerede von Angemessenheit der Notwehr und den gesellschaftlichen Ursachen von Kriminalität wird zur
Makulatur, wenn einem die Angst im Nacken sitzt und im Notfall keine Hilfe zu erwarten ist. Ich hätte jedenfalls keine Hemmungen gehabt zur Waffe zu greifen. Aber zum Glück ist es dazu nicht gekommen.
Eignungstest (12.02.2011)
Frage: Was ist auf dem Bild unten zu sehen:
a) ein Containerschiff
b) ein Tanker
c) ein Schwimmding
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Wer sich für Antwort b) oder c) entschieden hat, kann sich bei Welt Online als Redakteur bewerben.
SBF-See: voll Krank (12.02.2011)
Wer einen Sportbootführerschein See machen will, muss sich ärztlich untersuchen lassen. Bei dieser Untersuchung werden das Seh- und Hörvermögen getestet. Jemand, der in diesen
Punkten bestimmte Mindestanforderungen nicht erfüllt, kann keinen Sportbootführerschein erwerben, da man der Meinung ist, dass eine sichere Verkehrsteilnahme mit z.B. einer rot/grün Schwäche nicht möglich ist. Aber auch wer „sonstige, die Tauglichkeit
beeinträchtigende Befunde“ hat, kann ungeeignet zum Führen eines Sportbootes sein. Das entsprechende Formular enthält beispielhaft eine Liste von körperlichen Mängeln bzw.
Krankheiten, die vom Erwerb des Sportbootführerscheins ausschließen oder zur Auflagen bei dessen Vergabe führen können. Genannt sind folgende:
Deutlich wird bei dieser Auflistung, dass sicher gestellt werden soll, dass nur jemand ein
Sportboot führt, der dazu körperlich und geistig in der Lage ist. Der in der Praxis vielleicht wichtigste Fall, in dem jemand nicht mehr in der Lage ist ein Sportboot sicher zu führen, ist
der der Seekrankheit. Wer röchelnd auf dem Salonfußboden sitzt und Blut und Galle in die Pütz spuckt, steht in Bezug auf seine Qualitäten als Schiffsführer auf einer Stufe mit
Alkoholikern, Spastikern, und Armamputierten. Wer bei Windstärke vier vor lauter Seekrankheit sein baldiges Ende herbeisehnt, kann, folgt man dem Grundgedanken der
Tauglichkeitsuntersuchung, kein Schiffsführer sein. Nun wird es schwer sein, die Anfälligkeit für Bewegungskrankheit zu diagnostizieren oder deren Ausmaß zu messen. Aber schwierig zu diagnostizieren sind auch Suchtkrankheiten oder Störungen der zentralnervösen Belastbarkeit. Und die tauchen ausdrücklich in der Liste der Ausschlusskriterien auf.
Wenn die Wassersportbürokraten schon der Meinung sind, bestimmte Menschen vom Erwerb des Sportbootführerscheins See zum Eigen- und Fremdschutz abhalten zu müssen, dann
fände ich es nur konsequent, wenn auch Seekrankheitskandidaten diesen Schein nicht erwerben dürften.
Gib mir Feuer! (08.02.2011)
In der Marineschule für Schiffssicherung in Neustadt/Holstein können Segler einen Lehrgang besuchen, in dem sie unter anderem Leck- und Brandbekämpfung sowie den Umgang mit
Rettungsmitteln üben können. Ich war dabei und kann ihn jedem Segler nur wärmstens ans Herz legen. Denn grau ist alle Theorie und wie es sich anfühlt bei Wellengang in einer Rettungsinsel zu sitzen, kann kein Buch vermitteln.
Im Rahmen der Leckbekämpfungsübung fand ich es erstaunlich, wie viel Wasser selbst aus kleinen Leckagen ins Schiff strömt. Und sobald das Wasser im Schiffsinneren einmal über das
Leck gestiegen ist, ist es nur noch sehr schwer möglich, die Wassereintrittsstelle zu lokalisieren. Fazit: bei der Leckbekämpfung zählt jede Sekunde.
Bei der Feuerlöschübung hat mich überrascht, wie schnell so ein Feuerlöscher leer geschossen ist und wie teuflisch das Löschpulver in jede noch so kleine Ritze wandert. Jedenfalls habe ich jetzt verstanden, warum der Schaden durch das Löschpulver nicht selten
größer ist, als der des damit bekämpften Feuers. Da ist eine Löschdecke oft die bessere Wahl.
Im Wellenbad des Ausbildungszentrums konnte man sich in Ölzeug und der eigenen
Automatikweste in die Fluten stürzen. Nach 10 Jahren ohne Wartung wollte meine Weste nicht mehr automatisch aufgehen, aber ein beherzter Zug an der Reißleine hat sie dann mit CO2 gefüllt. Erstaunlich für mich, wie überschaubar der Sichtkreis wird, wenn man einmal in
der Weste hängt, zumal mein Exemplar wegen des fehlenden Schrittgurtes aufgeblasen sehr hoch am Hals saß.
Das Highlight des Lehrgangs war sicherlich der Aufenthalt in der Rettungsinsel. Zwar klappte
das Einsteigen in die Insel trotz der aufgeblasenen Rettungsweste problemlos, ich kann mir aber gut vorstellen, dass dies im Seenotfall mit der dann wahrscheinlich einhergehenden
Erschöpfung zu einem ernsten Problem werden kann. So würde ich immer versuchen, von Bord in die Insel zu springen, zumal man dabei auch nicht so nass wird.
Auch wenn ich in der Insel von Seekrankheit verschont worden bin, war der Aufenthalt darin nicht gerade angenehm. Dies lag weniger daran, dass meine Mitinsassen meinten, mir bis
dahin unbekannte Seemannslieder anstimmen zu müssen, sondern an der Enge zusammen mit dem Gefühl, im Ernstfall nicht viel mehr machen zu können, als passiv auf Rettung zu warten.
Meine Bereitschaft, im Seenotfall um mein Boot zu kämpfen, ist durch diese Erfahrung jedenfalls um rund 1.000 Prozent gesteigert worden. Lehrgangsinfos hier.
Halbes Glas (01.02.2011)
Im Jahr 1992 hatte die Bootsmesse in Düsseldorf rund 400.000 Besucher. Seitdem zeigt der Trend meist nach unten. 2011 meldete die Messegesellschaft noch 250.500 Besucher. Wenn
man sich die Pressemeldung zum Abschluss der Boot 2011 anschaut, dann erfährt man von
diesem Niedergang natürlich nichts. Vielmehr liest sich die Meldung wie eine Verlautbarung des Politbüros zur Übererfüllung des 5-Jahresplanes durch die LPG Rosa Luxemburg. Ich
bewundere Menschen, für die ein zu 50% gefülltes Glas immer halb voll ist. Aber Pressesprecher einer Messegesellschaft wäre kein Job für mich.
Ein Held auf zwei Rümpfen (28.01.2011)
Im Jahr 1992 war ich mit einem Einbaum auf den zu Panama gehörenden San Blas Inseln unterwegs(Fotos hier). Auf einer der Inseln habe ich einen kleinen GfK Katamaran vom Typ
Tiki 21 namens „Cooking Fat“ am Strand liegen sehen, der von zwei jungen Männern bewohnt war. Wir sind ins Gespräch gekommen und ich kann mich noch gut an meinen
Unglauben erinnern, als mir der Skipper Rory McDougall sagte, er habe vor, damit um die Welt zu segeln. Viel hätte ich jedenfalls nicht darauf gewettet, dass die Reise gut geht.
Ähnliches muss Rory McDougalls Mitsegler gedacht haben. Ich habe ihn einige Wochen später in Balboa an Panamas Pazifikküste wieder getroffen. Er hatte auf der „Cooking Fat“
abgemustert, da ihm der lange Schlag zu den Marquesas zu gefährlich erschien.
Aber Rory McDougall ist nicht nur heile auf den Marquesas angekommen, sondern er hat auch erfolgreich die Welt mit diesem Boot umsegelt. Im Jahr 2010 bin ich wieder auf die
„Cooking Fat“ aufmerksam geworden. Rory McDougall hat an der Jester Challenge von Plymouth nach Newport/USA teilgenommen und ist nach 34 Tagen wohlbehalten im Ziel angekommen.
Schön, dass es solche Fahrten gibt. Denn an ihnen kann man seine Maßstäbe von „guter Seemannschaft“ und „sportlicher Leistung“ immer wieder neu justieren.
Es geht bergab (26.01.2011)
Manchmal kann man im Editorial einer Zeitschrift aus der Feder des Chefredakteurs lesen,
dass die Auflage seines Blattes gestiegen sei, und dass man dies als schönen Beleg für die Qualität der eigenen Arbeit verstehen würde. In den Editorials von Wassersportmagazinen
wird man solche Statements selten finden. Da kennen die Auflagenzahlen seit Jahren meist nur eine Richtung: nach unten. Und Misserfolge in eigener Sache werden der Leserschaft gegenüber natürlich nicht kommuniziert.
Auf der Homepage der „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.“ kann man die Auflagenentwicklung der Magazine Palstek, Segeln und Yacht über die letzten 12 Jahre verfolgen. Der Marktführer Yacht hat in den letzten 12 Jahren
34 % an Auflage verloren, Segeln 18 % und der Palstek 24 %. Und da die Internetauftritte
der genannten Blätter den Auflageverfall und die damit verbundenen Einbußen im Anzeigengeschäft wirtschaftlich nicht kompensieren, kann man sich schon Sorgen um den
Wassersportjournalismus hierzulande machen. Je weniger mit den Heften verdient wird, desto weniger Geld kann in journalistisches Arbeiten investiert werden. Schon jetzt hat man
als Leser den Eindruck, dass so manch ein redaktioneller Beitrag eigentlich mit dem kleinen Zusatz „Anzeige“ versehen werden müsste. Und wenn Wassersportjournalisten immer mehr
zu Werbeumfeldgestaltern werden, dann fragen sich die Leser zu Recht, warum sie für so ein Produkt auch noch Geld ausgeben sollen.
Vollkaskosegeln (17.01.2011)
Wer an einer Hochseeregatta teilnehmen will, muss sich den vom Veranstalter vorgegebenen Sicherheitsregeln unterwerfen. Bei allen mir bekannten Veranstaltungen wird
dabei in der Regattaausschreibung im Wesentlichen auf die „ISAF OFFSHORE SPECIAL REGULATIONS“ (Download hier) verwiesen. Auf über 100 Seiten ist festgelegt, wie Yachten
für die verschiedenen Seegebiete ausgerüstet und konstruktiv beschaffen sein müssen, um an einer Hochseeregatta teilnehmen zu dürfen.
Wer sich durch dieses Regelwerk arbeitet, wird schnell sehen, dass keine Großserienyacht
die Werft so verlässt, dass sie nach diesen Regeln als hochseetauglich eingestuft werden kann. So fehlen Serienyachten in der Grundausstattung Sturmsegel, Rettungsinsel, EPIRB,
Strecktaue an Deck, AIS-Transponder, Reservepositionslampen, ein Zweitanker und vieles mehr, um regelkonform zu sein. Wer seine ihm als „hochseetauglich“ verkaufte Yacht auf den
Stand der ISAF Regeln bringen will, der kann ohne Probleme 10.000 Euro beim Yachtausrüster lassen.
Neben vielen „Muss“ Vorschriften, gibt es auch noch „Empfehlungen“ in diesen Regeln. Wer
diesen Empfehlungen, folgen will, der kann sich noch einen aktiven Radarreflektor, einen Sextanten, einen See-Anker, einen SAR-Transponder und Rettungswesten mit Sprayhood kaufen.
Die ISAF Regeln werden mit jeder Auflage umfangreicher und was gestern nur eine „Empfehlung“ war, kann morgen schon ein „Muss“ sein. Der Trend zu immer umfangreicheren
Sicherheitsvorschriften wird sich kaum umkehren. Jeder der seltenen Yachtunfälle mit Personenschaden wird den Verantwortlichen einen Grund liefern, die Sicherheitsvorschriften
zu erweitern. Nicht zuletzt, weil die Regattaveranstalter juristische Risiken fürchten, wenn sie die Sicherheitsstandards zu niedrig legen.
Beim Einhand-Transatlantikrennen OSTAR 2009 wurden vom Veranstalter zwar die ISAF
Regeln zur Grundlage gemacht, die Kontrolle, ob diese Regeln eingehalten wurden, wurde aber bewusst lasch durchgeführt. Rettungsinsel, EPIRB, Iridium-Telefon,
Versicherungsnachweis und eine Bescheinigung des „Überleben auf See“ Lehrgangs war alles, was überprüft wurde.
„Wir haben es mit erwachsenen Leuten zu tun, die selber entscheiden können, was für sie richtig
ist.“ war der mir sehr sympathische Standpunkt des Rennleiters. Ich habe aber auch schon mitbekommen, dass bei einer anderen Veranstaltung Yachten nicht zugelassen wurden, weil
die Sturmbesegelung von der Regattaleitung als nicht ISAF-Konform angesehen wurde.
Nun kann man schwer gegen den Anspruch argumentieren, dass Segeln ein sicherer Sport
sein soll. Aber es stellt sich die Frage, wie weit man noch an der Sicherheitsschraube drehen will, wo die Unfallzahlen ohnehin gering sind. Mir gibt jedenfalls zu denken, dass heutzutage eine "Kathena nui" oder Moitessiers „Joshua“ von keinem Regattaveranstalter, der sich an die ISAF Regeln gebunden hat, eine Startfreigabe bekommen würde.
Der Kunde als Betatester (09.01.2011)
Im Jahr 2008 habe ich mir eine Dreifarben-LED Positionslampe zum stolzen Preis von rund 250 Euro gekauft. Kurz nach der Installation der Lampe auf dem Masttop musste ich
feststellen, dass der UKW Radio-und Funkempfang stark gestört waren, sobald die Lampe eingeschaltet war.
Ich habe mich an den Hersteller gewandt, dessen Kundenabteilung auch umgehend mit mir
Kontakt aufgenommen hat. Mir wurde gesagt, dass ein Zusammenhang zwischen den Funkstörungen und der LED Lampe bei normaler Installation der Kabel nicht vorstellbar sei.
Es müsse demnach ein Fehler in der Installation meiner Antennen- bzw. Stromkabel vorliegen. Da ich nachts wenig Radio höre und auch selten funke, erschien mir das Problem
nicht so gravierend, weswegen ich den Vorgang zunächst auf sich beruhen ließ.
Anders stellte sich die Situation dar, nachdem ich 2010 einen AIS Empfänger installiert hatte.
Dieser ist auf einen einwandfreien UKW Empfang angewiesen. Sobald ich meine Dreifarben Topplaterne eingeschaltet habe, verschwand ca. ein Drittel aller AIS Signale aufgrund der
von der Laterne verursachten Störungen vom Bildschirm. Ich habe mich über dieses Problem mit einem Elektronikspezialisten unterhalten, der auch sofort eine Erklärung parat hatte.
Nach seiner Ansicht hat der Hersteller meiner Dreifarben-LED Lampe den eingebauten DC/DC Konverter nicht, oder nur unzureichend entstört.
Mit dieser Information habe ich den Hersteller der Lampe konfrontiert. Und siehe da, plötzlich hieß es nicht mehr, dass meine Installation fehlerhaft sei. Nach einigen (freundlichen) Emails
und Telefonaten war man schnell bereit, mir trotz abgelaufener Gewährleistung eine „verbesserte“ Dreifarben-LED Lampe zu schicken.
Leider erwies sich der von mir gekaufte AIS Empfänger ebenfalls als mangelhaft. Das Gerät funktionierte zwar auf den ersten Blick einwandfrei, doch bei genauem Hinschauen, zeigte
sich, dass die Signalverarbeitung fehlerhaft war. Nach einer gewissen Betriebszeit verschwanden immer wieder Schiffsechos vom Bildschirm, die eigentlich hätten sichtbar sein müssen.
Nach langem Suchen, Probieren und Beobachten war ich sicher, dass dies an der Firmware des Gerätes liegen muss. Der Kontakt mit dem Hersteller bzw. Importeur hat diesen
Verdacht dann schließlich bestätigt. Ja, das Problem sei bekannt, ich möge das Gerät bitte einschicken, damit man eine neue Firmware aufspielen könne, hieß es. Das Ganze lief
freundlich und schnell, so dass es von daher keinen Grund zur Klage gibt.
Aber dennoch bleibt die Frage, wie es sein kann, dass bekannte Firmen Produkte auf den
Markt bringen, die so unausgereift sind, dass mir als „Normalverbraucher“ diese Fehler schon nach kurzer Zeit auffallen?
Ich halte es zudem für ein Unding, dass Firmen, deren Produkte sicherheitsrelevante Mängel
aufweisen, darauf verzichten, ihre Kunden über diese Mängel zu informieren. Da ich die oben genannten Produkte über den Versandhandel erworben habe, wäre es problemlos möglich gewesen, mich zu benachrichtigen.
Offenbar lässt man seine Kunden lieber mit Schrott durch die Gegend fahren, statt Geld in eine wenig werbewirksame Umtauschaktion zu investieren. Man stelle sich dieses Vorgehen
in der Automobil- oder gar in der Luftfahrtindustrie vor. Firmen, die dort so verfahren würden, wären ganz schnell weg vom Markt.
Bilderrätsel (28.12.2010)
In dieser Grafik habe ich die Kursverläufe von Beneteau, Hanseyachts und Poncin(Harmony,
Catana, Zodiac) der Entwicklung des DAX gegenüber gestellt.
Wenn gilt, dass der Aktienkurs eine Wette auf die Zukunft ist, dann schätzt der Markt die
Zukunft der drei Firmen ganz unterschiedlich ein. Auffallend ist, dass einzig Beneteau der allgemeinen Erholung an den Aktienmärkten gefolgt ist. Poncin und Hanseyachts haben das Tal der Tränen nicht verlassen.
Woran liegt das? An der schieren Größe von Beneteau? Am Umstand, dass Beneteau eine Dividende zahlt? Oder daran, das die Franzosen mit dem Hausbau noch ein zweites Standbein haben, das immerhin 25% zum Umsatz beiträgt?
Geschichte schreiben (25.12.2010)
In der Zeitschrift Yacht 19/2010 war ein sehr schöner Artikel von Johannes Erdmann über die Weltumsegelung des Ehepaars Zenker zu lesen. Zwei Dinge haben diese Weltumsegelung
besonders gemacht: Die Zenkers waren Mitte der 1960er Jahre das erste deutschsprachige Paar (sie segelten unter kanadischer Flagge), das die Welt umsegelte und sie haben dies in
einem Boot von 6.15 Meter Länge getan. Eine Größe, die bis heute meines Wissens nach nicht unterboten wurde. Nach allem, was ich heraus gefunden habe, war diese Reise im
deutschsprachigen Raum praktisch unbekannt, bis Johannes sie „entdeckt“ hat. Nicht, dass die Zenkers ein Geheimnis aus der Fahrt gemacht hätten, immerhin gibt es ein
englischsprachiges Buch über die Reise. Aber aus mir nicht erklärlichen Gründen gehört diese Reise nicht zum kollektiven Erinnerungsschatz deutscher Langfahrtsegler. Bei
weltumsegelnden deutschen Ehepaaren fällt einem der Name Koch ein, aber Siggi und Hein
Zenker?
So gibt es einige bemerkenswerte Segelpersönlichkeiten, die dem Vergessen anheim gefallen sind. Der (fast) nonstop Weltumsegler Horst Timmreck ist so ein Fall.
Oder Walter Kaminski. Dieses Jahr habe ich den heute 80 jährigen Berliner ausfindig gemacht, der 1960 um Haaresbreite an den Start des ersten Einhand-Transatlantikrennens OSTAR
gekommen wäre. Fünfzig Jahre später habe ich die Geschichte für eine Segelzeitschrift aufgeschrieben. Bis dahin hatte sich niemand für diesen Mann, der mit etwas mehr Glück in
die Annalen des Segelsports eingegangen wäre, interessiert.
Ein anderer Fall ist ein Mann mit dem sperrigen Namen Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld.
Er hat in den 1950er Jahren mit einem selbstgebauten Katamaran Namens „Gerümpel“ den Atlantik überquert. Auch über diese Reise gibt es ein Buch (Auszüge hier / 4,5 MB PDF). Trotzdem kann man nicht einmal sagen, dass er als Mehrrumpfbootpionier in Vergessenheit
geraten ist, da er als Pionier auf diesem Gebiet wohl zu keiner Zeit unter deutschen Seglern präsent war.
Die genannten Beispiele zeigen, dass es um die Geschichtsschreibung in Sachen
Blauwassersegeln hierzulande trübe bestellt ist. Nach Auskunft eines von mir befragten Sporthistorikers und des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven gibt es hierzulande
zum Thema keine wissenschaftliche Arbeit und auch Institutionen wie der Deutsche Segler Verband haben sich des Themas bislang nicht angenommen.
Rühmliche Ausnahme ist der Autor Joachim Schult, der mit seinem Buch „Erstleistungen deutscher Segler“ einen wichtigen Beitrag geleistet hat, frühe Reisen deutscher Segler vor dem Vergessen zu bewahren. Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn ich in Zukunft von
weiteren unbekannten Pioniertaten unserer Altvorderen lesen könnte. Ohne ihren Wagemut und Einfallsreichtum sähe unser Sport heute ganz anders aus. Denn auch beim
Blauwassersegeln steht man mit dem, was man macht, immer auf den Schultern anderer.
Die Gerettete als Engel in der Not (10.12.2010)
Die Firma Bavaria Yachtbau übernimmt die Werften Dufour und Grand Soleil. Kritische Worte
in der Berichterstattung: Fehlanzeige. Dabei ist dieser Deal vor dem Hintergrund der Ereignisse um Bavaria höchst bemerkenswert.
Wir erinnern uns: Im Jahr 2007 wechselte die Werft für angebliche 1,1 Milliarden Euro die
Eigentümer. Für eine Firma mit gerade mal 270 Millionen Umsatz ein höchst erstaunlicher Kaufpreis. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass der Kauf so gestrickt war, dass Bavaria
selbst letztendlich den eigenen Verkauf finanzieren sollte (Hintergründe).
Jeder, der schon einmal eine Hausfinanzierung durchgerechnet hat, würde ein solches
Geschäft als Irrsinn bezeichnen, aber in einer Welt, in der man sich die Realität mittels Powerpoint-Präsentationen so lange zurechtbiegt, bis es passt, gelten die Maßstäbe gesunden Menschenverstandes bekanntlich nicht.
Zumal die handelnden Personen ohne großes persönliches Risiko agieren. So war es nicht überraschend, dass Bavaria wohl unter der Schuldenlast zusammen gebrochen wäre, wenn
die Gläubiger nicht auf einige hundert Millionen Euro verzichtet hätten. Dass sich in kurzer
Zeit gleich drei Geschäftsführer das Ruder in die Hand gaben, kann man als Indiz für den Ernst der Lage deuten.
Gerade dem Pleitetod entronnen, gibt man nun Geld für zwei Werften aus, die mit einem Bein
schon im Grabe stehen und erst einmal eine ordentliche Finanzspritze brauchen, um das Jahr 2011 noch erleben zu können. Dieses Geschäft wird von den Beteiligten erwartungsgemäß
bejubelt: Mehrmarkenstrategie, Erweiterung des Händlernetzes, Synergieeffekte usw..
Man kennt dieses Gerede aus der Automobilindustrie. Aber pure Größe und ein Auftritt unter
mehreren Marken sind keine Erfolgsgaranten. Addiert man in einem schwächelnden Markt „gerade so genesen“ und „halbtot“, kommt selten „gesund“ dabei heraus.
Der Kauf von Rover durch BMW ist ein Beispiel, wo Milliarden verpulvert wurden, bis man
diese Lektion gelernt hat.
Mich würde jedenfalls nicht wundern, wenn für Bavaria mit diesem Geschäft der Anfang von Ende eingeläutet worden ist.
Freiheit für die Wilde 10! (07.12.2010)
Was dabei herauskommt, wenn sich politische Wirrköpfe maritimer Themen annehmen, kann man hier im Magazin Jungle World in einem Artikel über Piraterie nachlesen. Der Versuch der
linken Wochenzeitung, schlichtes Schwerverbrechertum mit einer Prise Sozialromantik zu versehen, ist unübersehbar. Völlig absurd wird es gegen Ende des Artikels. Dort kann man lesen:
„Wenn knapp 610 Jahre nach der mutmaßlichen Hinrichtung Störtebekers in Hamburg wieder ein »Piratenprozess« stattfindet, gibt es dennoch gute Gründe, die Freilassung der Angeklagten zu fordern. Eine »internationale Gemeinschaft«, die Sharif Sheikh Ahmed, einen islamistischen Kriegsverbrecher, der derzeit als Präsident Somalias gilt, militärisch unterstützt, sollte nicht kleinlich sein, wenn es um Männer geht, die sich bei ihren Raubzügen bislang vergleichsweise zivilisiert verhalten haben.“
Das Argument ist, dass man die (angeblich) kleinen Gauner deswegen in Ruhe lassen soll, weil man den (angeblich) großen Gauner unbehelligt lässt. Wäre dies ein tragfähiger Ansatz, müssten alle Strafgefangenen sofort entlassen werden, denn irgendein zu Unrecht frei herum laufender Supergauner wird sich immer finden. Es gibt keine Gleichheit im Unrecht. Ganz davon abgesehen, dass erpresserischer Menschenraub und Angriffe auf den Seeverkehr sowie die Ermordung von Seeleuten und Yachtseglern alles andere als „vergleichsweise zivilisiert“ sind. So sollen im angeklagten Fall die Piraten mit Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffnet gewesen sein. Auch sollen sie die Brücke des Frachters unter Beschuss genommen haben, weswegen die Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes erreichen wollte. Zivilisierte Piraterie geht anders, wie jeder weiß, der einmal in der Hochsaison im westlichen Mittelmeer einen Gastliegeplatz bezahlen musste.
Irgendein Foto (01.12.2010)
Neulich in der Redaktion der Zeitschrift Segel Journal:
Volontär: Ich brauche noch ein Foto als doppelseitigen Aufmacher für die Hawaii Geschichte.
Redakteur: Kannst das Foto hier nehmen. Habe ich bei meinem letzten Thailand Urlaub
bei Koh Samui gemacht. Sieht ziemlich südseemäßig aus.
Volontär: Thailand? Das ist doch tausende von Kilometern von Hawaii entfernt.
Redakteur: Egal. Lass den Bildnachweis weg und mach auch keine Bildunterschrift. Du
glaubst doch nicht im Ernst, dass einer von den gehirnamputierten Lutschern, die unser Heft lesen, merkt, dass das Foto nicht in Hawaii aufgenommen wurde.
Volontär: Ja, hast recht. Super Foto übrigens. Ich montier noch ein paar Hawaiiblüten
rein.
Redakteur: Prima, aus dir wird noch was.
Das Ergebnis dieses Gesprächs kann man sich im Segel Journal Nov/Dez 2010 auf Seite 90/91 anschauen.
Diejenigen, die meine Kritik kleinkariert finden, kann ich vielleicht mit einem spektakulären Foto aus meinem Archiv entschädigen. Es zeigt mein Boot unter Sturmbesegelung bei
Windstärke 12 ein paar Meilen südlich von Kap Hoorn. Ehrlich.
Deine Geschichte gehört uns! (26.11.2010)
Unter der Überschrift „Ein Angriff auf die Ethik“ war vor einiger Zeit im Editorial einer
Segelzeitschrift ein Lamento darüber zu hören, dass zwei Segler nur gegen Geld mit der betreffenden Zeitschrift zu reden bereit gewesen wären. Unter anderem war dort folgendes zu lesen:
„[…] Wir werten solche Forderungen, angesiedelt zwischen absurd, gierig und dreist, als Angriff auf unsere Grundfeste und journalistische Ethik. […] Journalismus, der sich über Geld definiert und dem von außen die Bedingungen diktiert werden, hat seine Berechtigung verloren. […] Unsere Leser haben ein Recht auf objektive Berichterstattung, auf Seriosität, auf ein Heft, dem sie vertrauen können. […]“
Für diese Aussagen hätte ich Verständnis, wenn ein Politiker, ein Beamter oder ein
Wirtschaftsboss nur gegen Bares Auskunft erteilen würde. Dies sind Gruppen, die eine gewisse Rechtfertigungspflicht gegenüber der Gesellschaft haben. Aber ein Segler?
Letztendlich handelt es sich bei der Geschichte über eine Segelreise um reine Unterhaltung ohne gesellschaftspolitische Relevanz.
Meist ist das einzige kommerziell nutzbare Gut, das man als Segler von einem Törn mit nach
Hause bringt, die Geschichte der Reise bzw. das entsprechende Bildmaterial. Warum soll es verwerflich sein, wenn man versucht, diese Geschichte dem zu erzählen, der am meisten
dafür zahlt? Schließlich ist man selber finanziell mit den Reisekosten meist erheblich in Vorleistung getreten.
Natürlich kann es Gründe geben, aus denen man auch ohne Bezahlung ein Interview geben
kann. Zum Beispiel, um ein Buch zu promoten. Oder um irgendeine Botschaft zu verbreiten. Oder aus Freude, die eigene Leistung gewürdigt zu wissen.
Insofern ist auch die Möglichkeit, öffentliche Aufmerksamkeit schaffen zu können eine Währung, mit der man als Journalist bezahlen kann. Was nicht geht, ist die, für die diese Währung keine Gültigkeit hat, als „gierig“ hinzustellen.
Als Journalist wie selbstverständlich zu erwarten, dass einem eine Segelgeschichte kostenlos geliefert wird, mit deren Verbreitung man selber seinen Lebensunterhalt bestreitet, ist kein
Zeichen journalistischer Ethik. Es ist schlicht nicht fair.
Auch verstehe ich nicht, warum „objektive Berichterstattung“ und „Seriosität“ gefährdet sein
sollen, wenn man einem Interviewpartner Geld bezahlt. Die Gefahr, dass die genannten Werte unter die Räder kommen, halte ich für weit größer, wenn die Produkte von guten
Anzeigenkunden zum Gegenstand der redaktionellen Berichterstattung werden.
Aber auf die Idee, wegen dieser wirtschaftlichen Verflechtung nicht mehr über die neue Yacht
von Bavaria oder Hanseyachts zu berichten, ist bei den maritimen Gralshütern der journalistischen Ethik noch keiner gekommen.
Neulich im Museum (10.11.2010)
Die Hochtakelung, also eine Takelung, bei der statt eines trapezförmigen Gaffelsegels ein
dreieckiges Segel am Mast angeschlagen wird, habe ich bislang für eine Erfindung des 20. Jahrhunderts gehalten (mehr dazu bei Wikipedia).
So war Ludwig Schlimbach in den 1930er Jahren der erste Einhandsegler, der den Atlantik mit einer hochgetakelten Yacht überquert hat (sogar mit einer Rollfock, wenn ich mich recht
erinnere). Dass die Geschichte des Bermuda- oder Marconi Riggs viel weiter zurück reicht, ist mir bei einem Besuch des National Maritime Museums in London bewusst geworden. In der Gemäldeausstellung habe ich dieses Bild aus dem Jahr 1834 gesehen. Es zeigt einen hochgetakelten Dreimastschooner. Interessant, dass die zwei Großsegel ohne Baum
gefahren werden und dass der mittlere Mast offenbar durch ein fliegendes Vorstag gesichert ist.
Warum es noch 100 Jahre gedauert hat, bis sich die Hochtakelung auf Yachten durchgesetzt
hat, weiß ich nicht. Über Ideen zu dieser Frage würde ich mich freuen.
20 Jahre Mauerfall (06.11.2010)
Im ehemaligen Zentralorgan der SED "Neues Deutschland" ist ein - wie ich finde - guter Artikel über einen Weltumsegler aus Brandenburg erschienen.
Schön zu sehen, dass man beim Fachblatt für Klassenkampf und Ostalgie lernfähig ist. Denn
vor nicht allzu langer Zeit hätte man es bei dieser Zeitung noch ok gefunden, wenn der Protagonist des Artikels schon für seine Reisepläne in den Knast gewandert wäre.
Dumm gesurft (28.10.2010)
Es war eines der letzten schönen Segelwochenenden in diesem Jahr. Mein Boot lag in Sichtweite der Seebrücke von Ahlbeck vor Anker. Man liegt dort vor der offenen Küste und ich
hielt es für eine gute Idee, vor Einbruch der Dunkelheit noch einmal den Wetterbericht zu checken. Und noch mal kurz bei Spiegel Online vorbei zu schauen. Und noch mal kurz nach E
-Mails zu sehen. Dank datenfähigem Handy, einem Netbook und einem Handytarif, bei dem ich 30 Freiminuten im Monat versurfen kann, ist das kein Problem. Eigentlich. Als ich Wochen
später einen Blick auf meine Mobilfunkrechnung warf, hat mich fast der Schlag getroffen. Für 20 Minuten Internetsurfen hat man mir bei Vodafone 166 Euro berechnet. Ein Anruf bei der
Hotline brachte Klarheit. Ich hatte mich wohl versehentlich nicht über die Option
„Websessions“ mit meinen 30 Freiminuten, sondern über ein anderes Abrechnungsmodell
bei Vodafone eingewählt. Und da wird ordentlich zugelangt. Immerhin war man bei Vodafone so kulant und hat mir eine 50 Euro Gutschrift gegeben, als ich meine Verwunderung darüber
zum Ausdruck gebracht habe, dass ich wegen eines falsch gesetzten Häkchens bei der Anmeldung für eine an sich kostenlose Leistung nun 166 Euro zahlen soll.
Zusätzlich ärgerlich war, dass mein Ausflug ins Internet an diesem Tag völlig überflüssig war. Bei Spiegel Online gab es nichts Wichtiges, mein Postfach war leer und das Wetter sollte
weiter so ruhig bleiben, wie seit Tagen vorhergesagt.
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben (23.10.2010+25.01.2011)
Bobby Schenk bietet seit Jahren im Rahmen der Hanseboot eine Veranstaltung unter dem
Namen „Blauwasser Seminar“ an. Dem langfahrtinteressierten Publikum soll dort der Austausch mit erfahrenen Seglern ermöglicht werden (und nebenbei möchten ein paar
„Referenten“ ihre Produkte bzw. Dienstleistungen an den Mann bringen).
Die Idee, ein solches Seminar abzuhalten, finde ich grundsätzlich gut. Diesen Gedanken
hatten auch die frischgebackenen Weltumsegler Sönke und Judith Roever, die nun eine Veranstaltung für eine ähnliche Zielgruppe im Rahmen der Bootsausstellung in Düsseldorf
anbieten.
Der Gedanke, dass er Konkurrenz bekommen könnte, muss Herrn Schenk so gequält haben,
dass er seine Veranstaltung auf seiner Homepage wie folgt anpries:
„Bobby Schenk's Blauwasser-Seminar; das Orginal! Vorsicht vor dilettantischen Nachahmern und Kopieen. Jahrzehntelange Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen.“ (Orthographie wie im Original)
Nach einigen Tagen muss dem Meister die Erkenntnis gekommen sein, dass solche
Statements weniger Werbung in eigener Sache, als vielmehr Akte der Selbstdemontage sind. Jedenfalls ist der zitierte Satz sang und klanglos wieder von der Homepage verschwunden (um dann durch dies hier und Stunden später durch das hier ersetzt zu werden, zudem
verschwand für einen Tag die Begrüßung durch den Yacht-Chefredakteur aus dem Programm von Schenks Seminar).
Wer die Ego-Show eines alten Grantlers erleben möchte, ist bei Herrn Schenk sicher gut
aufgehoben. Allen anderen kann ich das Seminar von den Roevers empfehlen. Alternativ tut es auch das Buch „Segeln mit Wilfried Erdmann“. Denn in zwei Punkten unterscheidet es sich
angenehm vom 100 Euro teuren Seminar des „SegelgurusTM“: Es ist mit 28 Euro deutlich
billiger und zudem 100% bullshit-frei.
Nachtrag vom 25.01.2011: Die mit viel Getöse als “letztes” Blauwasserseminar angekündigte Veranstaltung auf der Hanseboot (“Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.”) findet nun doch eine Fortsetzung. In Zukunft kann man sich in Friedrichshafen auf der Interboot vom Meister erleuchten lassen. Schützt diesen Mann eigentlich keiner vor sich
selber?
Revolutionär übergeigt (22.10.2010)
In einer Segelzeitschrift fand sich neulich folgende Schlagzeile auf dem Titelblatt:
Revolution im Bootsbau - Exklusiv: wie Bénéteau das Fahrtenschiff neu erfindet
Im Artikel selber kam der Autor dann aber zu folgendem Fazit:
Eine generelle Revolution im Bootsbau wird das Projekt Sense aber kaum auslösen können, dafür ist es zu speziell.
Diese Art von Leserfang kenne ich sonst nur von den bunten Blättern beim Friseur.
Nichts dazu gelernt (01.10.2010)
Meine Regattasaison hat dieses Jahr auf dem Aasee in Münster ihr Ende gefunden. Dort, wo ich vor gefühlten 50 Jahren mit dem Segeln angefangen habe, saß ich wieder im Opti und
habe mein Bestes gegeben. Das war leider nicht gut genug. In dem aus 15 Optis
bestehenden Feld bin ich von Leuten auf die Plätze verwiesen worden, die zum ersten Mal in
ihrem Leben eine Pinne in der Hand hatten. Da hat auch nicht geholfen, dass ich das eine oder andere Ramming riskiert habe, um nach vorne zu kommen. Es ist hart, aber ich muss mir
wohl eingestehen, dass an diesem Tag Talent über Erfahrung gesiegt hat.
Wie Fachjournalisten mit Kritik umgehen (21.09.2010)
Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung meines Berichts über dubiose Magnetgeräte und die Gutgläubigkeit eines Teils der Fachpresse, hat mich eine Mail aus dem Hause Palstek
erreicht.
Meine Hoffnung, dass man sich dort sachlich mit meinem Artikel auseinander setzt, wurde leider enttäuscht. Den Umstand, dass ich auf den entsprechenden Artikel im Palstek, der auf
dem Verlagsserver frei verfügbar ist, in meinem Bericht verlinkt habe, fand man „unerlaubt“, „geschmacklos“ und „kostenpflichtig“. Es wurde mir in Aussicht gestellt, mir für diese
angebliche „Zweitveröffentlichung“ eine Rechnung zu schreiben.
Dass die bloße Verlinkung eines Dokuments, das vom Rechteinhaber frei ins Netz gestellt
worden ist, kostenpflichtig sein soll, wäre mir allerdings neu gewesen.
Kurz später muss auch dem Herrn vom Palstek diese Erkenntnis gekommen sein. Er ließ mich wissen, dass ich „Glück gehabt“ hätte und man mir nun doch keine Rechnung schreiben
würde.
In jedem Fall halte ich es für fragwürdig, wenn Journalisten, deren Arbeit man mit guten Argumenten bemängelt, die Kostenkeule schwingen, statt sich der Kritik inhaltlich zu stellen.
Zumal sich im Internetzeitalter solche Methoden, Kritiker mundtot machen zu wollen, meist als Schuss ins Knie entpuppen.
Sternstunden des Fachjournalismus: Das Magnetfiltermärchen (15.09.2010)
Immer wieder haben Yachteigener Probleme mit Dieselkraftstoff, der durch Bakterien und
Pilze verunreinigt ist. Diese Verunreinigungen können zu verstopften Kraftstofffiltern und damit letztlich zum Stillstand des Motors führen.
Dieses unter dem Namen „Dieselpest“ bekannt gewordene Phänomen war in der
Vergangenheit der Gegenstand von Berichten in der Wassersport-Fachpresse. Die Zeitschriften Palstek (04/08), Boote (06/10) und Yacht (14/10) haben in ihren Berichten zur
Lösung des Problems neben sogenannten Bioziden auch Geräte vorgestellt, die die organischen Verunreinigungen mittels Magnetkraft beseitigen können sollen. Hier weiter lesen...
Hängen gelassen (31.08.2010)
Immer, wenn mein Boot im Kran hängt, habe ich ein ungutes Gefühl. Ein Bedienungsfehler,
ein gebrochener Schäkel oder gerissener Gurt und der Schaden ist groß. Bei mir ist bislang alles gut gegangen.
Pech dagegen hatte vor einigen Tagen ein Motorbootfahrer auf der Nordseeinsel Juist. Seine
Yacht hatte einen Wassereinbruch und sollte an Land gehoben werden. Als die Yacht in den Gurten hing und angehoben wurde, schwappten einige hundert Liter Wasser nach achtern.
Dies führte dazu, dass das Boot nach hinten aus den Gurten rutsche und mit dem Heck aufs
Wasser schlug, während der Bug weiter im Gurt hing. Dummerweise wurde der Kran dabei
so beschädigt, dass die Gurte auch nicht mehr gefiert werden konnten. So musste die Juister Feuerwehr mit einem Leiterwagen anrücken, um den defekten Kran zu reparieren. Dem
Vernehmen nach soll die Motoryacht nun aufs Festland zur Reparatur gebracht werden.
Ich kann nicht behaupten, dass diese Bilder dazu geführt haben, dass ich dem nächsten Krantermin meines Bootes gelassener entgegen blicke.
Die Testexperten (25.08.2010)
Mit Interesse lese ich Berichte, die unter der Überschrift „Yachttest“ laufen. Dass man dort mit Rücksicht auf die Anzeigenkunden bisweilen sehr wohlwollend über die
Testobjekte berichtet, ist kein Geheimnis.
Den Vogel schießen aber die Journalistendarsteller der Seglerzeitung ab. Dort wurde die
Dehler 32RS „testgesegelt“. Es gibt natürlich nur Löbliches über das Boot zu lesen. Alles (bis auf die Polster) gaaaaanz toll! Die fehlende Schallisolierung des Motorraumes –
eigentlich ein Unding bei einem Serienboot – wurde mit folgenden Worten gelobt: „Dass bei der RS zudem auf die Motorisolierung verzichtet wurde, ist beinahe Ehrensache.“ (Seglerzeitung 8/2010 S. 105)
Interessant, dass es auch einen Testbericht der 32RS in der Zeitschrift Segeln gab (8/2010 S. 50). Dort konnte man nämlich erfahren, dass die fehlende Schallisolierung
keinesfalls beabsichtigt war, um Gewicht zu sparen. Das Boot ist schlicht nicht ganz fertig geworden, bevor es den Testern übergeben wurde. Aber in Sachen fehlender
Schallisolierung bei der Werft nachzufragen, war den Herren von der Seglerzeitung offenbar zu viel Arbeit. Da verkauft man seinen Lesern diesen Mangel lieber als den letzten Schrei des Regattabootsbaus.
Man kann diesen Punkt für ein lächerliches Detail halten. Oder auch als Beispiel einer Haltung, die sich den Herstellern der Testobjekte mehr verpflichtet fühlt, als den Adressaten der eigenen Arbeit.
Sollten Segler Walfleisch essen? (07.07.2010)
Im Zusammenhang mit Hochseeregatten hört man immer wieder davon, dass Yachten mit
Walen kollidieren. Wenn eine Rennyacht einen Meeressäuger mit ihrem Kiel bei einer Fahrt von 15 Knoten trifft, kann man sich vorstellen, dass die Wale bei diesen Begegnungen oft nur zweiter Sieger sind.
Als ich 2009 am OSTAR teilgenommen habe, berichtete mir ein Teilnehmer im Ziel, dass er mit seiner 40 Fuß Yacht mit einem Wal zusammen gestoßen ist. Die Yacht sei praktisch zum
Stillstand gekommen und das Wasser um das Boot herum habe sich rot verfärbt, während das Tier sichtlich angeschlagen seinen Kopf aus dem Wasser gestreckt habe. „Ich glaube nicht, dass der Wal überlebt hat.“ war der Kommentar des Seglers, dessen Aluyacht den
Zusammenstoß unbeschädigt überstanden hat. Dies ist nicht immer so. Es sind Fälle bekannt geworden, wo Yachten nach einer Walkollision gesunken sind.
Wie groß das Risiko ist, mit einem Wal zusammen zu stoßen, kann niemand sagen. Die Frage, die ich mir stelle ist aber die, ob die Kollisionsgefahr aufgrund der sich langsam erholenden Wallbestände nicht immer größer wird.
Schaut man sich die Zahlen zum Blauwalbestand und zu anderen Walarten bei der
Internationalen Wallfangkommission an, wird deutlich, dass die natürlichen Walbestände
weit, weit größer waren, als sie es heute sind. Von vielleicht 200.000 Blauwalen ist der Bestand auf einige tausend Tiere gesunken. Von geschätzten 200.000 Finnwalen sind noch
um die 45.000 vorhanden. Beim Nord- und Südkaper sehen die Zahlen ähnlich aus.
Es ist auf dieser Basis davon auszugehen, dass in unseren Ozeanen noch einige
hunderttausend Wale zusätzlich leben könnten, bis sich ein natürliches Gleichgewicht eingestellt hat. Stellt man sich 500.000 Wale von 12 Meter Länge vor, die gleichzeitig an der
Oberfläche schwimmen, ergibt dies eine Barriere aus Knochen und Speck von 6.000 Kilometer Länge. Sollte es dazu kommen, dass sich die Walpopulationen auf ihre Ursprungsbestände
erholen, werden sich kommende Seglergenerationen wohl intensiv mit diesem Thema beschäftigen müssen.
Die Wettergötter schweigen (21.06.2010)
Auf dem Wetterportal www.wetter.com wird einem das Wetter für die kommenden 16 (in Worten sechzehn) Tage prognostiziert. In einer Pressemeldung schrieb man dazu:
„www.wetter.com bietet mit dem Relaunch als erstes deutsches Wetterportal darüber hinaus auch eine 16-Tage-Vorhersage an, die zuverlässige Trends dank der engen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetter Dienst und Web3.0 Nowcast-Modelle* sowie Langzeit- und MOS**-Prognosen zeigt. „
Über zwei Wochen sind für eine Wetterprognose eine verdammt lange Zeit. Nach meiner
Erfahrung sind Wettervorhersagen über drei Tage mit Vorsicht zu genießen und ab fünf Tagen praktisch unbrauchbar. Da hat es mich schon interessiert, mit welcher Genauigkeit
man bei einer 16 Tage Vorhersage rechnen kann und für wie seriös man bei wetter.com dieses Angebot hält. Ich habe wetter.com zwei Mails mit einigen Fragen zur 16 Tage Vorhersage geschickt. Leider hat mir niemand geantwortet.
Stellen wir uns vor, dass man dem Pressesprecher dieser Firma ein Wahrheitsserum eingeflösst und ihn dann veranlasst hätte, mir zu antworten. Seine Mail hätte vielleicht wie folgt ausgesehen:
Sehr geehrter Herr Röttgering,
auch wenn mir kritische Nachfragen so gar nicht liegen, möchte ich Ihnen auf Ihre Mail
trotzdem antworten. Unsere Erwähnung von MOS Prognosen und Web 3.0 Nowcast Modellen ist natürlich reines PR-Geschwurbel. Ich habe nicht die geringste Vorstellung , was sich genau hinter Model Output Statistics verbirgt und was Nowcasting und eine 16
Tage Vorhersage miteinander zu tun haben. Der Trick ist ganz einfach: wir nehmen das Durchschnittswetter der letzten Jahre und produzieren daraus unsere Langfristprognosen.
Im Sommer sagen wir warmes, im Winter kaltes Wetter für die mittlere Zukunft voraus. Passt irgendwie immer und ist günstig von Praktikanten zu erledigen. Wenn wir schon
nicht das Wetter für die nächste Woche vorhersagen können, wie dann erst das für in zwei Wochen? Ja, die Sache mit den 16 Tagen ist ein reiner Marketinggag.
Ich möchte Sie bitten, dieses Schreiben vertraulich zu behandeln. Ich bin Alleinverdiener und habe Frau und Kinder zu ernähren.
Mit freundlichen Grüßen XY – Abt. Unternehmenskommunikation
Expertenwissen (16.06.2010)
Journalisten sogenannter Qualitätsmedien erklären uns jeden Tag die Welt. Ab und zu
schreiben sie auch über den Segelsport. Da kann man solche Sätze bei Spiegel Online lesen:
„Für Nicht-Segler: Mit Knockdown bezeichnet man es, wenn ein Segelboot durch Wellengang und/oder Wind so sehr in die Waagerechte gedrückt wird, dass der Mast die Wasseroberfläche berührt. Ein paar Grad mehr, und ein Boot verbleibt in dieser Lage.“
Dies ist falsch. Jede als hochseetüchtig klassifizierte Yacht, und nur von denen war im Artikel
die Rede, wird sich auch nach einer Kenterung um z.B. 100 Grad wieder aufrichten. Mein Boot sogar noch aus über 150 Grad.
In einem anderen Artikel kann man bei Spiegel Online über das Barcelona World Race dies
hier erfahren:
Die Route führt die Teilnehmer von Barcelona über den Atlantik Richtung Westen, um das berüchtigte Kap Hoorn in Südamerika und weiter durch den Pazifik. Die Durchfahrt zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands ("Cook-Straße") ist eine Pflichtpassage, anschließend wartet noch die Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas, ehe es durch den Atlantik und das Mittelmeer zurück nach Barcelona geht.
Dumm nur, dass die Route genau andersrum, also von West nach Ost verläuft. Siehe hier.
In Zusammenhang mit dem Seenotfall von Abby Sunderland wusste Welt Online zu berichten
, dass bei Abbys Yacht der Kiel abgebrochen sei und sie in einer “Sicherheitskapsel” nun auf Rettung warten würde (siehe hier). Tatsächlich brach bei Abbys Yacht nicht der Kiel, sondern der Mast. Und was man unter einer “Sicherheitskapsel” verstehen soll, wird wohl auch für
immer das Geheimnis der Experten bei Welt Online bleiben. In Zusammenhang mit dem Segelsport ist mir dieser Begriff nicht bekannt. Dass Abby schlicht unter Deck gesessen, und
auf Rettung gewartet hat, klang wohl nicht dramatisch genug.
Nun geht von diesen Fehlern nicht die Welt unter. Schwamm drüber, es geht ja nur ums
Segeln. Was mir aber zu denken gibt, ist, dass uns diese Leute auch die Wirtschaftskrise und die große Politik erklären wollen. Es ist zu befürchten, dass sie davon genau so wenig Ahnung wie vom Segelsport haben.
Kunst kommt von Können (01.06.2010)
FANFAN! ist bereits Gegenstand einer Arbeit des etablierten englischen Künstlers Richard Allman geworden (siehe hier). Nun ist mein Boot auch von zwei jungen, aufstrebenden
Avantgarde-Künstlern aus Berlin künstlerisch reflektiert worden. Insbesondere beeindruckt mich an diesen Meisterwerken die Reduktion auf das Wesentliche, die minimalistische Farbwahl und die eigenwillige Formensprache.
Männerspielzeug Teil 2 (23.04.2010)
Zu den Dingen, die ich unbedingt haben wollte, als ich erfuhr, dass es sie gibt, gehört ein Gerät namens BGT-31. Es handelt sich dabei um einen GPS Empfänger. Und um einen Tracker
, eine Bluetooth GPS Maus, einen Kilometerzähler, einen Geschwindigkeitsmesser, einen Flächenrechner und, und, und. Dazu ist es wasserdicht, kann schwimmen und der Akku soll
gut zwei Tage halten. Aus diesen Gründen soll sich das BGT-31 bei Speedsurfern großer Beliebtheit erfreuen.
Das Gerät nutzt SD Speicherkarten und hat einen USB Anschluss, der gleichzeitig zum Laden
des Akkus und zum Datentransfer auf den PC dient (Handbuch in Englisch hier).
Leider habe ich in Deutschland keinen Händler gefunden und mir deshalb das BGT-31 bei xxcycle in Frankreich bestellt. Nach ein paar Tagen im Einsatz lautet mein vorläufiges Urteil:
trotz etwas billiger Anmutung ein echt cooles Teil. Wie konnte ich vorher ohne leben?
Männerspielzeug Teil 1 (20.04.2010)
Es gibt Dinge, die will man haben. Auch wenn man weiß, dass man sie nicht braucht. Unser Wirtschaftssystem würde zusammenbrechen, wenn nicht Millionen von Menschen so denken
würden. Und natürlich bin auch ich Opfer dieses Konsumverhaltens. Im konkreten Fall hatte sich in meinem Kopf der Wunsch festgesetzt, eine Uhr der Marke Casio vom Typ Pro Trek
haben zu wollen. Das Ding kann mit Gimmicks wie Kompass, Thermometer, Zeiteinstellung über Funk, Barometer, zig Alarmen und einer Stromversorgung über eine Solarzelle
aufwarten. Abschreckend war für mich vor allem der Preis von über 300 Euro. Schließlich habe ich die Uhr bei Amazon in England deutlich günstiger als in Deutschland gekauft. Die
Illusion so Geld zu sparen, statt auszugeben, hat die Entscheidung deutlich erleichtert.
Jetzt habe ich diesen Klotz von Armbanduhr am Handgelenk, dessen Bedienungsanleitung so umfangreich wie ein Handbuch zum Bau einer Atombombe ist.
Ob mein Leben durch den Kauf dieser Uhr besser geworden ist, vermag ich nicht zu sagen.
Aber es ist schon ein beruhigendes Gefühl, jederzeit die atomuhrgenaue Zeit zu wissen, schnell herausbekommen zu können, wo Süden ist, den Luftdruck der letzten 24 Stunden zu
kennen oder sich alle 10 Minuten wecken lassen zu können. Ja, sehr, sehr beruhigend.
Geldschneiderei? (20.04.2010)
Bei mir an Bord verwende ich einen Netbook vom Typ Asus Eee PC 1000H für meine Navigationssoftware. Ein Grund für meine Kaufentscheidung war, dass das Netzteil eine Ausgangsspannung von 12 Volt hat.
Trotz einiger im Internet geäußerter Bedenken, habe ich das Netbook direkt, d.h. ohne Netzteil oder Adapter, an das Bordnetz angeschlossen. Nach zusammengerechnet zwei
Monaten Laufzeit gab es damit keine Probleme. Obwohl man dieses Netbook offensichtlich direkt an 12 Volt (in meinem Fall an 11,5 bis 14,4 Volt) anschliessen kann, gibt es eine Reihe
von Adaptern am Markt, die zum Betrieb des Asus Eee PC an 12 Volt erforderlich sein sollen.
Ich habe keine Ahnung, was in diesen Adaptern passiert und wie viel Gold man dort
verarbeitet hat. Jedenfalls verdienen sie nach meinen Erfahrungen das Attribut “überflüssig”.
Fernwehfilme.de (20.04.2010)
Mehr zu sehen gibt es bei Segel-Filme.de
Einsamer Rufer in der Wüste (29.03.2010)
Wer Google danach fragt, ob er Aktien des Yachtherstellers Hanseyachts AG kaufen soll, bekommt als Antwort ein eindeutiges „Ja“. Dies liegt daran, dass ein gewisser Frank Laser seit Jahren in unregelmäßigen Abständen immer wieder Kaufempfehlungen für die Aktie ausspricht. Herr Laser arbeitet für die SES Research GmbH, die zur Bank M.M.Warburg gehört. Diese wiederum hat den Börsengang von Hanseyachts betreut. Fast bekommt man den
Eindruck, dass hier jemand versucht, den Aktienkurs hoch zu schreiben, damit man den Börsengang irgendwann mal als Erfolgsgeschichte verkaufen kann. Denn bislang hat sich
dieser aus Investorensicht als reine Kapitalvernichtung erwiesen. Die Aktie ist nur noch einen Bruchteil ihres Emissionskurses wert und konnte auch bislang nicht von der konjunkturellen
Erholung der Weltwirtschaft profitieren. Dabei sollte die Aktie besonders krisenfest sein. Der heutige Vorstandsvorsitzende Michael Schmidt sagte anlässlich des Börsengangs von Hanseyachts im Jahr 2007: “Yachten sind Luxusprodukte und damit nur bedingt von der
Konjunktur abhängig.“
Wer sich die Mühe macht, und den Kursverlauf des weltgrößten Yachtproduzenten Beneteau mit dem von Hanseyachts und mit dem DAX vergleicht, wird feststellen, dass die Geschichte von der krisensicheren Luxusgüterindustrie, zumindest im Sportbootbereich, eine Mär ist. Die
Kursverläufe sind fast deckungsgleich. Leider mit der Ausnahme, dass bei Hanseyachts, anders als bei Beneteau, bislang keine echte Erholung des Kurses eingetreten ist. Vielleicht
ist ein Investment in Aktien von Beneteau da die bessere Variante, nicht zuletzt, weil man dort auch eine Dividende zahlt.
Warum Herr Laser stattdessen so hartnäckig den Kauf von Hanseyachts Aktien empfiehlt,
wollte er mir auf meine Nachfrage hin bislang nicht beantworten. Aber unabhängig von der Person Laser sollte man sich bei den Empfehlungen von Finanzexperten immer eines vor
Augen führen: Hätten diese Leute den Sachverstand, den sie vorgeben zu haben, wären sie wohl kaum darauf angewiesen ihr Geld damit zu verdienen, anderen Geldanlagetipps zu geben.
Bild im Kopf (10.03.2010)
Wenn ich den Begriff Windex höre, dann denke ich an einen schwarzen Pfeil, an dessen Leitwerk rote Klebestreifen aus reflektierendem Material angebracht sind. Google hat da ganz andere Assoziationen.
Es war einmal ein Segler aus der Schweiz (04.03.2010 + Update vom 10.03. & 20.03.2010)
Mich beschäftigt gerade eine Frage: wie soll man mit einem Fall umgehen, in dem jemand
behauptet, eine sportliche Leistung erbracht zu haben, die man für unmöglich hält?
Konkret geht es um folgenden Sachverhalt: Andreas von Allmen ist Segler. Auf seiner Website behauptet er, mit einer Yacht vom Typ Sun Fast 3200 in 128 Tagen einhand und
nonstop um die Welt gesegelt zu sein und dabei eine Strecke von 25.754 Meilen zurück gelegt zu haben. Täglich muss er nach diesen Zahlen im Schnitt 201 sm gesegelt sein. Auf
dem Rückweg von Kap Hoorn bis zum Starthafen lag der Schnitt gar bei ca. 219 sm pro Tag. Und dies ist der Punkt, wo meine Zweifel ansetzen.
Ich habe mir die von anderen Seglern beim OSTAR und beim Transat AG2R gesegelten Zeiten angeschaut und zusätzlich einen Blick auf die Zeiten anderer nonstop Weltumsegler
geworfen. Ich habe viel gerechnet und mir aus unterschiedlichen Quellen die ungefähren Geschwindigkeitspotentiale der verschiedenen Yachten heraus gesucht. Mir ist dabei keine
Fahrt unter gekommen, bei der solche Etmale mit einer Yacht unter 40 Fuß einhand auf langen Strecken erreicht wurden. So hat der Däne Jan Møller die Welt nonstop mit einem
Open 40 mit einem Schnitt von 187 sm pro Tag umrundet. Und dabei ist Møllers Yacht konstruktionsbedingt deutlich leistungsfähiger, als die Yacht von Allmens.
Mein eigenes Boot ist nach dem Vergütungssystem IRC auf dem Papier einen Tick schneller als eine Sun Fast 3200 (Polare der Sun Fast hier). Von regelmäßigen Etmalen über 200 sm kann ich nur träumen.
Auf dieser Basis kann ich nur zu dem Schluß kommen, dass es nicht möglich sein kann, mit
einer Sun Fast 3200 in dieser Zeit die Welt zu umsegeln.
Ich habe Herrn von Allmen meine Bedenken hinsichtlich seiner Fahrt mitgeteilt und nach
Belegen, wie z.B. abfotografierte GPS Positionsanzeigen, gefragt. Eine Antwort habe ich bislang nicht erhalten.
Update vom 10.03.2010: Ich habe Kontakt mit dem Konstrukteur der Sun Fast 3200,
Daniel Andrieu, aufgenommen. Er schrieb mir, dass er diese Leistung für praktisch unmöglich hält.
Update vom 20.03.2010: Für Welt Online habe ich einen Artikel über die angebliche
Weltumsegelung von Allmens geschrieben. Er ist hier verfügbar.
Update vom 01.04.2010:
Inzwischen ist die Website von von Allmen kommentarlos offline genommen worden.
Peng! Ein Mobo weniger (24.02.2010)
Der Bootssport ist ja eine eher risikoarme Freizeitbeschäftigung. Doch ein Gefahrenherd an Bord sind zum Kochen oder Heizen genutzte Gasinstallationen. Wer hier als Eigner
nachlässig ist, bekommt schnell eine letale Lektion in Sachen natürlicher Auslese erteilt.
So habe ich beim Rundgang über ein Marinagelände diese Stahl-Motoryacht gesehen, deren
Eigner ein ungünstiges Gas-Luft Verhältnis in der Bilge und ein Funke zum Verhängnis geworden sind.
Zahlenjunkie (22.02.2010)
Während des OSTAR Einhand-Transatlantikrennens habe ich meine Navigationssoftware die ganze Zeit auf dem PC laufen lassen. Dabei sind 6.500 Datensätze entstanden, in denen alle
Daten, die an Bord angefallen sind, abgespeichert wurden. Diese Daten kann man in MS-Excel importieren und dann in langen Winterabenden bunte Bilder damit zaubern.
Lektionen für das Leben: Schlau statt stark (17.02.2010)
Die Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ gehört zu meinen frühesten
Fernseherinnerungen. Als jemand, der bei Schulhofraufereien oft nur zweiter Sieger war, hatten die Abenteuer Wickies für mich die tröstliche Botschaft parat, dass Grips mehr als
Muckies zählt. Dies hat die erniedrigende Erfahrung, sich nicht aus dem Schwitzkasten eines Schulhof-Neandertalers befreien zu können, etwas erträglicher gemacht.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Geschichten von Wickie den Grundstein für meine Segelbegeisterung gelegt haben und es kein Zufall ist, dass ich Einhandsegler geworden bin.
Wer möchte schon freiwillig mit Typen wie Faxe, Snorre oder Tjure segeln? Oder sich das Gejaule eines Ulme anhören?
Die Realfilmversion von „Wickie und die starken Männer“ habe ich mir jetzt mit der Familie im
Kino angeschaut. Auch wenn ich nicht zur eigentlichen Zielgruppe des Films gehöre, möchte ich nicht ausschließen, dass ich im Kino am lautesten von allen gelacht habe. Das Kind im Manne lebt also noch.
Echt wahr (10.02.2010)
In jüngster Zeit gab es vermehrt Diskussionen um den Wahrheitsgehalt verschiedener Segel-Reiseberichte. Um in Zukunft Zweifeln an den Erzählungen von Seglern vorzubeugen,
möchte ich vorschlagen, ein Gütesiegel für deren Berichte zu vergeben. Unter notarieller Aufsicht (alternativ ginge auch Günther Jauch) könnten einige Honoratioren des deutschen
Segelsports, vorzugsweise langjährige DSV Funktionäre, die Glaubwürdigkeit von Seglern und die Glaubhaftigkeit ihrer Reiseberichte prüfen. Zusätzlich könnte man noch eine Jury
einsetzen, die aus diversen in Hafenkneipen aufgelesenen Randexistenzen besteht.
Bei der Wahrheitsfindung sollte der Einsatz eines Lügendetektors oder die Anwendung von
Daumenschrauben kein Tabu sein. Bei bestandener Prüfung könnte den Reiseberichten dann dieses Siegel verliehen werden.
Brum, Brum: Svante gibt 70% Gas (28.01.2010)
Svante Domizlaff ist der geistige Vater eines interessanten Motorbootes namens Pinasse 46.
Das Boot ist sicher nicht jedermanns Geschmack; mir gefällt es. Die angepeilte Klientel sind u.a. wohlhabende Segler, die aus Komfortgründen mit einem Motorboot liebäugeln. Um der
potentiellen Kundschaft den Wechsel von der Motor- zur Segelyacht schmackhaft zu machen, hat Herr Domizlaff einen lesenswerten Beitrag geschrieben, in dem er den Besitz einer Motor
- und einer Segelyacht gegenüber stellt. Nicht widersprechen will ich ihm, wenn er schreibt:
„Motorbootfahrer haben ein schlechtes Image. Sie funktionieren ihre Boote zu schwimmenden Gartenlauben um und verlassen nie oder selten ihren Liegeplatz. Oder sie gebären sich mit wild röhrenden Nuttenschleudern als Vollgaskönige in Sicht der Strandpromenade.“
Allerdings gibt es auch Punkte, wo ich ihm nicht folgen kann. So schreibt er:
„Meine eigenen Erfahrungen nach 55 Jahren auf dem Wasser: Mehr als 70 Prozent im Leben einer Segelyacht werden heute unter Motor zurückgelegt. Das trifft auch auf Regattayachten zu, die bei Überführungsreisen Motor-Meilen fressen. Zugegeben, die verbleibenden 30 Prozent können ein wunderbares Naturerlebnis sein.“
Wow, über 70% soll der Motoranteil bei Segelyachten liegen? Ich habe keine Zahlen zu
diesem Punkt, kann aber sagen, dass diese Aussage nicht meiner seglerischen Lebenswirklichkeit entspricht. Ich kenne auch keinen Segler, der so ungehemmt am
Zündschlüssel dreht. Bei meiner Weltumsegelung lag der Motoranteil auf rund 50.000 Meilen unter 2%. Bei der Küstensegelei komme ich auf 10 bis 15 %. Während der 10.150 Meilen, die ich mit FANFAN! seit dem Refit 2006 gesegelt bin, sind 208 Motorlaufstunden zusammen
gekommen (bei 5 Knoten Fahrt würde dies einem Motoranteil von gut 10% entsprechen ).
Es ist sicher besser, wenn man Herrn Domizlaff nicht auf die 70% Motoranteil festnagelt.
Aber die Botschaft ist klar: Segler sind eigentlich auch nur Motorbootfahrer - warum dann nicht gleich ein Motorboot!?
Vielleicht deshalb, weil für mich einer der schönsten Momente beim Yachtsport der ist, in dem
die Segel gesetzt sind und man den Zündschlüssel auf „off“ stellen kann.
Falsch, Falsch, Falsch (28.01.2010) + Update vom 03.02.2010
SegelguruTM Bobby Schenk hat auf einer Homepage eine Unterrubrik namens „In den Wind gebrochen gesprochen“. Dort ereifert er sich in seinem Eintrag vom 25.01.2010 über Einhandsegler, denen er ein bisweilen gestörtes Verhältnis zur Wahrheit attestiert. Es wäre schön gewesen, wenn Herr Schenk vor seinem Rundumschlag gegen die von ihm wenig
geschätzte Einhandseglerschaft etwas Zeit in die Recherche von Fakten investiert hätte. Dann wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass Herr Crawhurst eigentlich Crowhurst heißt und
dass Axel Czuday nie die Nordostpassage erfolgreich durchquert hat. Oder, dass Ambrogio Fogar nicht nonstop um die Welt gesegelt ist (und dies auch nicht behauptet hat), er auch
nicht verbreitet hat, er habe sich an einer Angelleine wieder an Bord gezogen (sondern an seiner Lifeline), und dass er auch nicht für sich in Anspruch nimmt, das Great Barrier Reef
einhand nonstop durchsegelt zu haben (er erwähnt in seinem Buch „400 GIORNI INTORNO AL MONDO“, dass er auf diesem Abschnitt mehrfach geankert hat).
Herr Schenk wundert sich auch, dass ihm Durchkenterungen, mit Ausnahme die der Yacht Damian (die eigentlich Damien heißt), nur von Einhandseglern bekannt sind. Daraus folgert der Blauwasser-Columbo messerscharf, dass an den Erzählungen von Einhandseglern etwas
faul sein muss.
Aber auch hier hätte etwas Recherche sicher gut getan. So kam es beim Fastnet – einem Crewrennen – im Jahr 1979 zu zahlreichen Durchkenterungen (ausführlicher Bericht hier) und auch in jüngerer Zeit stellen sich Yachten trotz Crew auf den Kopf (Beispiel hier).
In diesem Zusammenhang erwähnt er den Weltumsegler Chichester. Aber dass Francis Chichester behauptet hat, er sei mit seiner Yacht durchgekentert, konnte ich nirgends finden.
Chichester spricht von einer Kenterung („Capsize“). Das ist ein Unterschied. Unabhängig davon ist es mehr als fragwürdig, einen Francis Chichester ohne jedes Indiz indirekt der Lüge zu verdächtigen.
Natürlich muss man auch den Wahrheitsgehalt einer Reiseerzählung kritisch hinterfragen dürfen. Ich finde auch nichts dabei, einen Lügner selbst dann einen Lügner zu nennen, wenn
er schon tot ist. Aber vielleicht sollte man bei Menschen, die sich gegen solche Vorwürfe nicht mehr wehren können, besonders sorgfältig mit den Fakten umgehen. Wenn man so
offensichtlich ahnungslos wie Herr Schenk ist, dann lautet mein bescheidener Rat an ihn: Einfach mal die Klappe halten.
Quellen: Axel Czuday, „Allein in der Arktis“, Ambrogio Fogar „400 GIORNI INTORNO AL MONDO“, Francis
Chichester „Held der sieben Meere“. Weitere verbale Leichenfleddereien von Schenk hier und hier. Aber wenn es dem Meister passt, dann glaubt er auch Märchen - siehe hier.
PS vom 03.02.2010: Kurz nach Erscheinen des obigen Beitrags hat sich Bobby Schenk
einige meiner Hinweise zu Herzen genommen und seinen Text korrigiert bzw. ergänzt. In Sachen Abrogio Fogar beruft er sich nun - simsalabim - auf einen Vortrag, den Fogar vor 35
Jahren in München gehalten haben soll. Dort soll Fogar behauptet haben, nonstop durch das Great Barrier Reef gesegelt zu sein. Ob auf die Erinnerung von jemandem 100% Verlass ist,
der immer noch meint, Fogars Reise sei als Nonstop-Weltumsegelung verkauft worden (Fogar lief mehrere Häfen an), kann dahin gestellt bleiben. Denn selbst wenn Fogar damals
davon gesprochen hat, er sei nonstop durch das Great Barrier Reef gesegelt, dann schließt dies nicht die von ihm in seinem Buch "400 GIORNI INTORNO AL MONDO" erwähnten
Ankerstopps aus. Denn nach allen mir bekannten Regeln (so z.B. bei der Vendee Globe und
dem OSTAR) gilt eine Segelreise auch dann als nonstop durchgeführt, wenn in ihrem Verlauf geankert wurde.
Kannte Schenk in der Ursprungsversion seines Textes nur eine Yacht, die mit Crew
durchgekentert ist, sind es jetzt schon zwei, nämlich die Damien und die Tzu Hang. Dass die Yacht Tzu Hang dieses Schicksal ebenfalls ereilte ist richtig. Dass dabei "ein Mann verloren ging", wie Schenk schreibt, ist das exklusive Wissen des Meisters. Im Buch über diese Fahrt "Once is Enough" haben jedenfalls alle Crewmitglieder den Törn überlebt (einen Tag nach
Erscheinen dieses Hinweises wurde auch dieser Fehler von Schenk korrigiert...).
Damit ich richtig verstanden werde: mir geht es nicht darum, jemandem seine mangelnde
Sachkenntnis um die Ohren zu hauen. Was ich ärgerlich finde, ist, wenn der grob fahrlässige Umgang mit Fakten die Basis dafür bildet, sich in ehrabschneidender Weise über Einzelpersonen oder Gruppen zu äußern.
Ich habe mich übrigens bewusst darauf beschränkt, mich mit den sachlichen Fehlern in Schenks Artikel zu beschäftigen. Dazu, dass es sich um eine dümmliche Abrechnung mit allen
handelt, die ihre Reise auf andere Weise in der Öffentlichkeit präsentieren, als Schenk dies für richtig hält, könnte man sicher auch noch einiges anmerken (leider liefert der Fall Lüchtenborg Leuten wie Schenk die passende Munition) . Mir ist jedenfalls ein Rollo Gebhard,
der sich für den Schutz von Delfinen einsetzt, lieber, als ein Bobby Schenk, dem es möglicherweise nur um eines geht: sich selbst.
Traditionssegler (26.01.2010)
Thies Matzen ist ein interessanter Mann, der tolle Reisen macht. Zu sagen hat er auch etwas. Und zwar hier.
Ich will Geld! (19.01.2010)
Im Jahr 2009 war ich als (Kleinst-) Miteigentümer der Hanseyachts AG auf der Hauptversammlung in Greifswald. Es war eine interessante Veranstaltung, die aufgrund der
Eigentümerstruktur der AG (Familie Schmidt hat das Sagen) im Grunde genommen nur eine Formalie war. Es wurde über einige Fragen abgestimmt, was den einen oder anderen der
Anwesenden an alte DDR Zeiten erinnert haben mag, da alle Punkte mit 99+X Prozent der Stimmen im Sinne der Hauptaktionäre beschieden wurden. Zwei Aktionäre haben von ihrem
Rederecht gebraucht gemacht, was leider eher belustigend, als erhellend war. Einer hat sich vor Lob über die AG kaum noch eingekriegt und der andere hat den Eindruck hinterlassen, als ob er vergessen hat, an diese
m Tag seine Medikamente zu nehmen.
Die aus Kleinaktionärssicht meiner Ansicht nach wichtigste Frage hat keiner gestellt: Wie kann es sein, dass dem Vorstand erfolgsbezogene Vergütungsbestandteile in Höhe von
einigen hunderttausend Euro ausgezahlt wurden, die AG aber gleichzeitig nicht erfolgreich genug gewesen sein soll, um den Aktionären eine Dividende zu zahlen? Warum soll es keine
Verzinsung des von den Aktionären eingesetzten Kapitals geben, wenn mit diesem Geld Gewinne erwirtschaftet wurden?
Für das Jahr 2010 hatte ich mir vorgenommen, mich auf der Hauptversammlung zu Wort zu
melden. Eine Rede vom Typ „Aufbegehren des entrechteten Kleinaktionärs“ liegt bei mir fertig auf dem Rechner unter:
C:\Eigene_Dateien\Texte\Die_Welt_ist_voll_gemein\Jetzt_rede_ichXI.doc.
Doch leider war der Geschäftsverlauf bei Hanseyachts nicht so rosig. Da der Vorstand diesmal keine Erfolgsprämie bekommt, macht es meines Erachtens keinen Sinn, wenn die
Kleinaktionäre nach einer Dividende schreien. Aber aufgeschoben heißt ja nicht aufgehoben. Wenn man sich bei Hanseyachts auch in guten Zeiten weiter um eine
Dividendenausschüttung drückt, werde ich noch mal in Greifswald bei der Hauptversammlung auftauchen und meine Rede halten. Die wird zwar nichts bewirken, aber vielleicht kann ich
mich dann mit einigen Leidensgenossen solidarisieren. Denn geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.
Der Fall Lüchtenborg (04.01.2010)
Bernt Lüchtenborg wollte zwei Mal nonstop und einhand die Welt umsegeln. Dabei ist er an der Technik, aber vor allem an sich selber gescheitert.
Lüchtenborg versucht sich nun als Mann darzustellen, der dem selbst auferlegten Druck nicht gewachsen war, und deshalb mindestens sieben Stopps und die Mitnahme von Crew auf
einer Teiletappe verschwiegen hat. Wer sich mit dem Fall näher beschäftigt, wird schnell merken, dass Lüchtenborg nicht Opfer außergewöhnlicher Umstände wurde, sondern dass er
ein Hochstapler ist, der die Segelwelt seit Jahren belügt. Hier weiter lesen...
Klein, dunkel, schnell
Die subantarktischen Inseln, insbesondere die des Indischen Ozeans, sind für mich
Sehnsuchtsorte. Das reiche Tierleben und die Abgeschiedenheit dieser Inseln machen für mich deren Faszination aus. Auf den Crozet Inseln hatte ich die Gelegenheit Rußalbatrosse auf dem Nest zu beobachten. Diese Albatrosse sind um einiges kleiner als die bekannten
Wanderalbatrosse und dunkel gefiedert. Sie gelten, und dies kann ich aus eigener Anschauung bestätigen, als die besten Flieger unter den Albatrossen. Sollte an den in manchen Religionen vorhandenen Reinkarnationsvorstellungen etwas dran sein, hätte ich jedenfalls nichts gegen eine Wiedergeburt als Rußalbatros.
Pressearbeit
Wenn mich Dinge interessieren, dann frage ich oft einfach mal per Email nach. Manchmal gibt
es keine Antwort. Gelegentlich werde ich mit Antworten aus dem PR-Textbausteinkasten abgespeist, die nichts mit meiner Frage zu tun haben. Einige haben aber verstanden, dass
Öffentlichkeitsarbeit anders funktioniert und antworten tatsächlich auf meine Mails. So hatte ich einige Fragen in Zusammenhang mit dem Nothafen Darßer Ort. An die Pressestelle des
WWF, der den Hafen schließen will, habe ich folgende Mail geschickt:
[…]mit Interesse verfolge ich die Entwicklung um den Nothafen Darßer Ort. In diesem
Zusammenhang habe ich zwei Fragen, für deren Beantwortung ich Ihnen dankbar wäre.
1.Es gibt in unmittelbarer Nähe zum Hafen einen riesigen Campingplatz (Foto anbei). Dort
stehen hunderte von Wohnwagen im Wald und in den Dünen. Mir erschließt sich nicht, warum der Hafen unter ökologischer Sicht dort untragbar sein soll, während die
Campingplatzsituation meines Wissens nach vom WWF nicht in Frage gestellt wird. Wäre es nicht konsequent vom WWF, auch auf einen Rückbau des Campingplatzes hinzuarbeiten
? Die paar hundert Segler, die ein funktionsfähiger Hafen im Jahr anzieht, dürften doch im Vergleich zu tausenden Campern nicht ins Gewicht fallen.
2.Auch ein neuer Hafen vor Prerow würde einen Eingriff in die Natur erfordern. Der Bau dieses Hafens wäre mit erheblichen Emissionen und einem großen Ressourcenverbrauch
verbunden. Wäre unter diesem Gesichtspunkt nicht eine bessere Ökobilanz zu erzielen, wenn man den bisherigen Hafen mit vergleichsweise geringem Aufwand erhält? […]
Antwort (nach einer Woche):
[…] die von Ihnen angeregte Diskussion begleitet die um den Nothafen seit mehr als 15
Jahren. Auch uns ist der Campingplatz in der Form und Art der Nutzung an der Stelle ein Dorn im Auge. Wir sind auch gegen die widerrechtliche Nutzung des Nationalparks durch
den Campingplatz mehrfach rechtlich vorgegangen - leider bisher ohne Erfolg. Seien Sie sicher, dass wir auch das kritisch verfolgen und die sich bietenden Möglichkeiten nutzen, hier eine Verbesserung zu erwirken.
In der Beurteilung des Eingriffs durch den Nothafen liegen wir auseinander. Wir halten die Verlagerung des Hafens aus dem Nationalpark heraus für notwendig.
Wir arbeiten weiter für eine Auslagerung des Hafens z. B. als Inselhafen außerhalb des Nationalparks vor den Ort Zingst, wo die Eingriffe in Strand und Hinterland wesentlich
geringer wären als in Prerow. Die Erweiterung des Raumordnungsverfahrens um diese Variante ist übrigens Teil des Freitag erzielten Kompromisses im Rechststreit. […]
An die Pressestelle der DGzRS habe ich folgende Frage gerichtet:
[…] mit Interesse verfolge ich als Segler die Diskussion um den Erhalt des Nothafens
Darßer Ort. In diesem Zusammenhang habe ich eine Frage:
Von Seiten der DGzRS wird argumentiert, dass ein Hafen in dieser Gegend zur Stationierung eines Rettungskreuzers dringend erforderlich ist, um das umliegende
Seegebiet, und dabei insbesondere die Kadettrinne, schnell erreichen zu können. Mich würde interessieren, warum ein Rettungskreuzer vor Prerow nicht an einer
Festmachertonne in Bereitschaft liegen kann. Die dort herrschenden Wetterbedingungen müssten dies die meiste Zeit des Jahres zulassen. Ich erinnere dabei an die Feuerschiffe in
der Deutschen Bucht bzw. im Englischen Kanal, die im vergangenen Jahrhundert ganzjährig auf Position lagen. Selbst wenn die Stationierung an einer Mooring für die
DGzRS mit erhöhtem Aufwand und damit Kosten verbunden ist, dürfte diese Lösung unter dem Strich weit preisgünstiger sein, als den Nothafen Darßer Ort zu erhalten. […]
Nach drei Stunden hatte ich diese Antwort im Postfach:
[…] nach unseren langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen ist eine Seeposition für
den Seenotkreuzer im Revier vor Darßer Ort nicht praktikabel.
Die Windsituation sowie Schwell durch die Großschifffahrt gewährleisten keinen auf Dauer sicheren und zumutbaren Liegeplatz an einer Mooring.
Darüber hinaus müsste eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit der Besatzung durch die ständigen Schiffsbewegungen und dauerhaft laufenden Maschinen bzw. Generatoren hingenommen werden.
Zudem muss bedacht werden, dass verletzte / erkrankte Personen schnellstmöglich an den Landrettungsdienst in dem nächst erreichbaren Hafen übergeben werden müssten.
Letztendlich stellt sich die Frage, für wen eine derartige „Lösung“ preisgünstiger sei. Für die DGzRS, die sich ausschließlich durch Spenden und freiwillige Zuwendungen, ohne
Steuergelder, finanziert , ganz gewiss nicht. […]
Kleine Perlen im Atlantik
Es gehört in manchen Kreisen zum guten Ton zu sagen, dass man keinen Fernseher hat
oder dass man kaum Fernsehen schauen würde, da ja ohnehin nur Schrott laufen würde. Ich bin dagegen froh einen Flimmerkasten zu haben. In einem Ozean aus Einfallslosigkeit (in
dem ich ab und zu auch gerne schwimme) findet man nämlich immer wieder Schätze wie diesen hier: eine Doku über die Inseln Saint-Pierre und Miquelon. Sie sind das letzte Stück Frankreich auf dem nordamerikanischen Kontinent. Einen Besuch dieser Inseln hatte ich mir
für meinen Rückweg vom Ostar 2009 vorgenommen, mich aber wegen des vielen Eises alleine dann nicht hingetraut.
Nur grün gestrichen
Neulich war ich auf einer Konferenz zum Thema “Green Economy”. Unter anderem hat dort
der Vorstandsvorsitzende einer der größten deutschen Aktiengesellschaften gesprochen. Das Wort „nachhaltig“ ist oft gefallen. Auch die Begriffe „commitment“ und „proaktiv“ waren
zu hören. Von der Verantwortung den nächsten Generationen gegenüber war natürlich auch die Rede. Manager Neusprech eben. Es war nicht die Rede davon, dass man ihn kaum
deshalb zum Vorstandsvorsitzenden gemacht hat, um die Welt zu retten, sondern um Geld für die Aktionäre zu verdienen. Ich kann natürlich nicht beurteilen, inwieweit es diesem
Mann wirklich ein Anliegen ist, etwas für den Umweltschutz zu tun. Doch scheint mir dieses Thema bei vielen Firmen ein Bereich zu sein, in dem Anspruch und Wirklichkeit besonders weit auseinander fallen.
Ein Beispiel ist für mich eine Kampagne des Bootsmotorenherstellers Volvo Penta. Diese
Firma bietet den Käufern eines neuen Bootsdiesels eine „Umweltprämie“ von bis zu 6.000 Euro an, wenn man seinen alten Motor für einen neuen Volvo Motor in Zahlung gibt.
Umweltfreundlich soll die Sache dadurch werden, dass die neuen Motoren von Volvo bezüglich Verbrauch und Emissionen besser sein sollen, als vorherige Motorgenerationen.
Aber kann das bei Sportbootmotoren überhaupt Sinn machen? Auf Anfrage teilte man mir bei Volvo Deutschland mit, dass die durchschnittliche jährliche Motorlaufzeit in einer Segelyacht
20 bis 25 und in einem Motorboot 50 Stunden beträgt. Ich frage mich in Anbetracht dieser geringen Laufzeiten, wie viele hundert Jahre ein neuer Motor in einer Yacht eingebaut sein
muss, damit die Ökobilanz eines Motorwechsels positiv wird.
Ohne es nachrechnen zu können, möchte ich die Behauptung wagen, dass der Natur am
meisten damit gedient ist, einen Bootsmotor bis zum wirtschaftlichen Totalschaden zu nutzen.
Aber auch in einem anderen Punkt habe ich Zweifel am Umweltengagement von Volvo Penta. Anders als bei VW-Marine und vielen Autoherstellern, verwendet man bei Volvo ein
veraltetes Ölfiltersystem, das gegenüber der modernen Variante die umweltbelastendere darstellt. Auf Nachfrage, warum dies so sei, teilte man mir bei Volvo mit, dass der Einbau
dieses Systems zu teuer sei. Zu teuer in der Herstellung wohlgemerkt. Denn über die Lebensdauer des Produkts ergibt sich bei der neuen Ölfiltervariante für den Motoreigentümer nach meiner Kenntnis sogar eine Ersparnis.
Im Detail wollte man sich mir gegenüber bei Volvo übrigens nicht zu diesem Thema äußern und hat es vorgezogen, mich mit Textbausteinen aus der Pressesprechertoolbox abzuspeisen....
Die billige Empörung des Uwe R.
Im Jahr 2002 war ich auf den Midway Inseln. Diese Inseln waren mein Wendepunkt beim
Absegeln des Polynesischen Dreiecks (Neuseeland-Midway-Osterinsel). Sie sind einer der beeindruckendsten Orte, die ich je besucht habe. Insbesondere das reiche Vogelleben auf
den Inseln hat diesen Besuch für mich unvergesslich gemacht. So ist dort auch das Coverfoto
meines Buches entstanden. Aus diesem Grund hat mich dieses Video, auf dem an Plastikmüll
verendete Albatrosse auf Midway zu sehen sind, vielleicht betroffener gemacht als andere. All die dort gezeigten Tiere hätten nicht sterben müssen, wenn Menschen nicht Unmengen von Plastikmüll im Meer entsorgt hätten. Aber ich gebe auch zu, dass meine Empörung billig ist. So billig wie gegen Krieg, Nazis oder Sklaverei zu sein. Es ist eine Empörung, die einem
nichts abverlangt, nichts kostet und die dazu dient, sich auf der Seite der Guten zu wissen.
Schnellstart
Beim OSTAR 2009 habe ich meine am Heck festgeschraubte Videokamera mitlaufen lassen.
Das Video, das die extreme, ohne chemische Hilfsmittel nicht erreichbare, körperliche Leistung beim Start dokumentiert, kann man sich hier anschauen (hier bei Youtube).
Fliegende Fische
Wo ist der größte Fischereihafen Deutschlands? Die (erstaunliche) Antwort hier.
Neid im positiven Sinn
Es gibt Menschen, die ich um ihre Reisen beneide, um ihre Fotos oder um ihre Schreibe.
Spannende Reise
Auf die Frage, ob man mit einem Mini nonstop um die Welt segeln kann, hätte ich wohl mit
“nein” geantwortet. Vielleicht wäre dies etwas voreilig gewesen. Alessandro Di Benedetto versucht es nämlich gerade. Die Sache macht einen durchdachten Eindruck und ich drücke ihm die Daumen. Mehr hier und hier.
Business as usual : Gewinne privatisieren - Verluste sozialisieren
Claus Peter Offen ist Reeder. Und einer der reichsten Menschen Deutschlands. Leider geht es seiner Reederei derzeit nicht gut. Deshalb hat er den Staat um Unterstützung für sein
Unternehmen gebeten (allerdings nicht erhalten).
Claus Peter Offen ist auch Segler und Eigner einer Maxiyacht, die einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hat. Dass ein Unternehmer gleichzeitig Staatshilfe beantragt und
privat ein millionenteures Luxusspielzeug besitzt, ist rechtlich sicher nicht zu beanstanden, aber wundern tut es mich schon. So muss eine Privatperson ihr Vermögen vielfach bis auf wenige Tausend Euro verbrauchen, bevor sie "Hartz IV" bekommen kann. Wenn es mir wirtschaftlich schlecht ginge, würde der Staat von mir verlangen, dass ich mein Boot verkaufe
und vom Erlös meinen Lebensunterhalt bestreite. [Naivitätsmodus EIN] Könnte man nicht ähnliches von einem Unternehmer erwarten, der möchte, dass die Allgemeinheit für seine
wirtschaftlichen Probleme aufkommt? [Naivitätsmodus AUS]
Schönsprech
Wenn eine Bootsmesse zu Ende geht, dann geben die Messegesellschaften
Presseerklärungen heraus, in denen sie die Messe abschließend bewerten. Dies klingt dann meist so, wie die Verlautbarungen der SED zur Erfüllung des Fünfjahresplanes.
Wenn die jeweilige Veranstaltung mehr Besucher als in der Vergangenheit hatte, ist alles einfach. Man schreibt, dass die Messe ein voller Erfolg gewesen sei, weil sie mehr
Besucher als in der Vergangenheit gehabt hat. Wenn die Besucherzahlen rückläufig sind, was bei Bootsmessen inzwischen oft der Fall ist, dann muss man schon ein bisschen
tricksen, damit die Messe doch noch als Erfolg verkauft werden kann. Ist die wirtschaftliche Lage insgesamt angespannt, schreibt man, dass „trotz der wirtschaftlich
ungünstigen Rahmenbedingungen X Besucher gezählt werden konnten“. Mit anderen Worten: wäre die allgemeine Lage nicht so schlecht, wäre die Messe auch besser
gelaufen, aber ein Erfolg war sie trotz aller Widrigkeiten schon. Trick Nummer zwei besteht darin, die wenigen Besucher, die gekommen sind, besonders wertvoll zu machen. Man schreibt dann, dass das Publikum „eine hohe Fachkompetenz“ aufwies und zudem
„eine überdurchschnittliche Kaufbereitschaft“ hatte. Mit anderen Worten: Die Messe war ein Erfolg, weil der mittellose Pöbel, der nur Prospekte abstauben will, diesmal nicht da war und nur Leute gekommen sind, die auch ein paar Euro auf der Bank haben. Untermauern kann man solche Erfolgsmeldungen dann mit den Ergebnissen von
Ausstellerbefragungen. Selbst wenn die Erwartungen der meisten Aussteller nicht erfüllt wurden, wird man immer ein paar finden, bei denen es gut gelaufen ist, und deren Aussagen
sich gut in einer Presseerklärung verwenden lassen. Und egal wie es gelaufen ist, wird man sich zudem kaum einen Werftvertreter vorstellen können, der offen bekennt, dass die
Verkaufsabschlüsse so schlecht waren, dass er besser zu Hause geblieben wäre.
Es würde mich in Anbetracht des kontinuierlichen Besucherrückgangs auf Bootsmessen nicht
wundern, wenn nach Ende der Hanseboot im Jahr 2030 folgende Pressemeldung heraus gegeben würde:
“Mit einem positiven Fazit schloß die Messegesellschaft die diesjährige Hanseboot.
Mit einem Besucher halbierte sich zwar die Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr (zwei Besucher), doch waren die Fachkompetenz und die Kaufbereitschaft des Publikums in diesem Jahr deutlich höher, als in der
Vergangenheit. Der Besucher Hubert K. aus Norderstedt, Eigner einer Dehler Optima, bewertete die Messe als hochklassig und will im nächsten Jahr in jedem Fall wieder kommen; eventuell sogar mit seiner Frau Renate.
Auch bei den Ausstellern hat sich der Trend von Masse zu Klasse fortgesetzt. Die drei auf der Messe vertretenen Firmen verzeichneten nach eigenen Angaben ein
reges Interesse des Besuchers. Eine Firma konnte sogar einen erfolgreichen Verkaufsabschluss (ein paar Segelschuhe, Größe 46) vorweisen. Der Sprecher der
deutschen Wassersportwirtschaft, P. Rawda zieht ebenfalls eine positive Bilanz und sieht erste Anzeichen, die für eine weitere Belebung der Branche im kommenden Jahr sprechen.”
Handwerk hat goldenen Boden
Zum Saisonende habe ich die Gasanlage auf FANFAN! von einem Fachmann überprüfen
lassen. Er kam pünktlich, war freundlich und eine Leckage hat er auch noch gefunden. Alles prima also. Nebenbei hat er mir erzählt, dass er Eigner eine Yacht aus Skandinavien ist, die
dem gehobenen Preissegment zuzuordnen ist. Die Frage, wie er sich so etwas leisten kann, hat sich eine Woche später von selbst beantwortet, als ich seine Rechnung in der Hand hielt.
Rekordverdächtig: Drei mal Bullshit in fünf Sätzen
Über die Daimler Chrysler North Atlantic Challenge 2003, einer Crewregatta von
Newport/USA nach Deutschland, ist vor einiger Zeit ein Buch erschienen. Auf dem Klappentext findet sich folgender Text:
"Der Nordatlantik gilt als das wildeste Weltmeer der Erde - und das am meisten Befahrene. Für jeden Hochseesegler bedeutet eine Überquerung des Nordatlantiks die ultimative Herausforderung. Im Juli 2003 gehen 63 Jachten aus zwölf Nationen vor Newport/Rhode Island an den Start zu einer 3700 Meilen langen Regatta mit Ziel Hamburg. Das Ergebnis ist als "Daimler Chrysler North Atlantic Challenge" in die Geschichte des Segelns eingegangen. Denn nie zuvor kämpften so viele Yachten auf einem so schwierigen Kurs über eine so lange Distanz Bord an Bord."
Ups - da hat der Praktikant des Werbetexterpraktikanten ein kleines bisschen geschludert. So genügt ein Blick in die Monatskarten des BSH, um zu sehen, dass der sommerliche Nordatlantik mit Sicherheit nicht das "wildeste Meer der Erde" ist. Und wenn eine Atlantiküberquerung schon die "ultimative Herausforderung" für Segler sein soll, wird es mit Attributen für z.B. Weltumsegelungen ziemlich knapp. Auch in Sachen Teilnehmerzahl und Route hat die Daimler Chrysler North Atlantic Challenge keine Maßstäbe gesetzt. So gingen beim Ostar 1976 125 (in Worten: einhundertfünfundzwanzig) Yachten an den Start, um von Ost nach West, d.h. gegen Strom und Wind, den Nordatlantik nach Newport zu überqueren.
Theorie und Wirklichkeit
Der Deutsche Fachjournalistenverband hat einen Ethik-Kodex verfasst. Dort ist u.a. zu lesen:
§ 3 Unabhängigkeit der Berichterstattung
(1) Fachjournalistische Berichterstattung ist in erster Linie ihren Rezipienten verpflichtet.
Sie ist unabhängig von Werbekunden und PR-Maßnahmen.
§ 2 Recherche
(2) Wenn aufgrund von PR-Material berichtet wird, muss dieses als solches
gekennzeichnet werden. [...] Bei PR-Material ist die von Eigeninteresse bestimmte Motivation des Urhebers zu beachten und entsprechend zu hinterfragen.
Was wohl von einigen Wassersportmagazinen übrig bliebe, wenn man sich dort an diese Regeln halten würde?
Änderungen vorbehalten: “Nie wieder!”
“Das war meine letzte Reise unter Segeln. Ich habe auch nicht vor, überhaupt wieder zu segeln.
Nach 104.000 Seemeilen auf eigenem Kiel ist diese Phase der Selbstverwirklichung für mich vorbei.”
Wer hat das gesagt? Und wann? Antwort: Wilfried Erdmann im Jahr 1979, nachzulesen in Yacht 19/79 auf Seite 15.
Große Segler in kleinen Booten
Ein Jahr nach meiner OSTAR Teilnahme findet auf der gleichen Route ein Rennen für Yachten
zwischen 20 und 30 Fuß statt. Vor allem der fast vollständige Verzicht auf Papierkram macht mir diese Regatta sehr sympathisch. Mehr hier.
Geschenkt
Zur Hanseboot 2009 hat die Messegesellschaft eine Pressemeldung herausgegeben. Dort findet sich folgender Abschnitt:
"Zur 50. Internationalen Bootsausstellung Hamburg haben einige Aussteller auch ganz besondere Geschenke vorbereitet. So gewährt die Greifswalder Hanse Group (Marken HanseYachts, Dehler, Fjord, Moody) beim Kauf von Segelyachten der Marke Hanse beachtliche Rabatte. Das Geschenk an die Hanseboot-Besucher ist ein Ausdruck der langen Verbundenheit der Hanse-Werft zur Hamburg Messe."
Ist das nicht toll!? "Aus Verbundenheit zur Hamburg Messe" verschenkt die Werft Geld - Hanseyachts als Segler-Caritas. Und ich dachte in meiner Naivität schon, dass diese Rabatte etwas mit der Absatzkrise im Yachtbau zu tun haben.
Springen Sie jetzt über Bord!
Der Routenplaner von Google unterbreitet seinen Nutzern einen interessanten Vorschlag,
wenn man sich die Route von Stralsund zum Darßer Ort berechnen lässt. Statt des gut 55 Kilometer langen Landweges empfiehlt Google zum Fährhafen Murkan auf Rügen zu fahren, und dort die Fähre nach Lübeck zu besteigen. Leider fehlt in der Routenplanung der Hinweis,
dass man so nur zum Darßer Ort kommt, wenn man bereit ist, eine nicht unerhebliche Strecke zu schwimmen.
Sternstunden des Fachjournalismus II
Das österreichische Wassersportmagazin Ocean7 (Eigenwerbung: "Innovativer Journalismus", “kompetente, sachliche Information”) hat unter www.ocean7.at einen Internetauftritt. Wer
sich dort reinklickt, bekommt den Eindruck, dass man es mit der Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten nicht so genau nimmt. Auf die üblichen Bildnachweise verzichtet man
bei Ocean7.at. Möglicherweise, weil man das Urheberrecht für eine Sache von gestern hält.
PS: Auch auf zweimalige Nachfrage wollte man sich bei Ocean7 nicht zum Umgang mit
urheberrechtlich geschütztem Material äußern.
PPS: Inzwischen finden sich vereinzelt Bildnachweise in den Onlinemeldungen ;-)
Super Geschäfte
Vor einigen Tagen erhielt ich folgende Mail:
Hallo !
Ich bin Frau Amina Ahmed aus Guinea. Mein Ehemann war ein Diamanten-Haendler in
Elfenbeinkueste bevor er von den Rebellen in Bouake ermordet war.Nach seiner Beerdigung habe ich ein DeponieZertifikat und einen Brief in seinem Wohnzimmer gefunden dass, er
die Summe von USD25millione in der Kiste in einer Finanz-Sicherheistfirma deponiert fuer sicheres behalten hat.Ich haben nur einen Sohn. und er ist 23 Jahre alt.Wegen der
Ermordung meines Ehemannes und der unruehigen politischen Lage bei uns und zwar meinem schlechten Gesundheitszustand, moechte ich das Geld bei Ihnen in Deutschland
per Ihre Unterstuetzung investieren.Ich moechte gerne in Immobillien, Aktien und Transportsbranchen oder irgendwelche Branchen investieren.Sie werden 20% der
Gesamtsumme als Provision fuer Ihre Unterstuetzung. bekommen.Ich warte auf Ihr baldige Antwort!Mit fruendlichen Gruessen,
Amina Ahmed.
Meine Antwort:
Madame Ahmed,
vielen Dank für Ihre Mail und für das Vertrauen, das Sie in meine Person setzen. Derzeit
bin ich mit einem Yachthafenprojekt beschäftigt, für das noch ein Investor gesucht wird. Die Investitionssumme beträgt 10 Millionen Euro. Sie werden verstehen, dass meine
Auftraggeber in der Planungsphase um äußerste Diskretion bemüht sind und Einzelheiten des Projekts nur an wirklich ernsthafte Interessenten kommuniziert werden. Um die
Ernsthaftigkeit Ihrer Ambitionen zu dokumentieren, möchte ich Sie bitten, einen Betrag von 100.000 Euro auf das Konto [XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX] einzuzahlen. Dieser Betrag
wird selbstverständlich mit meiner Provision verrechnet, wenn das Geschäft zustande kommen sollte. Andernfalls überweise ich Ihnen die Summe komplett zurück. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
UR
Komisch. Nix mehr von der Dame gehört...
The Number of the Beast
FANFAN!
hat die Nummer 68 auf den Rumpfseitenwänden, am Heck, auf Deck und auf den Segeln stehen. Diese Zahl habe ich mir aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen beim Refit
des Bootes vor einigen Jahren ausgesucht. Ich kann froh sein, dass ich mich in meiner Unbekümmertheit nicht für die Zahl 18, 88, 14, 28 oder 74 entschieden habe. Damit kann man sich in Gutmenschenland nämlich verdächtig machen. Und da mein Auto auch die 68 auf dem Nummernschild hat, warte ich auf den Tag, an dem mir jemand vorhält, dass dies das Chiffre für Führerhauptquartier sei...
Werbisch X
Die Firma Bavaria Yachtbau hat ein neues Logo (rechts oben das alte, darunter das neue Logo). Und weil es für eine Pressemeldung nicht
reicht, einfach zu schreiben, dass man ein neues Logo hat, muss man diese Information in Werbisch nett verpacken, was dann so klingt:
“Um den Ansprüchen der modernen Zeit gerecht zu werden und
Bavarias Visionen und Werte zu übermitteln, inszeniert sich das frische Corporate Design als neues Markenleitbild und liegt trotz der Moderne nahtlos an Bavarias Heritage. [...] Mit der Flagge
als Logo basiert das Corporate Design auf einer gelernten, maritimen Symbolik mit hoher Signalwirkung. Während die Farben Emotionen von Himmel und Meer schaffen, stilisiert der
Kompass die Referenz zur Historie der Marke.”
Ich bin sicher, dass man mit dem gleichen Gefasel ähnlichen sprachlichen Mitteln der
Öffentlichkeit auch das alte Logo als das neue hätte verkaufen können.
Grundlegende Erkenntnis
Es war die letzte Meile des letzten Törns in der Saison 2009 für mich. Kein Fahrwasser habe
ich öfter befahren als jenes, das ich an diesem Tag aus Unachtsamkeit verlassen, und FANFAN! auf Grund gesetzt habe. Nachdem eine Motoryacht den Bug von FANFAN
! Richtung Fahrwasser gezogen hat, bin ich mit eigener Motor- und Segelkraft wieder frei gekommen. Merke: Wenn das Skipperhirn “Alles easy, das klappt schon.” meldet, wird es gefährlich.
Geld zu verschenken?
Immer wieder lese ich Verkaufsanzeigen für Yachten, in denen auf ein Wertgutachten
verwiesen wird, in dem ein weit höherer Wert der Yacht angegeben wird als der Preis, der in der Anzeige verlangt wird. So liegen bei dieser Anzeige zwischen dem gutachterlich
ermitteltem Wert und der Kaufpreisforderung ganze 54.000 Euro. Solche Angaben sollen wohl den Eindruck erwecken, wie günstig das Angebot ist. Bei mir entsteht dadurch
allerdings der Eindruck, dass Wertgutachten für Yachten nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen.
Vergangenheit
Um den Erhalt des Hafens Darßer Ort gab es seit vielen Jahren Diskussionen. Dass der Hafen
aufgegeben wird, ist wohl beschlossene Sache. Wobei ich nicht verstanden habe, warum ein Hafenneubau in ein paar Meilen Entfernung gegenüber dem Hafenerhalt die bessere Lösung sein soll. Egal.
Mein letzter Besuch dort liegt neun Jahre zurück. Ich war auf dem Weg von Greifswald nach Cuxhaven. FANFAN! war die einzige Yacht im Hafen. Alles andere wäre im Dezember auch ungewöhnlich gewesen.
Volles Leben
Fünf Weltumsegelungen in einem Leben sind schon viel. Sechs Ehen auch. Beides zusammen hat Webb Chiles vorzuweisen. Mehr hier.
Teen Spirit
Weltumsegelungen von Teenagern machen derzeit in den Medien Schlagzeilen. Dabei erhitzt
insbesondere die geplante Weltumsegelung der dreizehnjährigen Laura Dekker die Gemüter. Auf Sueddeutsche.de war ein Artikel von Heribert Prantl zu diesem Fall zu lesen. Er schrieb u.a.: "Im Übrigen: Das "age requirement" für den "yachtmaster" (das englische Seerecht wird
überall auf der Welt akzeptiert) ist 16. Wer jünger ist, darf allein kein Boot auf offener See führen."
Ich habe lange recherchiert und dabei keinen Hinweis gefunden, dass diese Ausführungen
richtig sind. Es würde mich sehr wundern, wenn das englische Seerecht auf der ganzen Welt als verbindlich akzeptiert würde und dass man unter 16 Jahre alleine kein Schiff auf offener
See führen darf (selbst in Deutschland wäre dies kein Problem, solange das Boot mit weniger als 3,68 KW motorisiert ist). Und sollte Herr Prantl den Yachtmaster Offshore bzw. Ocean meinen, der von der Royal Yachting Association ausgestellt wird, so ist dieser zum einen
freiwillig, und zum anderen kann er erst ab 18 erworben werden. Wer ihn nicht hat, ist als Privatskipper nicht illegal unterwegs. Es gibt sicher gute Gründe, die gegen die Reise von
Laura Dekker sprechen. Es ist nur schade, wenn ansonsten ernstzunehmende Journalisten ihren Standpunkt mit solchem Quatsch begründen.
Ich weiß nicht, ob es den Kritikern dieser Fahrt wirklich um das Kindeswohl geht, oder ob sie einfach ein Problem mit alternativen Lebensentwürfen haben. Wie dem auch sei, auf dem
Sender N24 konnte ich dazu einen kleinen Kontrapunkt setzen. Für das Video hier klicken.
Erlkönig
In Wieck bei Greifswald habe ich einen Yacht-Erlkönig entdeckt. Offenbar entwickelt man bei
Hanseyachts ein ca. 30 Fuß langes Catboot für die Großserienproduktion. Aus nicht ganz
uneigennützigen Gründen wünsche ich dem Projekt viel Erfolg.
Teures GPS
Mein neues Handy hat im Rahmen einer Vertragsverlängerung 16 Euro gekostet. Ich habe es
mir ausgesucht, weil es einen integrierten GPS Empfänger hat. Den 13 Jahre alten, backsteingroßen, stromfressenden Magellan DLX-10, den ich als Backup auf FANFAN! hatte,
kann ich jetzt ausmustern. Es ist phantastisch, welchen Fortschritt die Miniatusierung der Elektronik in den letzten Jahren gemacht hat. Auch phantastisch sind die Telefonrechnungen,
die man produzieren kann, wenn man den falschen Tarif hat und über das Handy ein paar Wetterberichte aus dem Internet abruft. In vier Tagen auf dem Greifswalder Bodden habe ich
so nichtsahnend 100 Euro ausgegeben. So etwas konnte mir mit dem Magellan DLX-10 nicht passieren.
Werbisch IX
In einer Segelzeitschrift hat sich sich Patrick Shaughnessy vom Konstruktionsbüro „Farr
Design“ zur von seiner Firma entworfenen „Bavaria Cruiser 55“ u.a. wie folgt geäußert: „Wir haben während des Konstruktionsprozesses und danach in der Bauphase sehr auf das
Kielgewicht geachtet. Es weist ein klassenführendes Ballastverhältnis von 35 Prozent auf. Weiterhin haben wir einen hohen Durchkenterwinkel von 115 Grad projektiert und erreicht.“
Ja, und beim ersten Lesen mag man denken „Mensch, da haben die von Bavaria aber ein
sicheres Schiff gebaut.“ Zu recht? Ich habe mir willkürlich eine Hand voll Serienyachten heraus gesucht und siehe da, deren Ballastanteile lagen zwischen 28 und 40 Prozent. Der
Ballastanteil der Bavaria mag „klassenführend“ sein, im Vergleich zu den meisten anderen Yachten dürfte es sich wohl um einen Durchschnittswert handeln. Und der Durchkenterwinkel
von 115 Grad ist wohl ebenfalls eher Durchschnitt und gerade mal 15 Grad mehr als nötig sind, um die Bavaria 55 noch als hochseetauglich (CE Kategorie A) anpreisen zu können (zum Vergleich: FANFAN
! hat 150 Grad). Merke: es ist nicht wichtig was du machst, sondern wie du es verkaufst.
Über die Bavaria 55 hat das Fachblatt für kritischen und unabhängigen Wassersportjournalismus “Segler-Zeitung” einen “Testbericht” veröffentlicht. Der einzige Abschnitt in diesem Bericht, den man als Produktkritik interpretieren könnte, schließt mit den Worten: “[...] sind die Einschätzungen [...] demzufolge nicht als Kritik zu verstehen. ”
Wo käme man auch hin, wenn man sich als Journalistendarsteller anmaßen würde das Produkt eines guten Anzeigenkunden zu kritisieren?
Aus Freude am Segeln
Neulich habe ich mir die Frage gestellt, welcher deutsche Einhandsegler wohl die meisten
Meilen mit dem gleichen Boot zurück gelegt hat. Dies - ich gebe es zu - in der Hoffnung, dass FANFAN! und ich so langsam in die von den alten Hasen vorgelegten Größenordnungen vorstoßen. Als erstes ist mir Rollo Gebard eingefallen, der mit seiner Solveig III so um die 75
.000 Meilen zurück gelegt haben dürfte. Dann ist mir Heinz Schwab mit seiner Inschallah in den Kopf gekommen. Drei Einhandweltumsegelungen mit der gleichen Yacht hat er im
Logbuch stehen. Rund 108.000 Meilen hat er dabei zurück gelegt. Von meiner Meilenzählerei hält Heinz Schwab allerdings nicht so viel. Er schrieb mir: "Nicht die Seemeilen die einer
gesegelt hat zählen, sondern einzig und allein die Freude am Segeln, die ich mir trotz meiner 80 Jahre erhalten habe.”
Um Heinz Schwab bis zu meinem 80 Geburtstag zu überholen, müßte ich mit FANFAN! pro Tag im Schnitt 2,7 Meilen segeln. Klingt machbar.
PS:
Bei den deutschen Einhandseglerinnen liegt Susanne Huber-Curphey ganz weit vorne. Mit ihrer So Long hat sie zwischen den Jahren 2000 und 2009 über 70.000 Meilen zurück gelegt.
Gerecht?
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Seemannschaft c'est moi
Vor einiger Zeit habe ich mich mit Bobby Schenks fragwürdigen Umgang mit dem Tod von Nigel Tetley auseinander gesetzt. Ein Leser meiner Homepage wies mich darauf hin, dass dies nicht der erste Fall verbaler Leichenfledderei von Herrn Schenk war. Im Jahr 1975 hat
Schenk sich zur gescheiterten nonstop Weltumsegelung von Jörgen Meyer in der Zeitschrift Yacht in ähnlich niederträchtiger Weise geäußert.
Zum Hintergrund: Jörgen Meyer war im Jahr 1974 von Cuxhaven aus zu einer einhand nonstop Weltumsegelung mit seiner Yacht Butera aufgebrochen. Er kam langsamer als
geplant voran und als er sich am 22. Februar 1975 zum letzten mal über Funk meldete, stand er erst auf 46 Grad Süd und 172 West, also einige hundert Meilen östlich von Neuseeland.
Seitdem gilt der damals 68 jährige als verschollen.
Schenk bezeichnete die Fahrt als die „Irrsinnsreise eines mutigen, aber alten Mannes“. Meyers Witwe hat Schenks Kommentar in einem Leserbrief als „böswillig“ bezeichnet. Ein anderer
Leserbriefschreiber nannte Schenks Urteil damals „primitiv und zutiefst unanständig“.
Schenks Argumente waren, dass die Yacht zu unhandlich, der Skipper zu alt und die
Jahreszeit im Südpazifik zu weit fortgeschritten war, um noch den Anforderungen an gute Seemannschaft zu genügen. Schenk spricht zudem in seinem Kommentar von “entscheidenden Fehlern”, die Meyer gemacht haben soll. Vor dem Hintergrund, dass man
nicht den geringsten Hinweis darauf hat, warum Meyer verschollen ist, wundert man sich über die Gewissheit, mit der Schenk auflistet, welche angeblichen Fehler für Meyers Schicksal verantwortlich sind.
Mir fällt dagegen kein Grund ein, aus dem die speziell für eine kleine Crew gebaute Butera für eine solche Fahrt nicht geeignet gewesen sein soll (nebenbei: anders als Herr Schenk auf seiner Hompepage phantasiert, war die Butera keine 12 Meter lange Sperrholzyacht,
sondern ein 16 Meter langer GFK Sandwichbau, wie mir der Erbauer der Yacht, Herr Stöberl sen. bestätigt hat).
Und warum soll man mit 68 zu alt für eine solche Fahrt sein? Ein 71 jähriger Japaner hat die
Welt nonstop umsegelt und Robin Knox Johnston hat mit 68 in einem Open 60 die Welt umrundet. Erdmann war bei seiner Gegenantour 61 Jahre alt. Was mich zudem verwundert,
ist Schenks Antwort in seinem Buch Blauwassersegeln auf die Frage, wer zum Blauwassersegeln geeignet sei. Der Meister schreibt dort auf Seite 29: “Körperliche
Behändigkeit ist genauso unwichtig, wie es praktisch auch keine Altersgrenze gibt. Es gibt 80-jährige Blauwassersegler.”
Und war Meyer wirklich zu spät dran? Drohten tatsächlich Herbststürme? Richtig ist, dass die US-Pilot Charts für die Seegebiete westlich von Kap Hoorn ab März eine erhöhte Sturmhäufigkeit ausweisen. Aber nach den mir vorliegenden Wetterstatistiken gibt es weder
an der Südspitze Neuseelands noch am Kap Hoorn eine bedeutende Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit im Winter (anders als z.B. in Helgoland, wo die mittlere
Windgeschwindigkeit im Winter um fast 50% zunimmt). Ich halte es durchaus für fraglich, ob es im Südpazifik im März und April deutlich gefährlicher für eine Yacht ist, als in anderen
Monaten. Und wer - außer Herr Schenk natürlich - will entscheiden, ob die Grenze zum Irrsinn bei 8, 12 oder 16% Sturmhäufigkeit liegt?
Ich sehe also weder in Skipper, Yacht noch Jahreszeit einen Grund dafür, diese Reise als ein Beispiel schlechter Seemannschaft zu bezeichnen. Auch hatte Meyer vorher bewiesen, dass
er sein Handwerk versteht. Mit Mitte 60 hatte er auf einer 34 Fuß Yacht einhand die Welt auf der Passatroute in gut 350 Tagen umrundet.
Jörgen Meyer hat es nicht geschafft. Aber ohne die Möglichkeit des Scheiterns gäbe es kein Abenteuer. Einem Abenteurer muss man dieses Scheitern auch zugestehen, ohne über ihn im Moment der Niederlage herzufallen.
Ich würde diese Geschichte hier nicht aufgreifen, wenn Herr Schenk in den letzten 30 Jahren etwas dazugelernt hätte. Doch noch heute muss man eine Passage in seinem Buch Blauwassersegeln (Auflage 2005) so verstehen, dass Jörgen Meyer das Opfer seiner
Respektlosigkeit der See gegenüber geworden sei. Ich halte es jedenfalls für ein Zeichen ausgemachter Arroganz, die Reisen anderer Segler deshalb als Irrsinn zu bezeichnen, weil
sie mehr gewagt haben, als man selber zu wagen bereit wäre.
Werbisch VIII
Von der Firma Vosschemie gibt es ein neues Antifouling, das sich “Haifischhaut” nennt. In
einem Versandkatalog findet sich zur Produktbeschreibung folgender Kommentar:
“Vosschemie Haifischhaut ist ein neuartiges Produkt was bereits erfolgreich getestet wurde. Jeder konkrete Anwendungsfall hängt jedoch von vielen Faktoren ab, die sich dem Einfluss von Vosschemie entziehen.”
Mit anderen Worten: Vielleicht funktioniert das Produkt, vielleicht auch nicht. Wenn nicht, kann Vosschemie leider nichts dafür. Ob mir diese Form von Ehrlichkeit 66 Euro pro Liter wert wäre?
Der Lauf der Dinge
Die Insel Tristan da Cunha im Südatlantik war lange eines meiner Traumziele. In den Jahren
2001 und 2003 war ich mit meiner Yacht dort, konnte aber wegen des schlechten Wetters nicht an Land gehen. Über Funk habe ich im Gespräch mit einem Inselbewohner damals noch
gescherzt, dass ich dann eben noch ein drittes Mal vorbeikommen werde, um endlich an Land zu kommen. Inzwischen ist mir die Lust auf diese Insel aber weitgehend vergangen.
Genervt von den immer zahlreicher werdenden Yachten und Kreuzfahrttouristen hat man inzwischen eine Reihe von Regeln aufgestellt, an die sich die Besucher bitte halten mögen, sowie eine Preisliste für Dienstleistungen veröffentlicht. Daran ist nichts auszusetzen. Es ist eine ganz natürliche Entwicklung, dass man eine Hand voll Besucher pro Jahr noch als
willkommene Gäste sieht, während einige hundert Besucher schnell zu Last werden, die man nur gegen Bares zu ertragen bereit ist. Als Bewohner dieser Insel hätte ich es wohl nicht anders gemacht.
Werbisch VII
Man stelle sich folgende Werbung für ein Auto vor:
„Ganze vier Räder sorgen für eine hervorragende Straßenlage und das runde Lenkrad ermöglicht das bequeme Fahren von Kurven.“
Absurd, oder? Im Wassersport ticken die Uhren anders und so meint ein Wassersportartikel -Versandhaus die technischen Selbstverständlichkeiten eines Außenbordmotors mit folgenden Worten anpreisen zu können:
„Die Kippanlage ist einfach zu bedienen. Der sich im Wasser befindliche Teil des Motors wird so bei Nichtbenutzung vor Bewuchs und Beschädigungen geschützt. [...] Einfaches Handling wird [... durch] den manuellen Choke, der den Startvorgang bei kaltem Motor erleichtert, [gesichert].“
Werbisch VI
Eine österreichische Werft nennt ihre neue 30 Fuß Yacht einen “Sports Luxury Cruiser”. Auch
wenn es sich bei einer Segelyacht sicherlich um ein Luxusgut handelt, habe ich mit der Kombination von “30 Fuß” und Luxus so meine Schwierigkeiten.
Schön schnell
Zwei mal bin ich auf einer Yacht durch den Panamakanal gefahren. Jede Passage hat zwei
Tage gedauert. Die Berufsschifffahrt schafft dies um einiges schneller.
Alu-Antik
Aluminium gilt ja als recht moderner Bootsbauwerkstoff. Dabei wurden schon vor über 50
Jahren Yachten aus diesem Material gebaut. Soweit ich weiß, schwimmt dieses Exemplar
sogar noch. An die Vorstellung, dass FANFAN!
in 25 oder 40 Jahren als “Klassiker” gelten könnte, muss ich mich noch gewöhnen.
Aua!
Für die Rubrik “Bootsnamen, die die Welt nicht braucht” möchte ich für einen Platz in den Top Ten dieses Boot hier vorschlagen.
Monströs
Regelmäßig kann man in der Presse von so genannten "Monsterwellen" lesen, deren
Existenz die Wissenschaft erst in jüngster Zeit habe beweisen können. In diesen Artikeln fehlt dann meist auch nicht der Hinweis darauf, dass man diese Wellen bis vor kurzen für Seemannsgarn gehalten habe. Klingt auch prima: „Wissenschaftler beweisen Seemannsgarn!“
Aber vielleicht ist die Geschichte vom Seemannsgarn auch Journalistengarn. Denn ich habe
keinen historischen Bericht gefunden, in dem die Möglichkeit solcher Wellen bestritten wird. Im Gegenteil. Mein Antarctic Pilot (praktisch ein amtliches Dokument der britischen Marine) von 1974 schreibt:
"The maximum wave height to be expected over most of the W-wind region is about 25m, but this rises to 35 m near Iles Kerguelen in Winter. For comparison 25m is the maximum likeley to be encountered in a North Atlantic winter gale, though the "design wave", that designers of offshore structures intend to last 50 years or so must be prepared for, is 35m."
Und wenngleich im “Segelhandbuch der Kaiserlichen Marine” von 1910 auf Seite 46 zu lesen ist, dass “die allerhöchsten Sturmwellen eine Höhe von 13 Meter kaum je überschreiten”, so findet sich kein Wort darüber, dass weit höhere Wellen nicht auch für möglich gehalten werden.
Geringer Tiefgang
Auf der Bootsmesse in Hamburg ist mir auf dem Stand der Firma Bavaria dieser Kiel aufgefallen. Da ein Großteil des Verkaufspersonals gelangweilt in der Gegend herum stand,
habe ich mir erlaubt, einen dieser Herren mit der Frage zu belästigen, welche Funktion denn dieser spezielle Kiel mit den beiden Flossen hat. Seine Antwort war, dass dieser Kiel das
Gewicht so weit nach unten wie möglich zu bringen solle, um so die Segeleigenschaften zu verbessern. Mein Einwand, dass dies ja die Aufgabe wohl eines jeden Kiels sei, und mich
interessieren würde, warum denn dieser spezielle Kiel so aussieht, wie er aussieht, brachte leider die gleiche Antwort in andere Worte gekleidet noch einmal. Diese selbstverständlich
vorgetragen im Brustton der Überzeugung und mit einem Gesichtsausdruck, der höchste Sachkompetenz suggerieren sollte.
Ich erwarte gar nicht, dass mir das Personal auf einem Stand jedes technische Detail
erklären kann. Ein "Ich weiß es nicht." oder "Tut mir leid, da muss ich einen Kollegen fragen." kann man niemandem übel nehmen.
Was mich stört, ist, dass mich Menschen, die mir einen 100 oder 200.000 Euro teuren Luxusartikel verkaufen sollen, mit Antworten, die keine Antworten sind, für dumm verkaufen.
Und dass diese Leute lieber gelangweilt auf ihrem Messestand herumhängen, statt zumindest den Eindruck zu erwecken, dass sie sich ernsthaft mit dem Anliegen eines möglichen Kunden auseinander setzen.
Ich will allerdings nicht ausschließen, dass dieses Erlebnis einen ganz anderen Hintergrund hatte. Vielleicht hat mich der Mann auch erkannt und sich gedacht “Oh Gott, der Röttgering,
diese alte Nervbratze. Am besten ganz dumm stellen, dann ist er schnell wieder weg.”.
Die „No“ Rules Regatta
Mein Interesse an Regatten ist umgekehrt proportional zum mit der jeweiligen
Veranstaltung verbundenen Kommerz. Eine unter diesem Gesichtspunkt sehr sympathische Regatta scheint mir die „Jester Challenge“ für Yachten bis 30 Fuß Länge zu sein. Kein
Kommerz und wenige Regeln. Einige davon lauten:
Da ist es fast schon bedauerlich, dass mein Boot nicht 10 Fuß kürzer ist.
Tempora mutantur
Nachdem ich meinen Außenborder zu Schanden gevollgast hatte, musste Ersatz her. Doch
wie ich erstaunt zur Kenntnis nehmen musste, gibt es auf dem Markt statt 2-Takt- nur noch 4 Takt-Modelle. Neue Umweltschutzvorschriften haben die 2-Takt-Technik Geschichte werden
lassen. Die neuen Viertakter sind nicht nur einiges schwerer als ihre Vorgänger, ihre Abgase riechen auch nicht mehr nach dem Benzin/Öl Gemisch. Da dies der Geruch - oder besser der
Duft - meiner Kindheit und Jugend war, ist der technische Fortschritt unter Nostalgiegesichtspunkten fast schon tragisch. Ich war gerne bereit, das Ende der
Schallplatte und der Musikcassette oder der Zahnpastatube aus Metall zu akzeptieren. Aber ein 4-Takt-Außenborder? No way. Dank Ebay habe ich jetzt wieder einen kleinen 2-Takt
-Stinker, dessen blaue Abgase ich in Flaschen abfüllen und als „Tohatsu No. 5“ an Leidensgenossen verkaufen werde.
Wahrscheinlich
Mit 88,5 prozentiger Sicherheit wird man folgenden Satz zu hören bekommen, wenn man auf
eine Langfahrtjacht zu Besuch kommt: “Hier sieht es im Moment etwas unordentlich aus. Kleinen Moment bitte, ich räume mal schnell das Werkzeug weg.”
Stau am Kap Hoorn
Das Südpolarmeer ist die Saison 2008/2009 so voll wie selten. Vielleicht sogar so voll wie
noch nie. Bei der Vendée Globe sind derzeit noch 26 Segler Richtung Süden unterwegs (vier haben schon aufgegeben). Beim Volvo Ocean Race sind es 8 Yachten mit je 11 Leuten an
Bord. Dann das Portimao Rennen, an dem sechs Yachten mit 10 Seglern teilnehmen. Dazu noch der 16jährige Mike Perham, der mit einem Open 50 nonstop um die Welt will und der
Japaner Saito, der mit 75 auch noch mal nonstop den Globus umrunden möchte. Schließlich ist noch Thomas Coville unterwegs, der mit einem Tri eine nonstop Weltumsegelung in
Rekordzeit in Angriff genommen hat. Insgesamt sind also 43 Yachten mit 127 Seglern auf dem Weg zum Kap Hoorn (zusätzlich dürften noch ein paar namenlose Kandidaten außerhalb
dieser Rennen bzw. Rekordversuche unterwegs sein). Und ich? Ich sitze im warmen Büro und staune über dieses seglerische Paralleluniversum, das nicht nur geografisch ganz weit weg
von mir ist. Und etwas neidisch bin ich auch. Schließlich ist mein Blick aus dem Fenster nicht so schön, wie z.B. diese Aussicht.
Teures Sparen
LED Positionslampen sind der letzte Schrei. Dies, weil sie erheblich weniger Strom als
konventionelle Positionslampen benötigen. Ich habe mir eine Dreifarben LED-Laterne gekauft, die gerade mal 0,3 Ampere zieht. Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, umzurüsten, sollte
sich fragen, ob eine LED Lampe wirklich eine lohnende Anschaffung ist. So habe ich in diesem Jahr ganze fünf Nächte auf See verbracht. Die Stromersparnis in diesen vielleicht 40
Stunden ist so gering, dass sich die immerhin 270 Euro teure Lampe unter solchen Einsatzbedingungen wohl nie amortisieren wird. Und da ein hoher Warenpreis in der Regel
auch einen hohen Ressourcenverbrauch bei der Herstellung bedeutet, ist es ökologisch wahrscheinlich sinnvoller, die Maschine zur Erzeugung des Stroms für herkömmliche
Positionslampen ein paar Stunden länger laufen zu lassen, als dies bei LED Lampen der Fall wäre. Anders mag die Rechnung bei Langfahrtseglern ausfallen. Für den durchschnittlichen
Wochenend- und Urlaubssegler dürften LED Positionslampen, zumindest so lange sie so teuer sind, zum Fenster herausgeschmissenes Geld sein.
Nett unterhalten
Im Rahmen der Hanseboot 2009 hatte ich die Gelegenheit mit Bernt Lüchtenborg über seine
geplante doppelte Weltumsegelung zu sprechen. Einen Zusammenschnitt des Gesprächs
kann man sich hier anhören.
PS: Die Reise hat leider einen in jeder Hinsicht enttäuschenden Verlauf genommen. Mehr hier.
Immer mehr bringt immer weniger
Das beste Etmal von FANFAN! betrug 214 Meilen. Der derzeitige Weltrekord für ein
Einrumpfboot liegt bei der rund dreifachen Distanz in 24 Stunden. Dieser Rekord wurde von einer Yacht erzielt, die ca. 20 mal mehr als FANFAN! gekostet hat. Also 20 mal teurer für drei
mal schneller. Dies erinnert mich dunkel & dumpf an die Theorie vom abnehmenden
Grenznutzen. Tröstlich also, dass mein Boot unter dem Gesichtspunkt von Aufwand und Ergebnis die schnellere Yacht ist.
Welt-Spielerei
Den Blick in den Atlas fand ich schon immer faszinierend. Dass dabei etwas hängen geblieben ist, konnte ich beim Länder-Dart von Welt Online sehen. Die 85.157 Punkte im siebten Versuch haben mir jedenfalls den Tag gerettet.
Daumen drücken III & IV
Boris Herrmann - einer meiner persönlichen Segelhelden - ist wieder unterwegs. Diesmal zweihand rund um die Welt. Im Südpolarmeer, wo ich mich vergleichsweise gemütlich nach
Osten schaukeln lassen konnte, muss Boris alles aus seiner Beluga Racer heraus holen. Da kann es bestimmt nicht schaden, wenn ihm möglichst viele Leute die Daumen drücken. Den anderen Daumen kann man dann noch dem Japaner Minoru Saito drücken, der zu seiner
achten (!) einhand Weltumsegelung aufgebrochen ist.
Neulich in der Innenstadt
Man hört immer wieder, dass die Reichen immer reicher würden und die Armen ärmer. Es
kann aber auch anders kommen. Prekariat und Yachtbesitz sind kein Widerspruch mehr. Dass die jüngste Finanzkrise auch vor „denen da oben“ nicht halt macht, beweist dieses erschütternde Foto. Statt Geld habe ich dem Mann übrigens einige Niro-Unterlegscheiben in
den Hut geworfen. Die kann man als Segler ja immer gebrauchen.
Managersprech
Die Zeitschrift Yacht hat mit dem (inzwischen abgesetzten) Sprecher der Geschäftsführung
bei der Bavaria Yachtbau GmbH, Kay Schwabedal, ein Interview geführt. Hier ein Auszug:
Frage „Yacht“: Trotz ihres Erfolgs und hoher Verkaufszahlen gilt die Marke Bavaria nicht bei allen Seglern als attraktiv. Ist das Image schlechter als die Substanz?
Antwort Schwabedal: Zunächst einmal muss man sehen, dass Bavaria in vielen Ländern präsent ist und unser Image teils ganz unterschiedliche Ausprägungen hat. Außerdem ist die subjektive Beurteilung der Marke nur ein Aspekt bei der Kaufentscheidung. Ich verstehe den Bootsmarkt sehr stark als Produktmarkt. Stimmt das Produkt, kaufen die Kunden. Denn Eigner verstehen die Yachten gut. Die Frage ist also vor allem: Treffen wir genau die Erwartungen, die große Segmente von Seglern haben? Das scheint uns bisher ziemlich gut gelungen zu sein.
Toll, wie verständlich uns ein Mann mit einem mutmaßlichen Jahresgehalt im sechsstelligen Bereich die Frage nach der Diskrepanz zwischen Produkterfolg und Markenwahrnehmung erklären kann.
Objektiv und unbestechlich - Sternstunden des Fachjournalismus
Angenommen, man würde mich nach Mallorca einladen, um eine Bavaria 50 zu testen. Angenommen, man wäre dort sehr, sehr nett und zuvorkommend zu mir und hätte mich nach
einem leckeren Essen ein bisschen mit der Bavaria segeln lassen. Und angenommen, Bavaria wäre ein wichtiger Werbekunde von mir. Ja, dann hätte ich vielleicht einen als redaktionellen Bericht getarnte Anzeige Testbericht geschrieben, in dem nicht ein ernsthaft kritischer Punkt
zu dieser Yacht Erwähnung findet. Aber es gibt auch Leute, die dies fertig bringen, ohne dass man den geringsten Verdacht haben muss, dass sie sich bei ihrem Urteil von solch sachfremden Begleitumständen haben beeinflussen lassen.
Handwerk ist Silber, Handel ist Gold (und Geiz macht blind)
Der “Reeds” ist ein über 1.000 Seiten dicker Wälzer mit Revier- und Hafeninformationen von Skagen bis zu den Azoren. Bei Amazon.de kann man die englische Ausgabe, vertrieben von einem deutschen Verlag, für 58 Euro erwerben. Es gibt den “Reeds” dort aber auch in der Rubrik “English Books” für 45 Euro. Womit sich die 13 Euro Preisunterschied rechtfertigen,
weiß ich nicht. In der festen Überzeugung, dass in der englischen englischsprachigen Ausgabe das selbe drinsteht wie in der deutschen englischsprachigen Ausgabe, habe ich
mich für die preiswertere Variante entschieden. Und weil ich noch viel schlauer sein wollte, habe ich mir über den Amazon Marketplace eine mit 23 Euro noch viel preiswertere Ausgabe
bestellt. Die ist auch umgehend gekommen. Nagelneu und originalverpackt. Leider habe ich aufgrund eines geizbedingten Analphabetismus bei der Bestellung übersehen, dass es sich
dabei um die Loseblattausgabe des Reeds handelt, die OHNE Ringordner geliefert wird. Es macht bestimmt viel Spass mit 1.000 losen Blättern zu navigieren, die in keinen handelsüblichen Ringordner passen.
Zurück schiessen
Es ist schön, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in dem die Armee nicht alles darf, was sie
kann. Wenn aber selbst die FAZ in Zusammenhang mit der zunehmenden Piraterie am Horn von Afrika ein solches Titelbild für angemessen hält, würde man sich wünschen, dass die dort
ohnehin stationierte Bundesmarine das dürfte, was sie könnte.
Welt, ich rette dich!
Mike Horn ist bestimmt ein cooler Typ. Er hat eine spannende Yacht und plant beneidenswerte Reisen. Und weil es dem Zeitgeist entspricht, ist das, was er macht,
natürlich auch noch besonders umweltfreundlich. Sein selbst formulierter Anspruch liest sich wie folgt:
As the mission statement of the Pangaea Expedition is to enhance a respect of the environment, the boat had to be built in an environmental friendly way and had to be ready to integrate most of the tools to produce energy with the lowest possible emission and pollution.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat er seine Yacht aus Aluminium bauen lassen. Er schreibt:
The first step was to choose the right material to build the boat. Aluminum was the obvious one. Technically it performs very well in extreme temperatures. It is very light resistant and durable. Furthermore, aluminum is the most recyclable metal. It can be recycled many times without loosing its qualities. Recycling aluminum uses only 5% of the energy required to produce it.
Ja, es mag stimmen, dass sich eine Alujacht gut recyceln lässt. Aber es gibt Leute, die der
Ansicht sind, dass Aluminium unter Umweltgesichtspunkten ein sehr umweltschädlicher Werkstoff ist. Denn Aluminium muss ja auch irgendwie gewonnen werden. Welche Folgen dies hat, kann man hier nachlesen. Und auch bei Wikipedia finden sich einige kritische Worte zum Thema (die Aluindustrie sieht dies naturgemäss anders).
Aber mit solchen Fragen wollte man sich z.B. bei Welt Online erst gar nicht beschäftigen und
hat unhinterfragt einfach den PR Text von Mike Horn nachgeplappert. Ich möchte dagegen die Behauptung wagen, dass segeln für die Umwelt á la Mike Horn genauso effektiv ist, wie ficken für den Frieden.
Sonne und ´ne Hand voll Dollar
Anfang das Jahres war ich zu einem Blitzbesuch in der Karibik. Der erste Einheimische, der
mir begegnet ist, hat mir seine Hand mit folgenden Worten entgegen gestreckt: “Hey blanc, give me money!” Vom Zweiten, einem Taxifahrer, habe ich mich sauber über den Tisch ziehen
lassen. Gut 60 US$ für eine Tour, die ich auch hätte laufen können. Fazit: Viva la Ostseeküste!
Breitwand
Diesen Film würde ich in einer Langfassung gerne im Kino sehen. Am besten mit Dolby
Surround-Sound und auf einer Leinwand, auf der das Boot im Maßstab 1:1 zu sehen ist.
Mike - Oscar - Sierra...
Es gibt Bootsnamen, die man nicht wirklich gerne über Funk buchstabieren möchte.
Der Kapo von der Wasserwacht
Das Boot der Wasserwacht nahm Kurs auf mich. Auf dem Bug eine wild brüllende Gestalt,
deren ausgestreckter Arm Richtung Horizont wies. Bruchstückhaft konnte ich "sofort weg hier", "Polizei", "Bootsführerschein weg" und "aber ganz schnell" verstehen. Das Schaupiel hatte
etwas von einer unbeholfenen Hitler-Parodie. Ein "Bitte verlassen sie das Sperrgebiet." in Zimmerlautstärke hätte es auch getan. Wer hätte da gedacht, dass das offizielle Motto der Wasserwacht “Aus Spaß am Sport und aus Freude am Helfen” lautet.
Werbisch V
Dass in Anzeigen jede Yacht als schnell, komfortabel und sicher gepriesen wird, ist nichts
Neues. Die Firma Nator („Swan“) hat im Jahr 1992 noch ein zusätzliches Argument für den Kauf einer Swan gefunden. Die Firma schrieb damals in einer Anzeige:
„Es gibt nur wenige Investitionen, die ihren bleibenden Wert behalten. […] eine Swan garantiert Ihnen überall einen bleibenden Wert – unabhängig von einer nationalen Rezession oder der allgemeinen Wirtschaftlage. Das beständige Image Ihrer Swan ist die Basis des Werterhaltes Ihres Schiffes. […] Eine Swan ist Ihre beste Kapitalanlage.“
Hier kann man sehen, was von dieser Aussage zu halten ist. Auch wenn dort z.B. für eine 18 Jahre alte Swan 44 noch 300.000 Euro aufgerufen werden, wird man bei Durchsicht des Angebotes schnell feststellen, dass man im Jahr 1992 mit einem Investment in Gold oder in DAX-Werte bis heute eine erhebliche Rendite erwirtschaftet hätte, während eine 1992 gekaufte Swan bis heute nur das gewesen wäre, was alle privat genutzten Yachten sind: ein Geldgrab.
Gutgläubig erworben?
Weil ich der Technik, sprich Elektrik, nicht grenzenlos vertraue, habe ich mich auf einem
Flohmarkt nach einer Petroleumlampe für mein Boot umgeschaut. Ein sturmsicheres Exemplar mit extra großem Tank (geschätzt ein Liter!) schien mir ideal für meine Zwecke. Einzig
störend war der "BVG" Schriftzug auf der Lampe, der darauf hindeutet, dass es sich um eine Baustellensicherungslampe aus den Beständen der Berliner Verkehrsbetriebe handelt. Mit
der gebotenen Freundlichkeit habe ich den offensichtlich mit einem Migrationshintergrund versehenen Verkäufer gefragt, ob er tatsächlich Eigentümer der Lampe sei, oder ob es sich
möglicherweise um Diebesgut handeln würde. Seine Antwort war "Verpiss dich, du Arschloch!" Dies ist Hauptstadtdeutsch und heißt ungefähr so viel wie “Ok, lass uns verhandeln.” Kurz
später war ich für 7 Euro Besitzer eines Notfall-Rumdumlichts mit BVG Vergangenheit.
Empfänger unbekannt verzogen
Im Internet gibt es Millionen von Seiten, in denen man aus einer Liste das Land wählen kann
, in dem man sich befindet, um z.B. etwas zu bestellen. Die Listen fangen meist bei Afgahnistan an und enden bei Zimbabwe. Irgendwo im ersten Viertel dieser Liste kann man als Wohnort oft auch "Bouvet Island" anklicken. "Uwe Röttgering - Bouvet Island" - diese Anschrift hätte ich gerne für einen Tag. Gut 600 Seemeilen haben mich während meiner
Weltumsegelung von diesem Eiland im südlichen Südatlantik getrennt. Fast hätte ich Kurs auf diese Insel genommen, aber mir hat der Mut gefehlt, mich alleine in diese
eisbergverseuchten Gewässer zu wagen. Vielleicht hätte ich dort sehen können, dass diese Insel entgegen allen mir verfügbaren Informationen nicht unbewohnt ist, sondern dass dort
doch Menschen leben, denen ein Postschiff regelmäßig ihre Bestellungen aus dem Internet ausliefert.
Neue Zielgruppe
Deutsche Segelmagazine haben in den letzten 10 Jahren dramatisch an Auflage eingebüßt. Der Marktführer “Yacht” verlor seit 1998 33,38% an verkaufter Auflage, die Titel “Palstek”
und “Segeln” 21,92 bzw. 18,56% (Grafik hier). Sicher sind die Ursachen dafür vielfältig. Ein Grund könnte sein, dass man die Zielgruppe der infantilen Erwachsenen mit regelmäßigem
Einkommen - kurz IERE - bislang völlig vernachlässig hat. Diese immer größer werdende Gruppe, die trotz Stirnglatze und Bauchansatz immer noch in alten MAD Heften blättert und
Simpsons schaut, kann mit den eher bieder gemachten Fachpublikationen offensichtlich nicht so viel anfangen. Bei einigen etablierten Medien versucht man, dieses Publikum bereits mit gezielten Angeboten zu erreichen. Aber wie könnte man diese Gruppe in Form einer
Segelzeitschrift ansprechen? Ich habe mir da mal ein paar Gedanken gemacht.
Fantasie trifft Leichtgläubigkeit
Die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit ist manchmal fließend und nicht immer leicht zu erkennen. Ein Beispiel ist die “Weltumsegelung” eines gewissen „Wolfgang Vandeck“ mit seiner „Ennoia“. Das über diese Reise geschriebene Buch „Ennoia mit Kurs auf die Sonne. Der
Bericht einer abenteuerlichen Weltumsegelung“ ist frei erfunden. Es gibt keinen “Wolfgang
Vandeck” und keine Weltumsegelung mit einer Yacht namens „Ennoia“, wie mir der (Selbst-) Verleger und Autor des Buches, Nils Lahrmann, versichert hat. Dies ist peinlich für jene, die
dieses maritime Märchen für bare Münze nehmen. Zu einem Akt der Selbstdemontage wird die Sache, wenn ein bei Lesern der Zeitschrift Yacht weltberühmter SegelguruTM Herrn Vandeck gar zum Zeugen für die eigene Meinung zur polynesischen Navigation macht.
Und wo ich schon einmal dabei bin den kleinen Wadenbeißer zu spielen: Es wäre
interessant zu erfahren, welche sensationellen neuen Erkenntnisse Deutschlands führenden Kap Hoorn Experten zu der Aussage gebracht haben, dass die Magellanstraße NACH Kap Hoorn entdeckt wurde. Oder, wie man das Kap Hoorn (55°59´Süd) durch das bloße Absegeln des 56. südlichen Breitengrades runden kann.
Einhandsegler und Alkohol
Raymonda Blume hat ein Buch mit dem Titel "Aussteigen - Leben auf einem Schiff”
geschrieben. Über Einhandsegler kann man dort folgendes lesen:
„In vielen Büchern werden die Einhandsegler als Eigenbrötler beschrieben, die nichts als die Einsamkeit auf See lieben. Das ist eine Beschreibung, die ich persönlich auch bestätigen kann. Diese, zum Teil auch ausgesprochen leutseligen Typen aller Altersklassen hängen oft in den Hafenkneipen herum und suchen durchaus auch Anschluss. Nach ein paar Runden Bier fangen sie jedoch in Windeseile an, nur von ihrem Schiff zu palavern, seinen Vorzügen und Nachteilen und drängen einem den ganzen Abend ihre jahrelangen Erfahrungen auf, wie schön es doch sei, so ganz alleine den Wind und Wellen zu trotzen. Fragen zum Schiff ihres Gesprächspartners stellen sie meist nicht, warum auch – auf alle Fragen wissen diese Fachleute doch die Antworten selbst. Wird noch mehr Alkohol konsumiert, wird diese Seglerspezies meist unangenehm selbstmitleidig, und es folgt ein nicht enden wollender negativer Beitrag zum am Segeln nicht interessierten weiblichen Geschlecht.“
Dieser Darstellung kann ich aus eigener Anschauung nicht widersprechen. Denn zu der Zeit, zu der angeblich andere Einhandsegler benebelt in Hafenkneipen herumhängen, liege ich schon lange, und vor allem nüchtern, in der Koje.
Früher
Vor einiger Zeit sprach mich ein älterer Herr auf dem Gelände einer Marina an.
"Sie sind doch der, der da alleine um die Welt gesegelt ist."
"Ja, das bin ich."
"Also früher hat man sich so eine Reise erst verdient und ist losgefahren, wenn man schon was im Leben erreicht hat."
Ich habe es dabei bewenden lassen. Mit Leuten, die lieber wieder einen Reichs- statt einen Bundeskanzler hätten, ist diskutieren meist ohnehin zwecklos.
Ein offener Brief
Sehr geehrter Herr 48,50 Euro die Stunde Yachtmotoren-Experte,
vielleicht erinnern Sie sich noch daran, dass Sie auf meiner Yacht einen neuen Motor samt Welle und Wellendichtung eingebaut haben. Dass Sie die Schrauben des Motorfundaments
nicht richtig angezogen haben, und sich der Motor fast selbstständig gemacht hätte, sei Ihnen nachgesehen. Ich habe es gerade noch rechtzeitig gemerkt und mit einem 24er
Schlüssel war das Problem schnell behoben. Ich möchte mir jedoch den Rat erlauben, dass Sie in Zukunft, wenn Sie eine Wellendichtung einbauen, die Anleitung zu Rate ziehen.
Hätten Sie dies in meinem Fall getan, hätten Sie sicherlich nicht auf die Montage einer kleinen, aber dringend notwendigen Schlauchschelle verzichtet. Dies wiederum hätte
verhindert, dass mein Boot um Haaresbreite untergegangen wäre.
Mit freundlichen Grüßen UR
Geschäftstüchtigkeit 1.0 beta
Anruf bei einem weltbekannten Segelmacher:
„Guten Tag, ich rufe wegen eines neuen Vorsegels für meine 40 Fuß Fahrtenyacht an.
Können Sie mich mit jemandem verbinden, der mich diesbezüglich beraten kann?“
“Im Moment leider nicht. Ich notiere mir gerne Ihre Nummer. Wir rufen Sie dann umgehend zurück.“
Nach drei Wochen ohne Rückruf werde ich den Verdacht nicht los, dass man in dieser Firma nicht wirklich Interesse daran hat, Geld zu verdienen. Lieber gibt man dort Geld für teure Werbung aus, um zumindest den Eindruck zu erwecken, dass man an neuen Kunden interessiert ist.
Heile Welt
Wassersportjournalismus ist Kuscheljournalismus. Die kritische Reflexion von Wirklichkeit ist
in diesem Metier so selten, wie der Verzicht auf Titten, Tote und Tränen im Boulevardbereich. Man serviert seinen Lesern im Wesentlichen eine Welt aus Technikträumen, angeblich
bislang unberührten Revieren und einer Prise Freiheit & Abenteuer. Natürlich kann man über Wassersportthemen auch anders berichten. Das wird dann aber nicht in der Segelpresse gedruckt, sondern z.B. im Manager Magazin.
Greenwashing für Doofe
Es ist schon erstaunlich, was Menschen so alles an Behauptungen in die Welt setzen, um in einem guten Licht dazustehen. Da wird in Zusammenhang mit einer Regattakampagne
behauptet, die Rennyacht würde ihre Rennen "absolut umweltneutral" bestreiten, weil eine Methanol-Brennstoffzelle an Bord die Stromversorgung sicherstellt. Dabei wird der
Energieverbrauch des Gesamtprojekts, der bilanziert mehrere hunderttausend Kilowattstunden betragen dürfte (siehe: Graue Energie), und der mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit aus fossilen Energieträgern bestritten wird, genauso stillschweigend übersehen, wie der Umstand, dass es wohl grundsätzlich keine menschliche Aktivität gibt, die das Prädikat “absolut umweltneutral” für sich in Anspruch nehmen kann. Gar
nicht davon zu reden, dass eine mit Methanol betriebene Brennstoffzelle auch CO2 abgibt (siehe hier) und dass Methanol auch nicht von Himmel fällt, sondern vorwiegend aus Erdgas erzeugt wird.
Egal mit wie vielen Solarzellen, Windgeneratoren oder Brennstoffzellen eine Yacht ausgestattet ist: Segeln ist und bleibt alles andere als “absolut umweltneutral”.
Um deutlich zum machen, wie wenig umweltfreundlich der Segelsport ist, möchte ich mich selber an den Pranger stellen und meine sicher nicht unrepresäntative “Umweltbilanz” des
ersten Segelwochenendes in diesem Jahr auflisten:
Tief gesunken
Mein Boot habe ich mit der Information gekauft, dass es so um die 8,5 Tonnen wiegt. Nach
dem Umbau und dem Wechsel des Kiels bin ich davon ausgegangen, dass das Gewicht ca. 8 Tonnen beträgt. Umso erstaunter war ich, als FANFAN! im Travellift hing und mir der
Hafenmeister mit Blick auf die Hydraulikanzeige mitteilte, dass das Boot rund 9,8 Tonnen wiegen würde. "Kann nicht sein, glaube ich nicht." war mein Kommentar. Ruhe hat mir das
Thema allerdings nicht mehr gelassen. So habe ich mich an den Konstrukteur gewandt, dessen Computer unter Berücksichtigung der Schwimmwasserlinie ein Gewicht von 9.630
Kilogramm ausgeworfen hat. Selbst wenn man den Inhalt von Backskisten, Staufächern und Tanks abzieht, wird man wohl nicht viel unter 9 Tonnen kommen. Interessant, dass in den ursprünglichen Bauplänen von FANFAN! ein Gewicht von 6,6 Tonnen ausgewiesen ist. Ich
bin mir recht sicher, dass mein Boot keine Ausnahme ist. Würde man sich im Rahmen der Produktvorstellungen Bootstests in der Fachpresse die Mühe machen, die Testobjekte zu
wiegen, kämen sicher regelmäßig solche Diskrepanzen zwischen (Konstrukteurs-) Wunsch und Wirklichkeit zutage.
Uwe, das Krümelmonster
Gut 17 Jahre nach unserem letzten gemeinsamen Törn fand ein ehemaliger Skipper von mir,
dass es an der Zeit ist, mit mir abzurechnen. Auf zwei Schreibmaschinenseiten muss ich mir allerlei Unhöflichkeiten vorhalten lassen. In einem Punkt muss ich dem Mann recht geben: Ja,
es stimmt, ich habe ihm die Schokokekse weggegessen. Alle. Restlos weggeputzt. Und es tut mir heute so wenig leid, wie damals.
Werbisch IV
Aus einem Werbetext für eine 38 Fuß GfK Yacht:
„… [die Yacht] vermittelt dem Steuermann und seiner Crew ein überzeugtes Gefühl der Sicherheit, Kontrolle und des Komforts während der Navigation unter allen möglichen See- und Windverhältnissen.“
Sicherheit, Komfort und Kontrolle unter “allen möglichen See- und Windverhältnissen”? Ja, nee - is´ klar. Sicher auch unter diesen Bedingungen. Gaaaanz bestimmt.
Daumen drücken II
Wenn ein ausgewiesen guter Segler mit einem wettbewerbsfähigen Boot bei einer Einhand
-Transatlantikregatta an den Start geht, ist dies zunächst nichts Besonderes. Wenn dieser Segler aber aus Deutschland kommt, dann wird die Sache ungewöhnlich. Hier klicken und dann die Daumen drücken!
Nachtrag:
Mit dem zweiten Platz hat Boris Herrmann den aus deutscher Sicht größten Erfolg bei einem Transatlantikrennen ersegelt. Eine tolle Leistung!
Blut
Wer die Frage beantwortet haben möchte, wie man Blut aus den Segeln entfernen kann, sollte hier klicken.
Ein gutes Geschäft
Auf einem Flohmarkt habe ich für mein Boot einen 20 Liter Treibstoffkanister gekauft. Es
waren noch 6 Liter Sprit drin. Bei den derzeitigen Dieselpreisen waren 5 Euro für das Ding nicht wirklich viel Geld.
Alles Schick
Serienjachten aus GfK bieten von außen meist ein uniformes Erscheinungsbild. Das Interieur
mancher dieser Yachten steht gar in Verdacht Augenkrebs zu verursachen. Eine spannende Ausnahme ist die Bestewind 50. Der erste Eigner von FANFAN! hat sich diese Yacht bestellt.
Hätte ich nicht schon das beste Boot der Welt, wäre ich echt neidisch.
Segeln rockt
Die Socken-Revolution
Aus einem Katalog für Seglerzubehör:
„Die wadenhohe HiTech-Socke aus hoch atmungsaktivem CoolMax ist speziell für das Tragen in Stiefeln entwickelt. Die integrierte Safety Cross-Bandage stützt und schont Knöchel, Achillesferse und Gelenk. Empfindliche Bereiche wie Schienbein, Wade und Rist werden zusätzlich mit Protektoren geschützt. Die innovative Profilfaser, Kühlrippen und ein Ventilationssystem halten die Füße jederzeit trocken.“
Aber es bleiben Fragen. Warum machen diese Socken das Boot nicht schneller? Warum kann man mit ihnen nicht übers Wasser laufen? Warum braucht man mit diesen Dingern überhaupt noch Schuhe?
Die Zeiten ändern sich nicht:
Aus „Yachtbau und Yachtsegeln“ aus dem Jahr 1910:
„Die Segelei auf dem Greifswalder Bodden ist von intimem Reiz, und es belohnt sich wohl, der Insel Ruden und Vilm, die beide durch herrlichen alten Baumbestand ausgezeichnet sind und in deren Nähe man stets geschützte Ankerplätze findet, sowie dem idyllischen Eldena, der Hafenvorstadt von Greifswald, einen Besuch abzustatten.”
Die Zeiten ändern sich:
Aus „Yachtbau und Yachtsegeln“ aus dem Jahr 1910:
„Als besondere Reffvorrichtung eines Vorsegels sei noch die Rouleaux- oder Rollfock erwähnt, eine seglerische Spielerei, die zwar ein verblüffend schnelles Wechseln der Vorsegelfläche bewirkt, aber der seemännischen Brauchbarkeit völlig entbehrt. Sie findet auch nur noch selten und dann bei kleinen Booten Verwendung. Ueber das Vorsegelfall, dass zu diesem Zwecke aus dünnem Stahldraht besteht, ist eine hohle Spiere gestreift, die an ihrem unteren Ende eine feste Scheibe hat, auf der eine starke Leine aufgewickelt ist, die nach hinten ins Cockpit fährt. An der hohlen Spiere ist das Vorsegel angeschlagen, das sich auf diese aufrollt, sobald man sie durch ziehen an der Leine in Drehung versetzt. Es wird hieraus klar, dass man die Größe des Segels beliebig ändern kann, es erhellt aber ferner, dass man das Vorliek infolge des Gewichts der Spiere nicht steifsetzen kann, dass der Schwerpunkt der kleinen Segelfläche zu hoch liegt, und dass das Bergen und das Unterbringen des Ganzen seine Schwierigkeiten hat.“
Ein gutes Gefühl
Es ist nur zu menschlich, dass die meisten von uns das Bedürfnis haben, auf der richtigen
Seite stehen zu wollen. Ich bin gut, die anderen sind die Umweltsünder, die Klimaverbrecher, die Energieverschwender. Das Gefühl, das man beim Kauf einer Energiesparlampe hat, ist
dann bisweilen so gut, dass man im Anschluss ohne Gewissensbisse zum Tauchen auf die Malediven fliegen kann. Schön auch, wenn man das richtige, sprich umweltfreundliche, Hobby
hat. Segeln soll in dieser Beziehung ja besonders hervorstechen, schließlich ist man nur mit der Kraft des Windes unterwegs. „Grüner als im Segelboot kann man längere Strecken nicht zurücklegen.“ konnte ich in einer Segelzeitschrift lesen. Wem das jetzt zu schön, um wahr zu
sein klingt, der hat leider recht. Im Vergleich zu Bahn, Flugzeug oder Auto dürfte das Segelboot in Bezug auf Umweltfreundlichkeit weit hinten liegen. Es ist nämlich eine sehr
verkürzte Sichtweise, nur den unmittelbar zur Fortbewegung genutzten Primärenergiebedarf zu betrachten. Der ist beim Segeln in der Tat gering. Vielmehr ist der kumulierte Energieaufwand zu betrachten. Dass heißt, dass auch die Energie zu berücksichtigen ist, die
für die Produktion und Wartung des Verkehrsmittels benötigt wurde. Dabei lässt der Preis einer Ware (Yacht) oder Dienstleistung (Wartung) einen Rückschluss auf die dafür
verbrauchte Energie zu. Für eine 300.000 Euro teure Yacht ist mit einiger Sicherheit ein Vielfaches der Energie verbraucht worden, die für die Produktion eines 20.000 Euro teuren
Autos benötigt wurde. Unter dem Gesichtspunkt der Energieeffizienz pro zurückgelegtem Kilometer wird das Auto daher wahrscheinlich immer besser als die Segelyacht abschneiden, um nur einen Aspekt der Ökobilanz einer Yacht zu nennen. Die angebliche
Umweltfreundlichkeit des Segelsports ist eine Mär, mit der wir alle gut leben können, weil es unserem Sport ein sauberes Image gibt. Wer es mit dem Umweltschutz wirklich ernst meint,
sollte den Segelsport an den Nagel hängen und lieber Federball im Garten spielen.
Hands up!
Es gibt Dinge, um die man sich keine Sorgen machen muss, wenn man in Skandinavien segelt
(zum Trost für jene, die die Karibik für ein Traumziel halten).
Augen auf!
Dass Frauen, die einhand um die Welt segeln, nicht immer wie Männer aussehen müssen, kann man sich hier anschauen.
Teuro?
Es gehört zum guten Ton darüber zu jammern, dass alles teurer wird und das einem
Yachtsausrüster mit ihren „Apothekenpreisen“ das Geld aus der Tasche ziehen. Bislang gehörte ich auch zu denen, die diese Leier angestimmt haben. Bis ich mir einfach mal zwei
Yachtausrüsterkataloge, einen von 1992 und einen von 2008, vorgenommen und die Preise verglichen habe:
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Motor aus! Aber wie?
Im Herbst war ich als Crew auf der Ostsee unterwegs. Der Skipper bat mich, den Motor
abzustellen. Ich habe den Zündschlüssel auf “OFF” gedreht und auf einen Knopf mit der Aufschrift “Stop” gedrückt. Der Motor gab ein paar äußerst ungesunde Geräusche von sich,
lief aber weiter. Nach einigen Versuchen mit immer dem gleichen Ergebnis, habe ich aufgegeben. Dieselleitung zudrehen? Plastiktüte über den Lufteinsaugstutzen? Ratlosigkeit
bei mir und meinem Skipper. Dann die Erleuchtung (beim Skipper): der Schlüssel muss auf “ON” und dann den Knopf “Stop” drücken. Verstehe ich zwar nicht, klappt aber.
Diebstahl geistigen Eigentums?
Ja, es ist asozial, wenn man ein Segelmagazin im Laden liest und schon von Anfang an nicht
die Absicht hatte, es zu kaufen. Ich habe es trotzdem gemacht. Ich kam mir hinterher ganz schlecht vor. Hätte ich mal die fünf Euro ausgegeben.
Buchtipp
Eines meiner Lieblingsbücher zum Thema Einhandsegeln ist “Sie waren die Ersten” von D.H.
Clarke. Eine schöne Mischung aus Sportgeschichte und Abenteuer, von der es leider keine aktuelle Version gibt. Bei Amazon kann man das Buch gebraucht bekommen.
Keine Ebbe in der Kasse
Zeitschriften erzielen einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen durch Werbung. Je mehr Leser
eine Publikation hat, desto teurer die Werbung. Wer nicht so viele Leser hat, der versucht potentiellen Anzeigenkunden die Schaltung einer Anzeige mit der Behauptung schmackhaft
zu machen, dass die paar Leser, die man hat, Unmengen an Geld verdienen, das sie unbedingt ausgeben wollen. Im Niemandsland zwischen ganz lustig und total hirnverbrannt versucht man im Jahr- Verlag Werbeplatz im Magazin Segeln mit diesem Spruch zu verkaufen. Mit dieser Zielgruppe kann ich mich voll und ganz identifizieren...
Qualitätsjournalismus
Neulich im Radio: “...musste wegen orkanartiger Böen bis Windstärke acht abgesagt werden”.
Der Redakteur war wohl kein Segler.
Infantil?
Um Abenteuer zu erleben, muss man nicht um die Welt segeln. Auf dem heimischen
Wohnzimmertisch können sich auch ziemlich dramatische Geschichten abspielen. Wenn in meiner Familie ein Piratenschatz in Sicherheit gebracht wird, sieht dies so aus.
Reisen
Blauwassersegeln ist für mich mehr, als mit dem "richtigen" Schiff und der "richtigen"
Ausrüstung von A nach B zu segeln und sich am Ankerplatz ein angenehmes Leben zu machen. Fahrtensegeln heißt für mich auf der Suche zu sein. Sich selbst und seine Umwelt zu
hinterfragen, auf Dinge mit anderen Augen zu schauen. Sich selber, andere und anderes neu zu bewerten. Gedanken über das Wesen des Reisens, wie sie in diesem Artikel formuliert wurden, sind sicher lohnender, als sich mit Fragen wie Faltpropeller "ja" oder "nein" zu beschäftigen.
Cui bono?
Immer wieder wird der fehlende Nachwuchs im Segelsport von Vereinsseite,
Interessenverbänden und Fachpresse beklagt. Neulich war ich in einer Skateboardhalle und ich habe mich gefragt, warum man als Jugendlicher mit Segeln eine Sportart cool finden soll, zu der es keine gute Musik und keine Mädchen gibt, die sich für nichts zu Schade sind? Stattdessen muss man sich im Segelverein mit alten Säcken und Vereinsmeierei
herumschlagen und sich auf Marinastegen die Schulmeistereien ergrauter Salzbuckel anhören. Welcher 15-jährige soll dazu Lust haben? Verbände und Vereine fürchten um ihre
Größe und um ihren Bestand, die Yachtindustrie um die Kunden von morgen. Ob Kinder und Jugendliche ihre Freizeit sinnvoll verbringen, dürfte ihnen herzlich egal sein.
Was schert mich mein Geschwätz von gestern
Rainer Schillings ist Chefredakteur der Zeitschrift “Segeln”. Kurz nach dem Start von Wilfried
Erdmann zu seiner nonstop Weltumsegelung im Jahr 2000, schrieb er dazu ein Editorial mit der Überschrift “Kamikaze Törn”. Der Tenor dieses Artikels war, dass Erdmanns Törn
unverantwortlich sei. Nun ist die Zeitschrift “Segeln” Medienpartner der geplanten doppelten nonstop Weltumsegelung von Bernt Lüchtenborg. Diese Reise hält Herr Schillings nun nicht
mehr für unverantwortlich, sondern seglerisch “für das Maß aller Dinge”. Sein Sinneswandel hat mich veranlasst, ihm folgende Mail zu schreiben:
Sehr geehrter Herr Schillings,
erinnern Sie sich noch an Ihr Editorial in der "Segeln" Ausgabe vom September 2000?
Sie haben sich dort mit der nonstop Weltumsegelung von Wilfried Erdmann befasst. Dabei sind Sie mit Herrn Erdmann und seiner Reise hart ins Gericht gegangen. Sie haben u.a.
geschrieben: "Da muss die Frage erlaubt sein, was uns dies [die Reise von Herrn Erdmann] bitte schön bringen soll. Sollen wir lernen, wie man es nicht machen sollte oder wie man
sich bei einem Langzeit- Törn umbringt? Sollen wir erfahren, was seglerischer Masochismus ist? [...] Oder hat Wilfried Erdmann solche profilneurotischen Aktionen nötig?"
Anstatt nonstop um die Welt zu segeln, empfehlen Sie ihm, in Clubs Vorträge über gute Seemannschaft zu halten, statt "das Gegenteil zu praktizieren". Und wenn Sie die Reise
von Herrn Erdmann noch als "Kamikaze-Törn" bezeichnen, fragt man sich, welche eigenen Erfahrungen im Südpolarmeer Sie für ein solches Urteil qualifiziert haben.
Was mich nun wundert ist, wie Sie jetzt über die geplante doppelte Weltumsegelung von Bernt Lüchtenborg - dem ich übrigens beide Daumen drücke - berichten. Nicht nur, dass
Ihr Magazin offensichtlich Medienpartner dieser Reise ist, auch bewerten Sie die Reise von Herrn Lüchtenborg ganz anders, als die von Herrn Erdmann. In dem von Ihnen verfassten
Bericht in Segeln 1/2008 versehen Sie Lüchtenborgs Reisepläne mit Attributen wie "spektakulär", "noch nie dagewesene seglerische Leistung" oder "ambitioniertes Ziel". Das
Ansegeln gegen Wind und Strom im winterlichen Südpolarmeer halten Sie gar "seglerisch für das Maß aller Dinge".
Da liegt natürlich die Frage nahe, wie Sie zu so unterschiedlichen Bewertungen zweier
durchaus vergleichbarer Segelreisen kommen. Man kann nur hoffen, dass es mehr als der Umstand ist, dass die Reise von Herrn Lüchtenborg nun exklusiv von Ihrem Magazin
verwertet wird, statt - wie Erdmanns Reise - vom Mitbewerber "Yacht".
Über eine Antwort, die ich gerne auf meiner Homepage veröffentlichen möchte, würde ich mich freuen.
Leider hat mir Herr Schillings nicht geantwortet. So kann man über die Gründe seines
Meinungswandels nur spekulieren. Vielleicht haben sich seine Maßstäbe, was “gute Seemannschaft” betrifft, in den letzten Jahren geändert. Möglich ist auch, dass sich Herr Schillings einfach an folgende Politiker Juristen Journalistenweisheit gehalten hat: “Richtig ist,
was mir nützt.” Bei so viel Verlogenheit Opportunismus Flexibilität wären Herrn Schillings Talente statt bei einer kleinen Segelzeitschrift dann sicher hier viel besser aufgehoben.
PS:
So kann es gehen, Herr Schillings ist inzwischen nicht mehr Chefredakteur von “Segeln” und der neue Medienpartner von Bernd Lüchtenborg ist nun die Zeitschrift “Yacht”.
PSS:
Die Reise hat leider einen in jeder Hinsicht enttäuschenden Verlauf genommen. Mehr hier.
Der SegelguruTM und der Wundermagnet
Bobby Schenk verdient sein Geld u.a. damit, dass er angehenden Langfahrtseglern in seiner Eigenschaft als Universalexperte seit Jahrzehnten Nützliches, Entbehrliches und
Überflüssiges als "Grundausstattung", "Mindestausstattung" und als "Standard" anpreist. Dass er auch völlig unbrauchbare Produkte empfiehlt, erstaunt allerdings selbst mich. Aber
der Reihe nach:
Nachdem der Meister offensichtlich Probleme mit Mikroorganismen in seinem Bootsdiesel hatte, empfiehlt er seiner Leserschaft in seiner zu Papier gewordenem Essenz aus “Millionen
von Seemeilen”, dem Buch "Blauwassersegeln", sogenannte "Diesel Dekontaminatoren", die durch Magnetkraft die winzigen Störenfriede zerlegen und damit unschädlich machen können
sollen. Das behaupten zumindest die Hersteller und Herr Schenk glaubt dies wohl auch. Er schreibt:
“Später habe ich mir zusätzliche Filter in die Leitung [...] einbauen lassen. [...] Ein Dekontaminator tötet Mikroorganismen im Treibstoff ab, indem er sie starken Magneten aussetzt. [...] Ich kann aufgrund meiner schlechten Erfahrungen nur dazu raten, ebenso zu verfahren [...].”
Ist nicht das angebliche Wirkprinzip dieses “Filters” Grund zur Skepsis? Sollte es einen nicht
wundern, dass es weltweit keinen etablierten Filterhersteller gibt, der ein solches Produkt in seinem Programm hat, sondern nur obskure Klitschen? Müsste ein solches Gerät für
Menschen, die damit in Kontakt kommen, nicht gefährlich sein, wenn es schon Mikroben förmlich zerfetzen soll?
Hätte man nicht jemanden fragen sollen, der sich mit dem Thema auskennt, bevor man
anderen Seglern ein Produkt empfiehlt, das ein paar hundert Euro kostet? So teilte man mir bei Shell Deutschland auf Anfrage mit, dass
“... ein offiziell anerkanntes Verfahren zur Entfernung von organischen Verunreinigungen im Dieselkraftstoff mittels eines Magnetfilters in Deutschland nicht bekannt ist. [...] Die Industrie setzt bei schweren Befällen von organischen Verunreinigungen grundsätzlich Biozide ein.”.
Da mir dies nicht konkret genug war, habe ich den langjährigen Entwicklungschef eines großen Filterherstellers um eine kurze Stellungnahme gebeten. Er schrieb mir Folgendes:
“...derartige Filter sind mir bekannt. Die Wirksamkeit konnte jedoch noch nie nachgewiesen werden. Der Einfluß von niederfrequenten Magnetfeldern auf den Organismus (auch Einzeller) ist so gering, dass selbst bei der Kernspintomographie [...] keine Beeinflussung feststellbar ist. Hier sollen dann auch noch Permanentmagnete verwendet werden, bei denen überhaupt kein Effekt auftritt (selbst stärkste Neodym Magnete erreichen nur geringe Tesla Werte). [...] Dieses Thema taucht immer wieder auf, hat aber keinen wissenschaftlichen Hintergrund.”
Da wundert es nicht, dass in der Zeitschrift “Motorboats Monthly” ( 11/2002 S. 60 ff.) zwei
dieser Wunderfilter mit dem Ergebnis getestet wurden, dass sie praktisch wirkungslos sind (stattdessen wird das Biozid Grotamar 71 empfohlen). Und auch die Zeitschrift Segeln hat in
Heft 3/2009 in einem Test dem WMMT Magnetfilter völlige Wirkungslosigkeit gegen Mikroorganismen bescheinigt.
Was im Übrigen von Magnet-Kraftstoffbeeinflussern zu halten ist, kann man hier und hier
nachlesen. Das Ergebnis nehme ich gerne vorweg, es lautet: NICHTS.
Und damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde nur an Herrn Schenk herumnörgeln, möchte
ich ihm voll und ganz zustimmen, wenn er auf Seite 206 des genannten Buches schreibt: “Es gibt Yachtsleute, die nicht unbedingt die richtigen Ratgeber sind [...]”
Dem ist nichts hinzuzufügen. Mehr zum Thema Dieselpest hier.
Umweltverschmutzung kann Leben retten!
Stellen Sie sich vor, Sie stranden auf einer einsamen Insel im Pazifik. Nach spätestens einem Monat wird das Leben dort sterbenslangweilig und Sie wollen weg. Aber wie? Dank des
Umstandes, dass auf den Meeren Unmengen an Plastikmüll herumdriften, die tonnenweise auch an die entlegensten Strände gespült werden, sind Sie schon so gut wie gerettet!
So geht es: Sammeln Sie zunächst ca. 1.000 Plastikflaschen (dürfte an einem Tag zu schaffen sein). Dann schleppen Sie ein altes Fischernetz herbei. Schließlich tragen Sie noch ein paar
Bretter und einen Berg Kokosnüsse als Proviant zusammen. Dann nehmen Sie den Ausdruck dieses Fotos und bauen das darauf abgebildete (so gut wie unsinkbare!) Boot zusammen.
Kokosnüsse rein, Boot ins Wasser schieben, einsteigen und dann hoffen, dass Sie irgendwo angetrieben werden, wo es nicht so einsam ist, wie auf der Insel, von der Sie kommen.
Patriotismus in der Hauptstadt
Eine der Windfahnen meiner Selbststeueranlage wollte ich in Anlehnung an die Bundesflagge
in den Farben schwarz, rot und gelb gestalten. Das Ganze sollte dann ungefähr so aussehen. In einem Modellbauladen im Ostteil unserer Hauptstadt wollte ich mir dafür entsprechende Klebefolie kaufen:
"Guten Tag, ich brauche je einen Meter selbstklebender Folie in den Farben schwarz, rot und gelb."
"Wollnse jemanden damit provozieren, oder was?"
"Danke, hat sich erledigt."
Wenn alles zusammen kommt
Kein Motor, kein Wind, kein Anker, kein Glück, keine Rettung. So sieht das dann aus.
Verschollen
Tim Weltermann hatte einen Traum. Er wollte den Atlantik im Kajak überqueren. Er ist
gestartet, aber nie angekommen. Unsere Mütter kennen sich. Ich muss oft an ihn denken, denn sein Schicksal hätte meines sein können. Mehr hier.
Nutzlos und schön
Es gibt Dinge, die an Schönheit gewinnen, je nutzloser sie werden. Wie zum Beispiel dieses Schiffschronometer.
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Nonstop Japan-Japan
Seit der ersten nonstop Weltumsegelung vor rund 40 Jahren haben - aus der Hüfte
geschossen - vielleicht 80 Segler die Welt einhand und nonstop umrundet. Jemand, der in den einschlägigen Listen fast immer vergessen wird, ist die Japanerin Kyoko Imakiire. Von
1991 bis 1992 ist sie mit einem 35 Fuß Boot nonstop von Japan nach Japan gesegelt.
Gift?
Neulich habe ich meinen Faltpropeller mit der Drahtbürste von Antifoulingresten befreit. Nach
kurzer Zeit lief meine Nase, dann tränten die Augen und schließlich hatte ich ein ekelhaft taubes Gefühl im Mund. Hätte ich geahnt, dass Seepockennährgrund auch ein wirkungsloses
Antifouling zumindest für Menschen noch giftig ist, hätte ich mir vorher eine Staubmaske aufgesetzt.
Geiz ist so lala
Neulich habe ich im Baumarkt (ja, Baumarkt) diesen Repeater auf dem Grabbeltisch liegen sehen. Heruntergesetzt von 328 auf 70 Euro. 258 Euro billiger! Wow! Leider hat dann mein
Verstand ausgesetzt, denn ich habe mir dieses Gerät gekauft. Zuhause angekommen ist mir aufgegangen, dass ich das Ding aus Platzgründen gar nicht im Cockpit montieren kann.
Einstellen bei Ebay oder warten auf eine Yacht mit einem größeren Cockpit ist jetzt die Frage.
Werbisch III
Eine deutsche Werft preist eine ihrer Yachten als “performance- orientierten Luxuscruiser” an.
Der Praktikant des Praktikanten des Creative Directors war sicher sehr, sehr stolz auf seinen Einfall. Schließlich muss man sich in Zeiten, in denen jede Yacht als schnell und komfortabel
angepriesen wird, schon was einfallen lassen.
Ein Haufen Helden
Genau 89 (kleine) Helden, von denen fast alle ihr Ziel erreicht haben, finden sich auf dieser Liste. Man kann die persönlichen Opfer, die jeder dieser Menschen gebracht hat, um an den Start und nach Brasilien zu kommen, nur erahnen. Tolle Leistung.
Nur Pilze wirken besser
In der Zeitschrift ADAC Motorwelt (11/07) gibt es einen interessanten Artikel zum Thema
übermüdet Auto fahren. Ein Wissenschaftler wird dort mit “24 Stunden ohne Schlaf wirken wie 1,0 Promille [Alkohol im Blut]” zitiert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich nach
einem ganz langen Tag und einer ganz langen Nacht der Überzeugung war, mein Boot würde rückwärts segeln. Solche Effekte bekommt man mit Alkohol nicht so einfach hin.
Und noch mal Barometer...
In einer Segelzeitschrift habe ich im Rahmen eines Tests von Barographen gelesen, dass ein
Druckabfall von 5 hPa pro Minute (ja richtig gelesen pro Minute) einen Hurrikan ankündigen könne. Ich habe keine Ahnung, ob der Druck tatsächlich so schnell fallen kann (50 hPa in 10
Minuten??). Wenn ja, dann dürfte zu diesem Zeitpunkt ein Blick auf das Weltuntergangsszenario draußen weit aussagekräftiger sein, als ein Blick auf die
Barographenkurve. Etwas differenziertere Angaben zum Thema Hurrikan und Luftdruck findet man im in den Monatskarten des BSH. Dort heißt es:
Mit Annäherung des Sturms beginnt der Luftdruck zu fallen, und die tägliche Doppelwelle [Anmerkung: Tagesgang des Luftdrucks] wird unterdrückt. Diese Störung im Tagesrhythmus kann 1 bis 3 Tage, mitunter aber erst 3 bis 12 Stunden vor Eintreffen des Unwetters einsetzen.
Man muss also damit rechnen, dass man eine Vorwarnzeit von 3 Stunden (in Worten: drei) hat. Wer sich unter diesen Vorzeichen auf sein Barometer verlässt, hat schlechte Karten, sich noch in Sicherheit bringen zu können. Vielleicht wäre das Geld für einen Barographen besser anderweitig angelegt (z.B. in einem Wetterfax). Mehr zu meinen Zweifeln was das Thema Barometer betrifft, gibt es hier.
Ich hab´da mal ein paar Fragen...
Für das Magazin des Trans-Ocean Vereins habe ich mit Wolfgang Quix, Deutschlands
erfolgreichstem Einhand-Regattasegler, ein Interview geführt. Hier klicken für mehr.
Unter den Wolken
Außenaufnahmen von der eigenen Yacht sind schwierig zu bekommen. Wer gar
Luftaufnahmen haben möchte, braucht dafür ein Flugzeug oder einen Hubschrauber. Oder einen kleinen Drachen. Wie es aussieht, wenn man seine Yacht von einem Drachen aus filmt, kann man hier bei Youtube sehen. Geniale Idee. Wenn ich Zeit habe, werde ich das auch mal ausprobieren und zwar mit dieser Kamera.
Experten unter sich*
Wir alle kennen das: Man fragt drei Experten und bekommt fünf unterschiedliche Meinungen. Dass so etwas auch in den besten Familien vorkommen kann, zeigt uns das Ehepaar Schenk.
Carla Schenk, von ihrem Mann Bobby fälschlicherweise zu “Deutschlands erfahrendster Seglerin“ und “Cap Horniere” hochgejubelt, hat eine Liste geschrieben, in der sie die Vorteile
eines Katamarans gegenüber einem Einrumpfboot benennt. Dort liest man u.a.:
“Trockenfallen ist unkomplizierter als beim Mono und vor allem sicherer.”
Und was meint „SeglerpapstTM“ Bobby dazu?
„In einem Punkt hat mich der Kauf eines Katamarans enttäuscht. Einer der angeblichen Vorteile solcher Schiffe ist das "leichte Trockenfallen" (neudeutsch "beachen"), also das ganz bequeme Herankommen an das Unterwasserschiff. Fehlanzeige! Jedenfalls würde ich mich bei diesem kurzen ("modernen") Kiel nicht trauen, das mit meinem Kat auszuprobieren. Obwohl mir einige "Insider" schon versichert hatten, dass dies ohne weiters gehen würde. Aber es ist ja auch nicht ihr Schiff, das dann nach vorne oder hinten auf die Ruder kippt!“
Aber auch zum Thema Geschwindigkeit eines Kats hat „Deutschlands erfahrendste Seglerin“ eine Meinung:
“Ein Kat ist schneller, das verkürzt die Reisedauer.”
Hätte sie mal ihren Mann gefragt. Der schreibt zu diesem Thema über die Erfahrungen mit seinem Katamaran:
„Die erzielten Etmale lagen im Normalfall nicht wesentlich höher als wir sie mit unserer früheren 48-Fuß-Stahlyacht THALASSA II auch gesegelt hätten.“
Frau Schenk hält auch den geringen Tiefgang eines Kats für einen Vorteil. Sie schreibt:
“Auf Grund des geringeren Tiefgangs kann näher am Ufer geankert werden, sodass man die wenigen Meter zum Land rudern kann und sich den Außenborder spart.“
Vom dichten Ankern unter Land hält ihr Göttergatte allerdings wenig. Er meint:
“Ebenso unverzichtbar ist ein vernünftiger Außenborder. Man wird ohne ihn, nur mit Riemen ausgerüstet, immer danach trachten, möglichst nahe am Ufer zu ankern, meistens also nicht am sichersten Platz!”
Tja, und ich als kleiner Segeldummie bin nun echt verunsichert und frage mich, wie so viel
geballte und noch dazu verheiratete Segelkompetenz zu so unterschiedlichen Meinungen kommen kann.
Wer jetzt nach dem ultimativen Argument für einen Katamaran sucht, wird bei Herrn Schenk
natürlich auch fündig. Mit folgenden Worten, die den Leser in erkenntnistheoretische Grenzbereiche führen, begründet der Meister seine Entscheidung für zwei Rümpfe so:
“Weil ein Katamaran, wenn er so sicher wie die Yachten von Jeantot ist, einfach das ideale Fahrtenschiff in letzter Logik darstellt. Schließlich hat der Segler zwei Beine, zwei Hände, zwei Augen. Warum nicht zwei Rümpfe?”
Und ich Trottel habe mir ein Einrumpfboot gekauft, weil ich eine Nase, einen Bauchnabel und eine Leber habe....
* Dieser Beitrag entstand mit Informationen aus www.bobbyschenk.de, dem Buch “Transatlantik in die Sonne”, einem
Werbeprospekt der Firma “Ecker” und Yacht 18/2006
Werbisch II: Kompromissloser Cruiser-Racer
In einer Anzeige versucht eine nicht unbekannte deutsche Werft eine ihrer Yachten als „kompromisslosen Cruiser-Racer“ an den Mann zu bringen. Moment mal: Ist ein Cruiser-Racer
per Definition nicht ein Kompromiss aus einem Regattaboot (schnell) und einer Fahrtenjacht (komfortabel)? Haben wir es bei dieser Yacht also mit einem kompromisslosen Kompromiss zu tun?
PR-Deutsch
In einem PR-Text über den Hamburger Hafen ist Folgendes zu lesen (Hervorhebung von mir):
"Wirtschaftliches Denken und Flexibilität bestimmen heute das Alltagsgeschäft."
Und früher? War da das Alltagsgeschäft im Hafen etwa von unwirtschaftlichem Denken und Unflexibilität geprägt?
Mal ´ne Frage:
Warum gibt es in Deutschland eigentlich berühmte Fliegerinnen wie Elly Beinhorn und Hanna Reitsch, aber keine berühmten Seglerinnen? Liegt es etwa an den Männern?
Musik ist grenzenlos
Kennen Sie auch, dass Sie bestimmte Musiktitel mit Ereignissen aus ihrem Leben vernküpfen
? Das Erste, was ich von der Südsee auf meiner Weltumsegelung mitbekommen habe, war dieses Lied im Radio. Immer, wenn ich jetzt Südseemusik höre, tauchen vor meinem inneren Auge die grünen Berge von Rarotonga auf. Schon seltsam.
Warum ich ein Fan von Wilfried Erdmann bin:
Weil er die lebende Antithese zum von der Zubehörindustrie und Fachpresse inszenierten Ausrüstungswahn ist.
Letztes Abenteuer?
Ab und zu ließt man den Satz „eines der letzten Abenteuer“, wenn es um das Thema
Weltumsegelung geht. Naja. Ich glaube, dass diese Männer und Frauen nach ihren Reisen
mehr zu erzählen haben, als die meisten Weltumsegler.
Welche?
Angenommen, Sie hätten vor 10 Jahren eine Yacht für eine Weltumsegelung gesucht. Für welche Yacht hätten Sie sich entschieden?
Werbisch
Eine Anzeige für eine Yacht der Oberklasse ziert folgende Überschrift: “Die elegante
Herausforderung, auch in der Freizeit anderen voraus zu sein.”
Alleine dieser Spruch wäre für mich Grund genug, diese Yacht nicht zu kaufen.
Wer hat das geschrieben?
Kritische Berichterstattung ist im Wassersportjournalismus selten. Verständlich, denn die
Akteure in dieser kleinen Welt kennen sich und sind wirtschaftlich oft miteinander verbunden. Wenn auf jemanden eingedroschen wird, dann ist er entweder weit weg, pleite, oder es
handelt sich um eine Behörde. Schön, dass es das Internet gibt. Schön, dass es Wikipedia gibt. Denn dort kann man Dinge lesen, die man gedruckt wohl kaum erwerben könnte. Wie zum Beispiel diese Abrechnung mit dem Schlimbach-Preis, dem Kieler Yachtclub und dem Segel-Establishment. Die Frage ist nur, ob eine Enzyklopädie der richtige Ort für solche Artikel ist.
Keine Nachhilfe bitte!
In einer E-Mail teilte mir der Hersteller einer Windselbststeueranlage mit, dass er von mir
keine Nachhilfe in Sachen Umgang mit seinen Kunden benötigt. Dabei hatte ich ihm nur vorgeschlagen, alle Kunden eines bestimmten von ihm verkauften Typs darüber zu
informieren, dass das Vertrauen, das sie in ihre Anlage haben, nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Immerhin ist bei allen Besitzern dieser Anlage, die ich kenne (sechs an der Zahl), der
gleiche (Total-) Schaden aufgetreten. Ein weiterer Besitzer dieser Anlage schrieb mir, dass seine Steuerung gleich drei mal den selben Schaden hatte.
Die Betroffenen machen einen Konstruktionsfehler dafür verantwortlich. Der Hersteller räumt dies zum Teil ein, nennt aber vor allem eine falsche Montage als Ursache. Ich kann die Frage
nach der Ursache nicht beurteilen. Ich will auch niemandem Nachhilfe erteilen. Ich würde es halt nur gut finden, wenn Segler nicht mit einem möglicherweise mangelhaften Produkt auf
große Fahrt gehen. Der Hersteller aus Hamburg scheint da anderer Meinung zu sein...
5 Kilogramm Transatlantik
Überquerungen des Nordatlantiks als Brückenschlag zwischen "Alter" und "Neuer" Welt waren schon immer etwas Besonderes. Eine Atlantiküberquerung, die mich besonders
beeindruckt hat, wurde nicht etwa mit einer Yacht gemacht, sondern mit einem Modellflugzeug. Dem US-Amerikaner Maynard Hill und seinem Team ist es gelungen, ein nur 5
KG schweres Modellflugzeug von Neufundlaund nach Irland fliegen zu lassen. Über 3.030 Kilometer hat das Modell "TAM 5" nur 2,7 Liter Sprit in 38,5 Stunden verbraucht. Eine
unglaubliche Leistung. Hut ab. Dennoch hoffe ich, dass in Zukunft nicht ständig kleine, gelbe Modellflugzeuge mit der Aufschrift "DHL" über die Ozeane knattern.
Schnecke auf der Autobahn
Auf der Website des Schilfbootes Abora III findet sich folgender Tagebucheintrag:
„Segeln ist ein bisschen wie Schachspielen. Winde, Kurse, Strömungen und Wetterveränderungen müssen rechtzeitig erkannt und vorausschauend bewältigt werden. Dies gilt erst recht, wenn man mit einem Schiff aus Schilf ohne Motor auf dem Atlantik unterwegs ist.“
Klingt schlau, ist aber dumm. Denn sich auf einem 0,5 bis 1,5 Knoten schnellen Schilfboot Gedanken über Segeltaktik zu machen, ist in etwa so Erfolg versprechend, wie wenn eine Schnecke sich überlegt, wie sie am besten eine Autobahn überqueren kann. Nicht weniger erheiternd ist dieser Eintrag (Hervorhebung von mir, Rechtschreibfehler nicht):
[...]Weiterhin wurden Atlantiküberquerungen nicht in einem einzelnen Schilfboot gemeistert sondern immer in Gruppen. Genaue Zahlen wieviel Boote gestartet sind und wieviele tatsächlich ihr Ziel erreichten liegen nicht vor.
Aha. Satz eins ist eine Behauptung, für die es meines Wissens nach nicht einmal ein Indiz
gibt. Satz zwei suggeriert, dass man es zwar weiß, leider nicht so genau, aber ungefähr schon. Tatsächlich gibt es nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür ob, und wenn ja, in wie
großen Gruppen die Schilfboote gesegelt sind. Das ist Gaga-Wissenschaft á la Erich von Däniken. Wer je versucht hat, mit anderen Yachten über längere Strecken und vielleicht
sogar über Nacht in einer Gruppe zu segeln, wird sich ohnehin fragen, wie eine Gruppe von schwer bis kaum manövrierbaren Schilfbooten zusammen den Atlantik überquert haben soll.
Ein paar Worte zu der Schilfbootreise von Herrn Görlitz konnte ich übrigens beim Nachrichtensender N24 äußern (Video hier).
Frauenpower
Großer Wannsee, Berlin. Ein heißer Sommertag. Hunderte Boote und Yachten sind unterwegs
. Männer stehen am Ruder, Frauen sonnen sich auf den Vorschiffen. Alice Schwarzer, bitte übernehmen Sie!
Weiß und frei
Die Welt zu umsegeln, ist (leider) das Privileg weißer Männer und Frauen aus westlich
geprägten Industrieländern. So findet man Schwarze oder Araber man auf den Ankerplätzen der Welt auf Blauwasseryachten praktisch nicht. Aber es gibt Ausnahmen. Die Japaner
Kenichi Horie und Minoru Saito haben ihren Teil zur Geschichte des Einhandsegelns beigetragen. Mehr zu Horie gibt es hier, mehr zu Saito hier.
Pimp your Lebenslauf
Tim Kröger ist ein für deutsche Verhältnisse erfolgreicher Segler. Manche halten ihn sogar für einen der größten Segler aller Zeiten. Sein seglerischer Lebenslauf liest sich beeindruckend. Sehr beeindruckend sogar. Auf der Seite seines aktuellen Teams Shosholoza steht Folgendes in seiner Vita:
Das kleine, unauffällige Wort "DNF" steht dabei für “Did Not Finish” und umschreibt den Umstand, dass das Boot von Herrn Kröger wegen technischer Probleme das Rennen schon im Atlantik nach rund zwei Wochen aufgegeben hat. Dass dieses Kürzel für Missverständnisse gut ist, konnte man auf der Website des NDR nachlesen, wo man Herrn Kröger gleich noch eine Weltumsegelung angedichtet hat. Zur Vermeidung solcher Missverständnisse hätte man natürlich auch dies hier schreiben können:
„2000/2001: nach zwei Wochen gescheiterter Versuch, die Welt nonstop auf dem Katamaran “Playstation” von Steve Fosset zu umrunden.“
Das Wort "scheitern" klingt nun aber wirklich nicht besonders gut. Viel schlechter jedenfalls als "DNF". Vor allem würden es auch Leute verstehen, die sich mit der Materie nicht so
auskennen.
Noch mehr Potential als “DNF” bietet allerdings das Kürzel “DNS”, das für “Did Not Start”
steht. So könnte ich meinem 08/15 Lebenslauf z.B. mit folgenden Einträgen etwas Glanz verleihen:
Verkauft sich besser
Reiseberichte sind dann besonders interessant, wenn sie von Gegenden handeln, in die sich
bislang nur wenige Menschen verirrt haben. Die Attribute „kaum berührt“, „ursprünglich“ oder „naturbelassen“ machen sich zur Anpreisung solcher Geschichten immer gut. So wurde
der Bericht über eine Reise zum Midway Atoll den Lesern einer Segelzeitschrift von der Redaktion mit folgendem Satz angepriesen: „… vor allem zum entfernten Midway-Atoll, einer
von Menschen bis dato kaum berührten Inselwelt.“
Nun ja. Ich war da und kann sagen, dass das Midway Atoll in etwa so wenig von Menschen berührt ist, wie die Innenstadt von Köln. Das Midway Atoll ist in der Form, in der es heute existiert, praktisch von Menschen gemacht. Dies macht die Insel nicht weniger interessant und exotisch. Im Gegenteil. Nur das dumme Klischee vom unberührten Naturparadies kann
man mit diesen Inseln nicht bedienen.
Post!
Mein Gang zum Briefkasten ist in der Regel unerfreulich. Meist fische ich nur Rechnungen und
Werbung aus dem Fach. Privates gibt es nur noch per E-Mail. Fast jedenfalls. Vor ein paar Tagen gab es Post von den Crozet Inseln. Was habe ich mich gefreut....
Wer kann es mir erklären?
Seit Monaten hoffe ich, dass mir jemand erklärt, wofür ein Barometer an Bord gut sein soll. Mehr dazu hier. Leider konnte oder wollte sich niemand die Mühe machen, mir zu sagen was
ich zu tun habe, wenn der Luftdruck nach unten geht. Ok, ich versuche es noch einmal: Schauen Sie sich bitte diese Grafik an und erklären Sie mir, was Ihnen/mir/uns in der
konkreten Situation ein Barometer genutzt hätte. Echte Experten können sich an dieser Grafik versuchen.
Serienmäßig
Eine werftneue Serienyacht wird meist nur mit einem Großsegel mit zwei Reffs und einem
Rollvorsegel geliefert. Einen Spibaum gibt es selten dazu.
Wenn der Wind platt von achtern kommt oder man z.B. gegen sieben Windstärken
aufkreuzen muss, dann dürfte es mit einer so ausgerüsteten Yacht problematisch werden. Ein Auto, das nur mit drei Gängen angeboten wird, dürfte keine Käufer finden. Warum werden Yachten dann so angeboten?
Daumen drücken!
Dominik Zürrer ist auf dem besten Weg Richtung Startlinie beim Mini-Transat 2007. Es heißt
nicht zu unrecht, dass es schwerer ist, an den Start zu kommen, als über die Ziellinie. Ich drücke die Daumen (und ein bisschen neidisch bin ich auch). Hier klicken für mehr.
Klimawandel
In mein kleines Seglerhirn will einfach nicht hinein, dass die Zunft, die es nicht fertig bringt,
uns das Wetter in drei Tagen mit hinreichender Sicherheit vorherzusagen, in der Lage sein soll, über das Klima in 50 Jahren Aussagen zu machen, die mehr als Spekulation sind.
Alles eine Frage des Standpunktes
Zu dem von mir mitverfassten Bericht über die Vermarktungsmöglichkeiten von Segelreisen
(Yacht Heft 08/2007, "Das Geben der Anderen") schreibt Wilfried Erdmann auf seiner Homepage: "Wahr ist in dem Bericht nicht, dass mit Veröffentlichungen in Zeitschriften, mit
Büchern und Fernsehen keine ordentlichen Honorare rumkommen.".
Ich muss einräumen, dass ich tatsächlich Quatsch geschrieben habe oder zumindest
ungenau war. Korrekterweise hätte ich sinngemäß Folgendes schreiben müssen: "Mit Veröffentlichungen in Zeitschriften, mit Büchern und Fernsehen sind keine ordentlichen Honorare
zu erzielen, wenn man nicht gerade zu den wenigen bekannten Namen in der Szene gehört."
Trottel gesucht
Sind Sie naiv, gutgläubig und dumm? Wollten Sie schon immer eine 3/4 Atlantiküberquerung machen? Ist Ihnen der Unterschied zwischen der Hudson Bay und dem Hudson River egal? Haben Sie 240.000 Euro übrig? Wollen Sie ein paar Spinnern ihren Abenteuerurlaub finanzieren? Ja? Dann wäre diese Reise vielleicht etwas für Sie.
Nur der Papst ist unfehlbar
Mein Lieblingssegelexperte hat eine Segelweisheit verkündet, die mich schwer verunsichert hat. Auf seiner Homepage ist dies hier zu lesen:
“Auf dem Ozean kommt wegen der Dünung und der dadurch erzeugten Rollbewegungen der Yacht
"Schmetterlingsegeln" (Groß und Genua nach entgegengesetzter Seite) nicht in Betracht, zumal der Einsatzbereich beim Schmetterlingssegeln wegen der Abwinde aus dem Groß in die Genua
doch recht gering ist.”
Warum ich verunsichert bin? Nun, in meinen Logbüchern finde ich Einträge, die wie folgt aussehen: “Wind von achtern, Groß und ausgebaumte Genua.” Immer wieder. Im Atlantik, im
Pazifik, im Indischen Ozean, bei 5 Knoten Wind und bei 20 Knoten Wind. Zusammengerechnet über tausende von Meilen. Hätte ich schon vorher gewusst, dass diese Segelführung auf dem offenen Ozean “nicht in Betracht kommt”, hätte ich meine Segel
natürlich anders geführt.
Und wo ich schon einmal dabei bin. Der gleiche “Segelexperte” schreibt in einem anderen
Zusammenhang in der für ihn typischen “so und nicht anders” Diktion Folgendes: “Dass ein Fenderbrett zur Grundausrüstung einer Fahrtenyacht gehört, versteht sich von selbst.”
Hierzu stelle ich fest: Ich hatte nie ein Fenderbrett auf meinem Boot, noch habe ich vor, mir
eines zuzulegen, da ich noch nie eines vermisst habe. Vielleicht versteht es sich eben nicht von selbst, so etwas zu haben. Wäre doch eine Möglichkeit, oder?
An anderer Stelle schreibt dieser Herr auf seiner Homepage: "Eine Langfahrtyacht ist ohne Selbststeueranlage nicht vorstellbar. Diese darf nicht elektrisch sein, weil der Strombedarf von
der einstündigen Laufzeit der Hauptmaschine bei weitem nicht gedeckt werden kann. [....] Denn auf Langfahrten reicht die Batteriekapazität bei weitem nicht, um eine elektrische Selbststeueranlage zu betreiben."
Eine Langfahrtyacht ohne Selbststeueranlage soll also "nicht vorstellbar" sein. Ich würde es auch niemandem empfehlen, ohne eine solche Anlage auf Langfahrt zu gehen. Dass es
zahlreiche Einhand-Weltumsegler gab, die ohne Selbststeueranlage um die Welt gesegelt sind (Slocum, Dumas, Pidgeon, Gerbault usw.), dürfte diese Aussage allerdings als Unsinn entlarven relativieren.
Zudem "darf" nach Ansicht dieses "Experten" die Selbststeueranlage nicht elektrisch betrieben sein. Ganz abgesehen davon, dass ich einige "normale" Weltumsegler kenne, die
mit solchen Anlagen um die Welt gesegelt sind, frage ich mich, wie es dann z.B. dieser Einhandsegler geschafft hat, die Welt mit einem kleinen Serienboot und einem elektrischen
Autopiloten in rund 186 Tagen nonstop zu umrunden.
Vom Ansatz her ist es ja möglicherweise nicht falsch, was uns dieser "Segelexperte" sagen
will. Aber vielleicht sollte jemand diesem Mann einmal erklären, wo die Grenze zwischen einem Ratschlag (“sollte”) und Oberlehrergeschwätz (“darf”) verläuft.
Keine Sau
Auch wenn es wahrscheinlich niemanden interessiert, wie es im Inneren einer Mitsubishi
-Lichtmaschine aussieht, möchte ich der Welt dieses Foto nicht vorenthalten. Es zeigt die beiden Punkte, an die die Kabel meines neuen Ladereglers angelötet werden müssen.
Weder die Anleitung zum Reglereinbau, noch der Service der Herstellerfirma konnten mir helfen. Ohne die Tatkraft eines begnadeten Motorradschraubers würde ich wohl noch heute
vor den Einzelteilen meiner Lichtmaschine sitzen und diese verdammten Lötpunkte suchen. Daher ein Rat: Seien Sie vorsichtig bei elektronischen Geräten, in deren Einbauanleitung plötzlich der Satz “Nicht so schlimm, oder?” auftaucht.
Uwe und der America´s Cup
Ich habe lange überlegt, warum ich mit dem America´s Cup nichts anfangen kann. Ein Zitat,
das dem Cup Gewinner von 1992 Bill Koch zugeschrieben wird, bringt es für mich auf den Punkt: “The America´s Cup is a race of management, money, technology, teamwork and, last and incidently, sailing."
Keine Frage, beim AC werden technische, sportliche und logistische Höchstleistungen vollbracht. Gemessen an der Aufgabenstellung gibt es wahrscheinlich keine Sparte des
Segelsports, in der perfekter, d.h. so nah am Optimum gesegelt wird.
Doch wird diese Veranstaltung von den Egos einiger reicher Männer und deren
Marketingabteilungen bestimmt. Kämen die Marketingexperten zu dem Schluss, dass man die Werbewirksamkeit der Veranstaltung dadurch steigern könnte, dass alle Segler mit roten
Clownsnasen herumlaufen würden, dann würde halt mit Clownsnasen gesegelt.
Weil die Haupt- zur Nebensache geworden ist, findet der Cup ohne meine Aufmerksamkeit statt. Er wird es sicher überleben...
Und würde ich nicht im Glashaus sitzen, würde ich mich fragen, ob man die vielen 100 Millionen Euro für den Cup nicht sinnvoller ausgeben könnte.
Eins, zwei, drei...meins!
Antiquarische Bücher zum Thema Segelsport sind bei Ebay oft für ein paar Euro zu haben. Ich
habe dort Bücher von Rose, Voss und Hiscock für jeweils unter 10 Euro gekauft. Drei Übersichtskarten von 1875 haben mich dort zusammen gerade mal 8,50 Euro gekostet. Hier die Scans der Karten vom Atlantik, Pazifik und vom Indischen Ozean. Wer weiß heute noch,
dass Australien mal Neu Holland hieß, und dass man irgendwo im Südpazifik die Nimrod-Inseln vermutet hat?
Wohin mit der Mülltüte?
Ich glaube, dass ich noch nie einen Bootstest gelesen habe, in denen sich die Tester mit der
Frage beschäftigt haben, ob es auf dem Boot irgendwo ein ordentliches und ausreichend groß bemessenes Fach oder einen Schrank für einen Mülleimer gibt. Ich finde, dass dies eine
ziemlich wichtige Frage ist. Zumindest dann, wenn man sich länger als der durchschnittliche Bootstester auf einer Yacht aufhält. Übrigens: Ich habe auch noch nie einen Bootstest
gelesen, in dem sich die Tester über die Unbenutzbarkeit der Bordtoilette bei 20 Grad Lage beschwert haben.
Durch dick und dünn
Mit den Worten “maritimer Figurschmeichler mit charmant drapierter Streifenführung” wirbt ein
Wassersportkatalog für einen gestreiften Badeanzug. Hätte man mich texten lassen, wäre dort Folgendes gedruckt worden: “Genial! Dieser Streifenbadeanzug macht dicke Mobo-Bräute wieder dünn!”
Anarchie!
Es gibt eine US-amerikanische Website mit dem Namen www.sailinganarchy.com, die sich
vornehmlich mit dem Regattageschehen im englischsprachigen Raum und neuen Yachtentwürfen beschäftigt. Ich habe mich gefragt, was das Wort “Anarchy” und das
entsprechende Anarchie-Logo mit dem Thema dieser Seite zu tun haben. Die Initiatoren der Seite erklären ihren Ansatz sinngemäß so, dass sie eine Plattform für unabhängige und nicht
von kommerziellen Interessen geprägte Berichterstattung bieten wollen. Die Selbstcharakterisierung der Seite schließt mit folgenden Sätzen: “Where the hell else are you
going to have this much freedom to say what you want? After all, that is ultimately what Anarchy is all about.”
Hä? Wenn ich mich richtig an die Zeiten erinnere, in denen ich von einer besseren Welt
geträumt habe, geht es beim Thema Anarchie darum, eine gesellschaftliche Ordnung zu schaffen, die ohne Herrschaftsstrukturen auskommt. Um zu schreiben, dass eine bestimmte
Yacht bescheuert aussieht und schlecht segelt, braucht man keine Anarchie, sondern Rückgrat.
Wortklauberei
Filme, in denen der Held 30 Schüsse aus einem Revolver abgibt ohne nachzuladen, oder in
denen mit ABS ausgestattete Autos mit quietschenden Bremsen halten, kann ich nicht wirklich ernst nehmen. Segelgeschichten, in denen von “Knoten pro Stunde”, “Tagesetmal”
oder “Sturm mit Windstärke sieben” die Rede ist, stehen solchen Filmen nicht viel nach.
Großer Traum und kleines Boot
Geht alles, wie man hier lesen kann (für eine Übersetzung wäre ich übrigens sehr dankbar).
Vom Unterschied zwischen Theorie und Praxis
In dem Buch Seemannschaft (21. Aufl., 1990, S. 206) findet sich zum Thema Sturm folgende Aussage: “Kurzkieler eignen sich wenig oder gar nicht zum Lenzen vor Topp und Takel”. Und
statt unter kleiner Besegelung vor dem Sturm abzulaufen, empfiehlt das Buch “das Segeln gegenan unter Sturmfock”, das sich als “erfolgreiche Sturmtaktik” erwiesen habe. Wer den
genau gegenteiligen Standpunkt lesen will, wird in dem Buch “Segeln mit Wilfried Erdmann”
(1. Aufl. S. 266 ff.) fündig. Jetzt die (natürlich rhetorische) Preisfrage: Wessen Rat sollte man folgen?
Pfui, “Ekel-Spam”!
Bobby Schenk, seines Zeichens Deutschlands führender Segel-Briefkastenonkel, muss ein
Problem mit seinen Leserbriefschreibern haben. Als Einleitung seiner Zuschriftenseite schreibt er: "Post von anonymen Schmierfinken, die sich wie Kriminelle hinter Falschnamen
verstecken, wird als Ekel-Spam ausgefiltert"
Wow! Nicht nur Spam bekommt Herr Schenk, sondern gleich "Ekel-Spam". Spam ist mir ein
Begriff. Der kommt von den Leuten, die meinen Penis verlängern wollen, glauben, dass ich Viagra brauche oder nigerianischen Ministern, die 20 Mio. Dollar bei mir parken wollen. Aber “Ekel Spam”? Das muss was ganz, ganz schlimmes sein. So schlimm, dass es der
Internetgemeinde als Terminus technicus meines Wissens nach völlig unbekannt ist (wie übrigens auch die “sauteure Schlangenpost” von Herrn Schenk). Schlimmer als normaler
Spam wird es jedenfalls es sein, sonst würde das Attribut "Ekel" ja keinen Sinn machen. Sind es vielleicht Emails, in denen der Sex mit Stoffhasen, Säugetieren oder gar Insekten
propagiert wird? Ekelig wäre dies allemal.
Vielleicht sind es aber auch Zuschriften, die nicht so ergeben und anbiedernd freundlich
ausfallen, wie diejenigen, die der Meister auf seiner Homepage zu veröffentlichen pflegt. Haben sich Schmierfinken erdreistet, die genialen Weisheiten von Herrn Schenk zu kritisieren
? Hat ein semikriminelles Element Anstoß an seinen völlig uneigennützigen Produktempfehlungen genommen?
Wir werden es nicht erfahren. Aber wenn es so wäre, dann wäre dies echt super ekelig. Oder eben "Ekel Spam".
Volle Pulle Sturm
Wenn in Film und Fernsehen ein Sturm auf See dargestellt wird, dann sieht dies meist wie
folgt aus: Es ist Nacht und es regnet aus Eimern. Blitze zucken unablässig vom Himmel. Über dem Schiff ergießen sich ständig ungeheure Brecher und die Darsteller bekommen eine
Wasserladung nach der anderen ab. Seekrank werden allenfalls ein paar Nebenfiguren, während die Protagonisten des Films tapfer mit den Elementen kämpfen. Der Kapitän brüllt
die ganze Zeit Befehle in den heulenden Sturm, während der Mann am Steuer wie ein Irrer am Ruderrad dreht und Crewmitglieder in höchster Eile irgendwelche undefinierbaren
Tätigkeiten ausführen. Spielt das ganze auf einem Segelschiff oder einer Yacht, sind die meisten Segel noch gesetzt, um dann eines nach dem anderen in Fetzen zu gehen. Für das
Reffen oder Bergen der Segel war nämlich keine Zeit mehr, da der Sturm in ca. 20 Sekunden über das Schiff hereingebrochen ist. Und selbst wenn das letzte Segel weggeflogen ist, kann
man sicher sein, dass Kapitän und Offiziere trotz 60 Knoten Wind ihre schmucken Mützen als Insignie ihrer Macht noch auf den Köpfen haben.
Ich bin alles andere als ein Experte für Stürme. Eine Behauptung möchte ich dennoch wagen: Stürme aus den Studios von Hollywood oder Babelsberg haben mit der Wirklichkeit so viel zu tun, wie der Film „Pretty Woman“ mit dem Straßenstrich an der Deutsch-tschechischen Grenze.
Frau am Ruder...
Regelmäßige Leser meiner Seite werden schon gemerkt haben, dass ich besondere
Hochachtung vor jenen Seglern habe, die mit bescheidenen Mitteln große Reisen gemacht haben. Umso besser, wenn sie dann auch nicht in die Schublade „gut vermarktbar“ passen,
sondern eher in die Rubrik “schräger Vogel” fallen. Ein solcher Fall ist die US-Amerikanerin Donna Lange (http://www.donnalange.com/), die mit einem 28 Fuß Boot am Kap der Guten
Hoffnung vorbei von Newport/Rhode Island in 168 Tagen nonstop nach Neuseeland gesegelt ist. Ich hätte mich mit einem Boot dieser Größe nicht an die Reise gewagt. Aber aus
dem Umstand, dass sie um Kap Hoorn herum wieder in die USA will, schließe ich, dass ihr die 28 Fuß gereicht haben. Ich drücke ihr jedenfalls die Daumen. Wer seglerisch etwas kleinere
Brötchen backen will, kann sich ein Vorbild an Johannes Erdmann nehmen. Ein Interview mit ihm kann man sich hier anschauen.
Nachtrag vom Juni 2007: Donna Lange hat es geschafft. Mit nur vier Stopps ist sie auf der Südmeerroute einhand um die Welt gesegelt. Super.
Warum tue ich mir das an?
Oben genannte Frage haben sich wohl die meisten Segler schon einmal gestellt. Motive die
Segel zu setzen oder ein Boot zu besitzen gibt es viele. Der Wunsch nach sportlicher Betätigung, Prestige, Freiheit und Abenteuer oder Technikbegeisterung kann eine Rolle
spielen. Vielleicht sucht man auch etwas, was die Wissenschaft als “Flow-Erlebnis” bezeichnet. Meine Segelbegeisterung dürfte ihren Antrieb jedenfalls maßgeblich in dieser Art
von Erlebnis haben. Mehr zum “Flow-Erlebnis” hier bei Wikipedia.
Schwarz, Rot, Gold?
Die Fußball WM und der damit verbundene Flaggenrausch an deutschen Autos hat in den
deutschen Feuilletons zu der besorgten Frage geführt, ob, und wenn ja, als wie bedenklich diese Erscheinung einzustufen ist. Dies erinnert mich an ein Gespräch, in dem ich mich
gegenüber einem Landsmann für die Größe der Nationalfahne an meinem Boot (damals 150 x 100cm) rechtfertigen musste. Ob ich mit der Größe der Fahne irgend etwas zum Ausdruck bringen wolle, hat mich dieser Mensch („Ich will im Ausland nicht als Deutscher erkannt werden
.“) gefragt. Eine Frage, die man auf unserem Planeten wohl nur in Absurdistan oder eben in Deutschland gestellt bekommen kann. Nun gut, wir alle sind lernfähig. Und so bin ich mir
recht sicher, dass sich der Fragesteller von damals jetzt hinter dieser Maske verbirgt.
Anmerkungen zur „idealen Yacht“
Auch wenn ich FANFAN! ohne zu zögern als meine „ideale Fahrtenyacht“ bezeichnen würde,
sollte man nicht dem Irrtum erliegen, dass das „richtige“ Boot der Schlüssel für eine erfolgreiche Blauwasserreise ist. Natürlich ist nicht jedes Boot für jede Art von
Weltumsegelung geeignet. Aber ich kann mir eine Reihe anderer, von FANFAN! völlig verschiedener Boote vorstellen, mit denen ich ebenfalls – dann vielleicht auf einer anderen
Route – um die Welt gesegelt wäre. Weniger als das Material entscheiden Skipper und Crew über den Erfolg einer Reise. Ich möchte behaupten, dass prozentual weit mehr Yachten als
Menschen für eine Weltumsegelung geeignet sind. Statt sich endlos mit technischen Fragen zu beschäftigen, wäre es daher vielleicht eine gute Idee, sich selber und seine Pläne kritisch
unter die Lupe zu nehmen, bevor man sich auf die Suche nach der “idealen Yacht” macht. Manch einen würde dieses Vorgehen viel, viel Geld sparen. Und wenn man sich schließlich für
tauglich befunden hat, dann noch eine Weisheit aus dem englischsprachigen Raum: "Go small, go simple, but go now!"
Preisfrage
Was fällt einem alkoholisierten schwedischen Yachtkonstrukteur ein, nachdem er eine Folge
von “Star Trek” gesehen hat? Antwort: Dies hier.
Köteralarm
In einer Liste von Umweltschutztips einer Segelzeitschrift fand ich folgende Empfehlung:”Lassen Sie auf unbewohnten Inseln Ihren Hund frei herumlaufen.”. Na dann: “Waldi, los, such! Bring mir den Austernfischer!”.
Echt wertvoll!
Neulich habe ich eine Segelzeitung in die Hand bekommen, auf deren Titel mit folgender Aussage geworben wurde: “IM HEFT: Zwei Seekarten im Wert von 25 Euro!”. Im Heft fanden
sich dann nicht etwa zwei Seekarten, sondern ein doppelseitig bedrucktes Stück Papier, das als “Törn- und Urlaubsplaner Ostsee” bzw. “Törn- und Urlaubsplaner Nordsee” gekennzeichnet
war. Beide Seiten waren mit dem Hinweis “Nicht zur Navigation” versehen. Ein Hinweis, den man in Anbetracht der geringen Detailtreue der Karten ernst nehmen sollte. Von einer
Seekarte wie man sie sich vorstellt, war diese Beilage jedenfalls weit entfernt. Und da es diese Karte auch nicht im Handel gibt, ist die Angabe über einen angeblichen Wert von 25
Euro wohl einfach aus der Luft gegriffen. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass jemand bereit wäre, dafür diese Summe zu bezahlen. Käufer dieser Segelzeitung, die sich
verschaukelt vorgekommen sind, haben mein vollstes Verständnis.
Kontaktfreude
Mit folgenden ersten Worten bin ich in diesem Sommer in verschiedenen Häfen u.a. angesprochen worden:
“Ist das Boot aus Edelstahl?”
“Das Ding liegt doch sonst in Kiel.”
“Sie sind doch der, oder? Sie haben doch, oder?”
“In deinem Alter bin ich mit einem 6,50 Meter Boot ausgekommen.”
“Das Ding sieht nach Meilen aus. Soll wohl bald losgehen, was?”
“Du machst Dein Schlauchboot kaputt.”
“Wer rechts und links sagt, ist kein richtiger Segler” (nachdem ich beim Anlegen das
Wort “links” benutzt habe)
Und eine Reihe wirklich netter Bekanntschaften habe ich auch noch machen können...
EliteförderungIm internationalen Hochsee-Regattasport haben deutsche Segler ja so
gut wie nichts zu melden. Die Gründe dafür sind schnell gefunden. Eine Generation von Hedonisten im Freizeitpark Deutschland, mehrheitlich noch dazu Pisa-Blödis, kann nicht die Basis für eine Hochseesegler-Elite
bilden. Um diesen unerfreulichen Zustand zu beenden, muss ein Ruck durch unser Land gehen. Schluss mit lustig! Da es altersbedingt bei mir leider, leider zu spät ist für diese Art von Sinneswandel, muss sich die
nächste Generation dieser Herausforderung stellen. Dazu will ich gerne einen Beitrag leisten, indem ich bei meiner Tochter die Voraussetzungen schaffe, die deutsche Ellen MacArthur zu werden. Aus diesem Grund
habe ich das Kind einem winterlichen Abhärtungsprogramm unterworfen (siehe Foto). Sechs bis zehn Stunden täglich auf dem Balkon haben gereicht, um dem Kind begreiflich zu machen, dass es im Leben nichts
geschenkt gibt. Etwas, was die dumme Kuh vom Jugendamt, die das Ganze „irgendwie total kriminell“ fand, noch lernen muss. Ich werde mich dadurch nicht beirren lassen. Sobald die
Kleine Back- von Steuerbord unterscheiden kann, werde ich sie in einer Obstkiste über den Atlantik treiben lassen. Ellen, zieh Dich warm an!
Uwe der Dummie
Neulich hatte ich den Fragenkatalog für den Sportküstenschifferschein in der Hand. Dieser
Schein soll einem das Rüstzeug geben, um sicher in Küstengewässern navigieren zu können. Nach kurzer Durchsicht der Fragen war mir klar, dass ich mangels Fachwissen diesen Schein
ohne weitere Vorbereitung nicht erfolgreich erwerben könnte. Keine Chance. Dennoch glaube ich, dass ich in der Lage wäre mit recht guten Erfolgsaussichten von z.B. Cuxhaven
nach Island und wieder zurück zu segeln. Jetzt überlege ich, was dies über mich bzw. über die Praxisnähe der Fragen zum Sportküstenschifferschein aussagt.
Unverantwortlich!Regelmäßig höre bzw. lese ich, dass Einhandsegeln unverantwortlich sei. Mit anderen Worten: Das Risiko, dass jemand oder etwas zu Schaden kommt, soll so hoch sein, dass es
unter Abwägung aller Umstände nicht zu vertreten sei, alleine zu segeln. Und in der Tat hat die Vorstellung von einer Yacht, die wie ein Geisterschiff über das Meer segelt, etwas Beunruhigendes an
sich, weil es eben nicht unserer Lebenserfahrung entspricht, dass sich ein Fahrzeug ohne Zutun eines Menschen über längere Zeiträume hinweg selbstständig bewegt. Löst man sich von seiner
am Landleben orientierten Lebenserfahrung und fragt man sich schlicht, welchem Alleinsegler welcher Unfall passiert ist, relativiert sich das Bild vom unverantwortlichen Einhandsegler. Mir ist nicht
ein Fall in Erinnerung, wo ein Einhandsegler für den Tod eines anderen Menschen, sei es ein Seemann oder ein Seenotretter, verantwortlich ist. Ich kann mich auch nur an einen Fall erinnern,
in dem ein Einhandsegler ein anderes Schiff gerammt hat und diesem dadurch einen substanziellen Schaden zugefügt hat. Die mir bekannten Fälle, in denen Einhandsegler mit anderen Schiffen
kollidiert sind, haben ausschließlich zu Schäden an den Yachten der Einhandsegler geführt. Und wenn ein Einhandsegler von einem Frachter überlaufen und versenkt wird, dann gibt es
nur ein Opfer: den Segler selber. Viele Millionen Meilen sind in den letzten 100 Jahren einhand gesegelt worden. Die Zahl der Unfälle ist bezogen auf diese Meilenzahl gering und
die Einzigen, die unter den Folgen der Einhandsegelei zu leiden hatten, waren die Einhandsegler selber. Vor diesem Hintergrund kann man die Solosegelei vor den übrigen
Verkehrsteilnehmern sehr gut verantworten. Und inwieweit sich jemand selber in Gefahr bringt, sollte man am besten jedem selber überlassen.
Aber ist Einhandsegeln denn nicht illegal, höre ich einige fragen. Richtig ist, dass ein schlafender Einhandsegler dem Gebot der Kollisionsverhütungsregeln (KVR), ständig Wache
zu gehen, nicht Folge leisten kann. Daraus zu schließen, dass Einhandsegeln “illegal” ist, halte ich dennoch für falsch. Wie alle Regelwerke können auch die KVR nur eine begrenzte
Zahl von im wirklichen Leben vorkommenden Konstellationen erfassen. So ging es den Autoren der KVR sicher nicht darum, Einhandsegeln zu verbieten, da diese Art des
Schiffsverkehrs statistisch praktisch nicht vorkommt. Vielmehr sollte der “nautische Normalfall”, in dem mehrere Personen an Bord sind, geregelt werden. Und hier ist es nur
folgerichtig, dass auf solchen Schiffen Wache gegangen wird. Dass man an den KVR nicht Buchstabe für Buchstabe kleben soll, verdeutlicht vielleicht ein Beispiel aus den
Wegerechtsvorschriften. Dass Ergebnis der wörtlichen Auslegung dieser Vorschriften ist, dass auf hoher See ein 300 Meter langer Tanker einer 7 Meter langen Segelyacht
ausweichen muss. Dies dürfte aber in vielen Fällen wegen der schlechten Manövrierbarkeit eines 300 Meter Schiffes schwierig bis unmöglich sein (nachts wird der 7 Meter Segler
wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen), weswegen diese Regelung an der Lebenswirklichkeit vorbei geht, ohne dass sich jemand groß daran stören würde. Ich habe
jedenfalls noch nie gehört, dass jemand den Betrieb von Supertankern als “illegal” bezeichnet hat, nur weil diese Schiffe einer Segelyacht oft nur mit Schwierigkeiten oder gar
nicht ausweichen können (vom Wollen mal gar nicht zu reden...).
GPS zuerst?In einem Segel-Fachmagazin konnte ich in einem Artikel zum Thema Navigation folgendes Statement lesen: “Nicht einmal 15
Jahre ist die zivile Nutzung der Satellitenortung alt”. Dies ist leider, leider falsch. FANFAN!
war schon im Jahr 1985 mit einem Satellitennavigator ausgerüstet. Das Gerät war ein Walker SAT
-NAV 801 (siehe Foto), das auf Basis des Transit Systems funktionierte (für zivile Nutzer schon ab 1967 verfügbar!). Der
Nachteil gegenüber GPS war, dass zwischen den einzelnen Positionsbestimmungen Stunden liegen konnten. In der Zwischenzeit hat der teure, klobige Stromfresser mit den Daten
der angeschlossenen Logge und des vernetzten Kompasses weiter gekoppelt. Mehr zum Transit-System kann man bei Wikipedia lesen.
Da kann kommen was will?
Nachdem mein Boot zwei Jahre nicht haftpflichtversichert war, da es an Land stand, wollte
ich zum Frühjahr 2006 meine Haftpflichtversicherung wieder aufleben lassen. Mein ehemaliger Versicherer (“Da kann kommen was will!”) teilte mir mit, dass die Versicherung von FANFAN!, die von 1998 bis 2004 bei ihm noch für rund 116 Euro zu haben war, jetzt
rund 230 Euro pro Jahr kosten solle. Die telefonische Nachfrage, wodurch sich rund 100% Preissteigerung ergeben würden, zumal ich ja in den Jahren vorher nie einen Schaden
gemeldet hatte, konnte mir leider bei der Versicherung niemand beantworten. Der Preis sei das Ergebnis einer individuellen Risikoanalyse und könne evtl. damit zusammenhängen, dass
ich einen Einzelbau versichern wolle. Die Frage, warum ausgerechnet Einzelbauten ihrer Umwelt größere Schäden zufügen sollen als Serienschiffe, habe ich mir gespart. Jetzt bin ich
halt bei der Konkurrenz versichert. Und zwar für 116 Euro pro Jahr bei einer höheren Deckungssumme (allerdings einem eingeschränkten Fahrtgebiet).
Und weil mich der Vorgang dennoch weiter beschäftigt hat, habe ich den Chef meiner alten Versicherung angeschrieben, und höflich um einige erklärende Worte gebeten. Ich habe auch
eine überaus höfliche Antwort erhalten (nicht vom Chef). Nur leider hatte die Antwort nichts mit der Frage zu tun, warum die gleiche Versicherungsleistung bei ihm innerhalb von zwei
Jahren um 100% teurer wird. Interessant an dieser “Antwort” war, dass sich der isolierte Abschluß von Haftpflichtversicherungen - also ohne Kasko - betriebswirtschaftlich eigentlich
kaum lohnen würde. Daraus kann ich eigentlich nur schließen, dass meine neue Versicherung eine karitative Einrichtung ist, oder? Erstaunlich, dass meine Aufsässigkeit nicht dazu geführt
hat, dass ich aus der Datenbank meiner ehemaligen Versicherung gelöscht worden bin. Gestern erreichte mich ein aufwändig gemachter Werbeprospekt der Firma. Aber statt bunter
Broschüren, hätte ich lieber auf eine einfache Frage eine einfache Antwort bekommen.
Alles GAU?
Bei einem Streifzug durchs World Wide Web bin ich auf das folgende Statement eines
"Segelexperten" gestoßen, das mich doch verwundert hat: "Unsere Hauptmaschinen, gutmütige Diesel, machen selten Schwierigkeiten, meistens ist es das Drum und Dran , das
Verdruss bereitet. Und wenn deshalb die Maschine nicht mehr einsatzbereit ist, dann ist dies nach Mast- oder Ruderverlust ein GAU."
Mit anderen Worten, nach Mast- und Ruderbruch soll auf einer Segel(!)yacht der schlimmste
denkbare Unfall der Ausfall des Bootsdiesels sein. Auf meiner Weltumsegelung hat mir alles mögliche Sorge bereitet. Auch Mastbruch, Ruderbruch, Überbordfallen, ein Leck,
Knochenbrüche, Krankheiten, Feuer an Bord, Blitzschlag und einiges mehr. Der Ausfall des Motors ist sicher ärgerlich und kann durch eine unglückliche Verkettung von Umständen auch
zum Schiffsverlust führen. Wie man dieses Ereignis aber in Zusammenhang mit einem "größten anzunehmenden Unfall an Bord" nennen kann, ist mir schleierhaft. So etwas kann
eigentlich nur einem Motorbootfahrer einfallen...
Miles Smeeton, sicher einer der großen Blauwassersegler der 1950er und 1960er Jahre, gab
auf die Frage, was er rückblickend bei seinen weltweiten Reisen anders gemacht hätte, Folgendes zur Antwort: “I´ve often thought, that it would have been fun to have done all our
cruisings without an engine.” Noch Fragen?
FANFAN! made in Germany?
Im Rahmen der Renovierung meines Bootes habe ich viele Teile an Bord ausgetauscht.
Interessant ist, wo diese Produkte hergestellt wurden:
Und was kommt bei mir an Bord aus Deutschland? Die Klampen, das Tauwerk und das Tuch für meine in Neuseeland genähten Segel. Nicht gerade eine berauschende Bilanz für den Standort Deutschland.
Segelgeschichte
“Erstleistungen deutscher Segler” heißt ein Buch von Joachim Schult, das 1993 erschienen ist.
Kommerziell war es wohl kein Erfolg, anders kann ich mir nicht erklären, warum ich 10 Jahre später noch ein originalverpacktes Exemplar in einer Buchhandlung kaufen konnte (im Jahr 2008 erschien es als Taschenbuch). Dokumentiert werden Segelreisen zwischen 1890 und 1950, die im internationalen Vergleich schon zu der Zeit, zu der sie gemacht wurden, meist
nicht wirklich als Pioniertaten gelten konnten. Dennoch hat diese mit viel Sorgfalt erstellte Dokumentation meinen Respekt vor den Seglern, die die Anfänge des Fahrtensegelns
geprägt haben, noch vertieft. So segelte ein gewisser Hugo Höhne 1927 eine 12 Meter lange Yacht einhand in 102 Tagen von der Ostküste der USA über die Azoren nach Gran Canaria.
Seine Navigationsausrüstung bestand nur aus einer Taschenuhr und einem Taschenkompaß. Ein Jürgen Engelhardt segelte zusammen mit einem Crewmitglied in einem umgebauten
Rettungsboot 1889/1890 von London nach Australien. Ganze 235 Tage dauerte die Reise und zwar nicht durch den Panamakanal, den es noch nicht gab, sondern um das Kap der guten Hoffnung herum. Respekt.
Es kann sicher nicht schaden, wenn man einige der angeblich “sensationellen” Segelreisen der Jetztzeit im Lichte der Fahrten betrachtet, die die ersten Yachtsegler gemacht haben.
Allerdings sollte man den Bogen in die Vergangenheit mit Bedacht spannen. Sonst gibt man solchen Unsinn von sich, wie ein deutscher Multimillionär, der anläßlich des Starts seines
Megayachtprojekts in einer Rede Ludwig Schlimbach zum ersten Deutschen erklärt hat, der den Atlantik überquerte. Dies, um sich dann selbst - und das ist der Punkt - voller
Bescheidenheit in die Tradition dieses Seglers zu setzen. Das Muster ist universell: man überhöht jemand anderen, um sich dann selbst dadurch zu erhöhen, dass man sich mit dem
anderen vergleicht (hier die gleiche Bauwerft der eigenen Yacht). Vor Ludwig Schlimbach haben hunderttausende von Deutschen den Atlantik unter Segeln überquert. Und zwar als
Auswanderer in die “Neue Welt”. Nicht einmal der erste deutsche Yachtsegler oder der erste deutsche Einhandsegler auf Transatlantikkurs war Herr Schlimbach. In den 30er Jahren des
letzten Jahrhunderts ist er mit Yachten sowohl einhand als auch mit Crew mehrfach über den Atlantik gesegelt. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Aber was soll´s, schon die alten Chinesen wußten: “Eine halberzählte Geschichte ist der Vater
vieler Lügen.”.
Horst Timmreck - der erste deutsche nonstop Weltumsegler?
Dass die mediale Aufmerksamkeit, die der Leistung eines Menschen zuteil wird, oft in keinem Verhältnis zum Rang dieser Leistung steht, ist kein Geheimnis. So bin ich schon mehrfach auf
weitgehend unbekannte Segelreisen gestoßen, die nach meiner Meinung viel zu wenig Beachtung gefunden haben. Eine dieser Fahrten ist die von Horst Timmreck. Er segelte in der Saison 1979/1980 mit seiner Yacht "Brigitte" einhand und nonstop von Kapstadt nach
Kapstadt. Nähere Informationen zu dieser Fahrt habe ich nur im Mitteilungsblatt des Vereins Trans Ocean von 1980 gefunden. Den entsprechenden Bericht habe ich mit freundlicher
Genehmigung des Vereins hier eingestellt (300Kb). Man wird Herrn Timmreck wohl nicht als ersten deutschen nonstop Weltumsegler bezeichnen können. Dass er den weitaus
schwierigsten Teil einer solchen Reise bewältigt hat, verdient aber sicher alle Achtung. Gut 20 Jahre später ist ein Österreicher mit einem wesentlich größeren und mit allen technischen
Finessen ausgestatteten Boot die Runde von Kapstadt nach Kapstadt gesegelt. Dass er diesen Törn als "härtesten Offshore-Segeltörn der Welt" vermarktet hat, wirkt in Anbetracht
der Reise von Horst Timmreck sicher noch befremdlicher (wie kann man sich eigentlich den "härtesten Inshore-Segeltörn der Welt" vorstellen?).
Update:Inzwischen hat sich ein Neffe von Herrn Timmreck bei mir gemeldet, mit dem ich mich
im Anschluß in Berlin getroffen habe. Den Plan nach seiner Reise nach Deutschland zurück zu segeln, hat Horst Timmreck demnach nicht mehr in die Tat umgesetzt. Auf dem Rückweg blieb
er auf St. Helena hängen, wo er als Händler tätig war. Im Anschluß war er u.a Farmer in Uruguay wobei er immer wieder Fahrten nach Südafrika unternahm. Nach dem, was sein
Neffe erzählt hat, würden die Abenteuer von Herrn Timmreck für mehrere dicke Bücher reichen. Aber da Horst Timmreck symphatischerweise keinen Wert auf Publictiy legt, wird die
Geschichte dieses ungewöhnlichen Seglers und “echten” Abenteurers wohl unerzählt bleiben.
Alles ernst?
Auf dieser Homepage gibt es Beiträge, die ernst gemeint sind und Beiträge, die nicht ernst gemeint sind. Sicher ist es nicht ganz leicht, beides voneinander zu unterscheiden. Was ich
für ganz besonders lustig halte, mag für manchen Leser dieser Seiten nur Anlass für ein mitleidiges Kopfschütteln sein. Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, sei an dieser Stelle gesagt, dass mich weder die Bildzeitung auf dem Kieker hat, noch angehende Motorbootfahrer bei mir Rat suchen, noch bizarre Pressemeldungen über mich existieren.
Dass man eine satanistische Messe zu sehen bekommt, wenn man meine DVD rückwärts abspielt, ist natürlich auch nicht wahr...
Das Geheimnis um “Freundin L.”
Seit Erscheinen des Buches erreichen mich immer wieder eMails mit der Frage, was denn jetzt aus “Freundin L.” geworden ist. So schrieb mir ein Leser: “Haben Sie "Lümmel" diese
Frau, die Ihnen um die halbe Welt gefolgt ist und die in zölibatärer Enthaltsamkeit auf Sie gewartet hat, nun endlich, endlich geheiratet ?!?!?” Es wäre sicher schön, wenn ich hier ein
Happy End verkünden könnte. Zwar kann ich mit einem Happy End dienen, nur leider nicht mit einem, in dem “Freundin L.” die Hauptrolle spielt. Aber ist eine Seite mit dem Titel Seefieber.de der richtige Ort, um solche Sachen im Detail darzulegen? Eher nicht, denke ich.
Die härteste Barfußroute der Welt
Der "größte Fahrtensegler der Welt", Bobby Schenk, lässt uns regelmäßig auf seiner
Homepage von seinem nahezu unermesslichen ("Millionen von Seemeilen") Erfahrungsschatz profitieren und beansprucht die Definitionshoheit über den Begriff “gute Seemannschaft”.
Dass er von vielen erfahrenen Blauwasserseglern nicht für voll genommen wird, macht dem Barfußroute-Weltumsegler und bekennendem Schönwetterfreund offenbar schwer zu schaffen. Er schreibt:
"Apropos "Barfußroute". Denjenigen, die dieses Wort so gedankenlos (primitiv oder stupide) in
den Mund nehmen, um anderer Leistungen herabzuwürdigen, sei gesagt: Weder in der Nordsee, noch in der Biskaya, noch in der Nähe der großen Kaps (Hoorn und Gute Hoffnung) hab ich so
verheerendes Wetter und Stürme erlebt, wie auf der "Barfußroute"! "
Dazu einige Anmerkungen von mir:
Das oben genannte Zitat von Herrn Schenk ist auch insofern interessant, als dass es in gewissem Widerspruch zu dem steht, was er in der Zeitschrift Yacht im Rahmen der Serie “Mein schwerster Sturm” schrieb:
“Carla und ich haben auf rund hunderttausend Segelmeilen nur einen einzigen echten Sturm auf hoher See erlebt. Es war drei Tage vor Sylvester [...] mitten in den Roaring Forties.”
Aber egal...
Uwe der Querulant
Anlässlich ihres 100jährigen Bestehens hat das Fachblatt für Sportgeschichte “Yacht” ein
Sonderheft mit einer Auflistung der angeblich 100 größten Segler aller Zeiten herausgegeben. Ich fand und finde die Liste, die zu rund einem Viertel (!) aus deutschen Namen besteht,
missglückt, was ich in einer Zuschrift an die Redaktion zum Ausdruck gebracht habe. Leider bin ich dort mit meiner Meinung in der Schublade Deppen/Querulanten/Neidhammel gelandet. Hier der Schriftwechsel.
Glück gehabt!
Folgenden Yachten, die ich während meiner Weltumsegelung getroffen habe, oder deren
Crew ich kannte, ist in den vergangenen drei Jahren etwas zugestoßen:
Ich schreibe dies nicht, um unter Beweis zu stellen, was für ein toller Segler ich bin. Im
Gegenteil. Ich habe viel, viel Glück bei meiner Reise gehabt.
Lebensweisheit
In einem schlauen Buch konnte ich folgendes Zitat eines asiatischen Dichters finden:
“Über viele Jahre / unter großen Kosten / reiste ich durch viele Länder / sah die hohen Berge / die
Ozeane / nur was ich nicht sah / war der glitzernde Tautropfen / im Gras gleich vor meiner Tür”
Schöner hätte ich es nicht ausdrücken können. Aber wie ich aus eigener Erfahrung sagen
kann, wird der Tautropfen vor der eigenen Tür erst richtig schön, wenn man die Welt gesehen hat.
Alles klar in der Schweiz?
In die Rubrik "Bizarr" fällt eine Zuschrift, die mich aus der Schweiz erreicht hat. Ein Interview, das ich der Zeitschrift Yacht gegeben habe, war Anlass das hier wiedergegebene Schreiben
auf den Weg zu bringen:
In schwimmender Klosterzelle ums Kap der verkappten Hoffnung
"Ein idealer Ort zum Nachdenken. Fast schon ein schwimmendes Kloster". So fasst Uwe
Röttgering, im Gespräch mit "Yacht" die 16-monatige Einsamkeit seiner Umsegelung der Welt im intellektuellen Aufwasch zusammen. Auf die Frage: "Was treibt sie an?", enthüllte
der für seine seglerische Leistung bewundernswerte Mönch im Friesennerz das folgende an diesem Ort des idealen Nachdenkens entstandene Gedankengut.
Angetrieben habe ihn "der Wunsch etwas Abenteuerliches zu erleben, der doch in jedem steckt. Die Generation meiner Großeltern ist in Polen einmarschiert, und ich bin eben um
die Welt gesegelt. Es ist der Wunsch nach Selbstbewährung mit einer Prise Nervenkitzel".
Im mittlerweile aseptisch gefilterten Kielwasser der Großelterngeneration spielen
Tierbegegnungen eine Rolle bei der Selbstbewährung des Enkels. Besonders im Südpolarmeer die Albatrosse, denen er stundenlang beim Fliegen zuschauen konnte. Wie
Teilnehmer des Ostfeldzugs im Laufe der Selbstbewährung zuschauen konnten, wenn Slawen und Juden als Nervenkitzler jener Großelterngeneration aus den Schornsteinen der
Vernichtungslager fuhren. Enkel Röttgering hat als Windbewegter die Selbstbewährungserfahrung verbrennungslos gemacht. Dank der späten Geburt brennt sein Feuer in der Kimm im Logbuch. Nicht im Frontbericht."
Lieber Leser dieser Zeilen: Bitte erklären Sie mir, was mir der Leserbriefschreiber sagen wollte, ich verstehe es leider beim besten Willen nicht. Und wenn Sie aus der Schweiz kommen, möchte ich Sie bitten, mir noch mehr solcher Briefe zu schreiben...
Abschließend zu diesem Thema ein Statement des Philosophen und Medienwissenschaftlers Professor Norbert Bolz: „Wir (deutsche) brauchen gut versteckte Ersatzschauplätze für das, was der amerikanische Philosoph William James mal „outlets for heroic energy“ genannt hat. Unseren Wunsch nach Heldenhaftigkeit, Machismo oder Chauvinismus im Alltag auszuleben können wir uns nicht mehr leisten, also brauchen wir einen Ersatz."
Prostitution ?!Vor einigen Tagen hat mich meine Vergangenheit eingeholt. Der Vorsitzende des Vereins “Die nüchternen Chartersegler” (7 Mitglieder) rief mich an und hielt mir vor, wie ich so
verantwortunglos sein, und für den Kräuterlikör der Marke J. werben könne.
Ich kann nur sagen: Ich war jung und brauchte das Geld! Die Anzeige ist uralt! Don´t drink and sail! Keine Macht den Drogen!
Jeder, der mir glaubhaft versichern kann, dass ihn diese Anzeige zum Alkoholiker gemacht hat, darf ein Wochenende mit mir segeln. Okay?
Motorboot ?
Herr M. aus D. wandte sich mit folgender Frage an mich: Sehr geehrter Herr R., ich spiele ich mit dem Gedanken, mir ein Motorboot zu kaufen. Nun habe ich gehört, dass Segler die Motorbootfahrer regelrecht
hassen sollen. Stimmt dies? Muss ich als Motorbootfahrer mit tätlichen Übergriffen oder Sabotage von fanatischen Seglern rechnen? Sie als erfahrener Segler müssten da doch
Bescheid wissen. Bitte nennen Sie meinen Namen nicht, wenn Sie die Frage auf Ihrer Homepage beantworten. Mit der Bitte um schnelle Antwort Ihr M.
Meine Antwort: Lieber Herr M., Sie sprechen da ein sehr heikles Thema an, welches von der
Fachpresse bislang totgeschwiegen wurde. Es ist in der Tat so, dass das Verhältnis zwischen Seglern und Motorbootfahrern nicht gerade als gut zu bezeichnen ist. Gerüchten zufolge gibt
es beim Deutschen Segler Verband eine geheime Untersektion, deren Mitglieder Motorbootfahrern heimlich Verblödungstropfen verabreichen. Die Tarnung dieser Leute soll
mit Bierbauch, Schnäuzer, weißen Socken und teuren Armbanduhren nahezu perfekt sein.
Wenn ich mich so umschaue, dann scheint diese Untersektion überaus erfolgreich zu
operieren. Daher rate ich Ihnen dringend vom Kauf eines Motorbootes ab! MfG Ihr U.R.
Geheimsprache
Ist es nicht eine tolle Vorstellung, mit seinem Hobby Segeln durch das Schreiben von Artikeln
auch noch Geld zu verdienen? Wer sich auf diesem Gebiet versuchen will, sollte allerdings Grundkenntnisse der Redakteur-Geheimspache haben. Hier einige Beispiele:
Aber sonst machen Schreiben und Photographieren Spaß - schließlich gibt es ja auch Ausnahmen. Ehrlich.
Vom Wasser nicht wegzuprügeln
Folgender Textauszug von Ludwig Dinklage, erschienen in Leipzig 1940 unter dem Titel
"Vom Wasser nicht wegzuprügeln", ist mir neulich in die Hände gefallen:
“Legen wir uns doch einmal die Frage vor, was es sein mag, was diese Leute auf die Weite der See treibt? Es ist bestimmt nicht bei allen das Verlangen, von sich Reden zu machen. Es ist auch keine Gewinnsucht - an Ozeanüberquerungen ist noch kein Mensch reich geworden -, es werden auch kaum Medalien oder Preise für solche Fahrten gegeben. Diese Männer dürfen sich auch nicht der seltsamen Hoffnung hingeben, mit solchen Ozeanüberquerungen dem Vaterlande irgendwie zu nützen. Man kann sie weder als "Gesandte ohne Auftrag" ansehen, noch werden sie Kriege verhindern oder Bündnisse vorbereiten. Sicher aber ist es doch eine Idee, die ihnen vorschwebt. Aber lohnt diese Idee den Einsatz? Eine Atlantiküberquerung ist nun einmal kein Nachmittagsspaziergang. Und doch wird es immer wieder Männer geben, die dem lockenden Zauberruf des Meeres folgen und sich in seinen Bann ziehen lassen und der blauen Weite verfallen sind bis zu ihrem Tode.”
"Alu ist nicht ungefährlich!"
Regelmäßig komme ich mit Eignern von Kunststoff- oder Stahlyachten ins Gespräch, die mich unaufgefordert wissen lassen, dass Aluminium ja eigentlich ein toller Bootsbauwerkstoff
wäre, wenn man nicht ständig in der Angst leben müsste, dass sich die Yacht im Seewasser durch Korrosion auflöst. Auf diese Aussage folgt dann oft ein Exkurs darüber, wie ich meine
Elektrik zu installieren habe und welche Anoden wie angebracht werden müssen. Besondere Schlaumeier versorgen mich dann noch mit dem Rat, mein Boot nur ja nie neben einem Stahlschiff zu vertäuen.
Schade, dass mich keiner dieser Herren bislang gefragt hat, wie mein Boot immerhin 16 Jahre (davon gut 12 im Wasser) heile überstanden hat...
Gesucht und nicht gefunden
Mein Provider bietet mir die Möglichkeit, die Stichwortkombinationen anzuschauen, mit denen
meine Webseite in Suchmaschinen gefunden wurde. Während die meisten User hier so ungefähr das finden, was sie gesucht haben, dürfte es auch immer wieder enttäuschte
Besucher dieser Seite geben. Aber vielleicht haben sich die Herren, die durch die Eingabe von "+teens +hose +runter +prügel" oder "+frau +verschenkt +versaut" auf meine Seite gelangt
sind, hier Anregungen für eine sinnvollere Freizeitgestaltung holen können.
Kaufen, Kaufen, Kaufen
Alljährlich in Herbst und Winter stellt die Industrie auf verschiedenen Messen die Ergebnisse ihres
Ringens um ständige Produktverbesserungen vor. Alles ist neu, toll und selbstverständlich absolut unentbehrlich. Wer will nicht schneller, sicherer und schöner segeln? Dafür macht man doch
gerne ein paar Tausender locker. Wenn ich mich bei mir an Bord umschaue, dann wird mir klar, dass ich mehr als einmal auf diese Masche hereingefallen bin. Anders könnte ich mir nicht
erklären, warum ich mich habe breitschlagen lassen meine neue Fock im Tri-Radial-Schnitt anfertigen zu lassen. Das Ding sieht irgendwie "racemäßig" aus, kostet viel mehr als ein
normales Segel und macht mein Boot allenfalls um einen homöopathischen Betrag schneller. Reingefallen!
Eine Lektion in Bezug auf Bescheidenheit habe ich bei dem französischen Segler gelernt, der
oben rechts auf dem Foto zu sehen ist. Ich habe ihn auf Gran Canaria kurz vor seiner Atlantiküberquerung Richtung Brasilien getroffen. Sein Boot hat er zum Preis eines
Kleinstwagens selbst gebaut. Die Ausrüstung ist so knapp bemessen, dass 99,9% der Yachtausrüster pleite machen würden, wenn sich alle Segler so bescheiden würden. Ich
würde mich wohl nicht mit so wenig zufrieden geben können, doch ist es gut zu wissen, dass die Freiheit unter Segeln nicht in erster Linie eine Frage des Geldbeutels ist.
Titelboy Uwe
Im Mai 2000 brachte die Zeitschrift Yacht einen mehrseitigen Artikel
über mich. Das Titelbild versprach mehr als die Geschichte halten konnte und die Geschichte wohl etwas mehr, als die Wirklichkeit zu bieten hat. Never mind. Wenn der eine oder andere die Frage, ob
er die besten Jahre seines Lebens hinter einem Schreibtisch oder einer Werkbank verbringen soll, nicht zuletzt aufgrund dieses Artikels mit "Nein" beantwortet hat, wäre sein Zweck für mich schon
erfüllt. Den Artikel kann man auf der Homepage der Yacht www.yacht.de nachlesen. In dem Eingabefeld “Quicklink” muss man dafür das Stichwort “roettgering” eingeben.
Abenteuertourismus mit Fragezeichen
Meine Antarktisreise ´95/´96 war ein phantastisches, und von den Natureindrücken her kaum noch steigerbares Erlebnis. Aber
natürlich hat die Form des Tourismus, wie wir sie praktiziert haben, auch seine Fragezeichen. Ich habe meinen Fuß auf Inseln gesetzt, deren Betreten ausdrücklich verboten ist. Wir sind
mit einem enormen Energieaufwand angereist, haben unseren Müll im Meer hinterlassen, Pflanzen plattgetrampelt und Tiere aufgescheucht. Ein Albatros flog nachts in das Rigg und
stürzte an Deck und ich kann nur hoffen, dass er nicht zu Schaden gekommen ist. Woher habe ich das Recht genommen, all das zu tun? Ich habe mich um die Beantwortung der Frage
, ob es vertretbar ist eine Reise dieser Art zu unternehmen, gedrückt - zu groß war mein Wunsch, diesen Flecken Erde und das Südmeer für mich zu entdecken.
Seglerversicherung für Nichtsegler
Kurz nach dem Kauf meines Bootes kam mir der Gedanke, dass es vielleicht sinnvoll wäre,
eine Yachtversicherung abzuschließen. In der Absicht, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, hielt ich auf der zu dieser Zeit stattfindenden "Boot" in Düsseldorf nach einer
Versicherung Ausschau. Da ich eine Einhandumsegelung des Nordatlantiks mit dem Boot vorhatte, gestaltete es sich erwartungsgemäß schwierig, eine Versicherung zu finden.
Wegen meines jugendlichen Alters und meiner ungewöhnlichen Reisepläne hielt man mich auf den Ständen der meisten Yachtversicherer wohl für einen potentiellen
Versicherungsbetrüger und ließ mich recht uncharmant abblitzen. Lediglich auf dem Stand eines großen Hamburger Versicherungsmaklers sagte mir ein sehr freundlicher Herr aus
Monaco, dass die Versicherung solcher Reisen bei seiner Firma ohne weiteres möglich sei. Das mir einige Zeit später zugegangene Angebot enthielt allerdings weder das
entsprechende Fahrtgebiet, noch einen Passus, dem zu entnehmen war, dass Einhandsegeln auch versichert sei. Eine nochmalige Nachfrage per Fax hatte zum Ergebnis,
dass mir ein weiteres völlig unbrauchbares Angebot unterbreitet wurde. Da es nicht meine Art ist, Geschäftsleute darum zu bitten, an mir Geld zu verdienen, ließ ich den Vorgang auf
sich beruhen und schloss lediglich eine Haftpflichtversicherung ab. War ich am Anfang über diese Form der "Geschäftstüchtigkeit" noch etwas irritiert, verwundert mich die Tatsache,
dass mich niemand versichern wollte, nun nicht mehr. Genauso wenig, wie Krankenversicherungen an Kranken interessiert sind, sind Yachtversicherungen an Leuten
interessiert, die mit ihren Booten auch wirklich segeln. So hoffe ich auch für die Zukunft, dass mich mein Glück nicht im Stich lässt und bleibe unversichert ...
Von der Möglichkeit der Möglichkeit in den KVR
Jeder, der den Sportbootführerschein See sein Eigen nennt, hat brav die Formulierung von "der Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes", die es durch eifriges Ausguck gehen zu
erkennen gilt, auswendig gelernt. Ursprung dieser Formulierung ist Regel 5 der Kollisionsverhütungsregeln, die lautet:
"Jedes Fahrzeug muss jederzeit durch Sehen und Hören sowie durch jedes andere
verfügbare Mittel, das den gegebenen Umständen und Bedingungen entspricht, gehörigen Ausguck halten, der einen vollständigen Überblick über die Lage und die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes gibt."
Was will uns der letzte Teil dieser Vorschrift sagen? Was ist eine Gefahr? Gefahr ist die nach allgemeiner Lebenserfahrung bestehende Möglichkeit eines Schadenseintritts. Die
Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes ist demnach die Möglichkeit der Möglichkeit eines Schadenseintritts. Derartige überflüssige Häufung sinngleicher oder sinnähnlicher
Ausdrücke werden vom Duden mit dem Attribut Pleonasmus versehen, doch dürfte die Bezeichnung "totaler Quatsch" die genannte Formulierung genauso treffen. Dass der
Gesetzgeber sich solcher Formulierungen bedient, ist schon bedauerlich, doch vielleicht schaffen es ja die zuständigen Funktionäre, die Fragenkataloge zum SBF-See und zum
Sportküstenschifferschein von diesem Unsinn zu befreien.
Die Rathje Werft - außer Spesen nix gewesen
Kurz nach meiner Nordatlantikreise stand mein Boot hoch und trocken auf dem Reparaturplatz der Rathje Werft in Kiel. Dort sollte mein Ruderschaden befundet und
repariert werden. Nach viereinhalb Monaten (in denen nur eine Woche am Schiff gearbeitet wurde) hatten mich die Rathje Werft und die zur Hilfe gerufene Firma Künemund um viel Geld
ärmer und um einige Erfahrungen reicher gemacht. Ein im folgenden mit der Werft geführter Schriftwechsel blieb erwartungsgemäß fruchtlos. Der bei Rathje geleistete Pfusch hat mir auf
meiner Weltumsegelung noch große Probleme bereitet. In Chile habe ich mir ein neues Ruderlager fertigen lassen (müssen), das nicht nur ein Bruchteil des urspünglichen Teils
gekostet hat, sondern auch 15.000 Meilen anstandslos funktionierte.
Logbuch führen jetzt Pflicht!?
Wie ich erstaunt zur Kenntnis nehmen konnte, sollen Hobbyskipper faktisch nun ein Logbuch
führen und selbiges drei Jahre lang aufbewahren, um im Falle eines (Un-)Falles Rechenschaft über die Qualität ihrer Schiffsführung und den Hergang der Ereignisse ablegen zu können.
Hier bestätigt sich einmal mehr das, was Politiker als "zunehmende Verrechtlichung des Alltags" auf der einen Seite beklagen und auf der anderen Seite Tag für Tag in einem kaum
noch nachvollziehbarem Ausmaß vorantreiben. Wann kommt die "Starkwind- Segelverkleinerungsverordnung" und die "Toilettenventilzudrehverordnung"?


Letztes Update: 26.12.2011